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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Rabbiner Egon Israel Löwenstein-Ein Achtzigjähriger Als im Jahre 1970 Rabb. Egon Israel Löwenstein von Santiago de Chile her zu uns nach Jerusalem kam, erkannten wir darin einen Akt zionistischer Verwirklichung, der seinem Träger sicherlich nicht leicht gefallen sein konnte. Dabei war ihm diese zionistische Gesinnung keineswegs angeboren gewesen. Als Student des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, hatte er einem nichtzionistischen Verband angehört, gegen den damals der nachmalige geistige Wortführer unserer Gemeinde Emeth we-Emunah, Ernst Simon, ir: der Jüdischen Rundschau eine überaus scharfe Polemik geführt hatte. Und nun, 1970, war es gerade Ernst Simon, der uns auf Rabb. Löwenstein aufmerksam machte und ihn für uns warb. Er hatte bei seinem Besuch in Santiago einen Rabbiner kennengelernt, den er sich für unsere Gemeinde wünschte. Hierzulande sind wir für einen Mann solcher politischer Herkunft leicht bei der Hand mit dem Etikett “Assimilant“. Das dürfte Löwenstein nie gewesen sein. Er hat und hatte immer ein starkes Zugehörigkeitsbewusstsein zu seiner weiten Familie, in der es viel Rabbiner und jüdisch verankerte Denker, meist konservativer Richtung, gab, allen voran Isaak Heinemann, den Dozenten am Breslauer Seminar, über dessen Lebenswerk er eine grössere wissenschaftliche Veröffentlichung vorbereitet. Sein Eintritt in das Breslauer Seminar gibt dieser Zugehörigkeit beredten Ausdruck. Löwensteins eigenes Lebenswerk hat sein Zentrum anderwärts. Nach seiner Inhaftierung im KZ Oranienburg und nach einem kurzen Rabbinat in Gleiwitz, gelangte er noch 1939 nach Chile und wurde dort Rabbiner der grossen Einwanderergemeinde. Dass er weitaus schneller und gründlicher als die meisten anderen Emigranten die spanische Sprache meisterte, war ihm sehr behilflich dabei, seinen Schicksalsgenossen einen jüdischen SALOMON LUDWIG STEINHEIM¬ INSTITUT FÜR DEUTSCH-JÜDISCHE GESCHICHTE, UNIVERSITÄT/ DUISBURG Das Steinheim-Institut baut zur Zeit sehr intensiv ein Bildarchiv zur deutsch-jüdischen Geschichte auf. Kern des Archives sind die Sammlungen von Prof. Dr. Nachum Tim Gidal aus Jerusalem und von Dr. Georg Goldstein. Die Reproduktionsgebühr, die wir bei der Weitergabe der Photos erheben, kommt unseren Forschungsprojekten zugute. Wir möchten natürlich gerne das Photoarchiv ausbauen und suchen vor allem Photos und Dokumente aus Privatbesitz zu den Bereichen Familie, Sport, Schule, soziale Einrichtungen, Jugendgruppen sowie Emigration und Verfolgung während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Besonderes Augenmerk richten wir auf Photos von Synagogen. Wir würden gerne ehemalige jüdische Bürger Deutschlands ansprechen, die heute in Israel oder USA wohnen. Photos, die uns überlassen werden, geben wir den Leihgebern auf jeden Fall zurück; wir haben hier die Möglichkeit, Photomaterial und Dokumente zu reproduzieren. Weg in ihre neue Wirklichkeit zu weisen. Wie er es verstand, in Harmonie mit seinem liberaleren Kollegen Rabb. Lubliner gemeinsam die Gemeinde zu leiten, zeigt ein launiges Abschiedswort seines Kollegen, der meinte: „Wir haben doch recht gut zusammen, Du nach rechts und ich nach links, das Schiff der Gemeinde gesteuert“. Diese seine Tätigkeit war begleitet von einer vielfältigen Betätigung in jüdischen Organisationen: er wurde Mitglied in verschiedenen zionistischen Organisationen, Leiter der chilenischen B’nai-B’rith-Loge und der jüdischen Jugendorganisation und Präsident des lateinamerikanischen Rabbinerverbandes, in anderer Richtung führte ihn über den lokalen Rahmen hinaus seine Aktivität in der Jüdischchristlichen Konfraternität. Aber sein Eigentliches gab er seiner Gemeinde. Von der Anhänglichkeit seiner Gemeir.demitglieder bekam ich einen bewegenden Widerhall, als ich 1976 im Düsseldorfer jüdischen Altersheim Rückwanderern aus Chile begegnete. Sobald diese hörten, dass ich mit Rabb. Löwenstein zusamenarbeite, beteiligten sich sogleich alle an einem grossen Brief an ihn nach Jerusalem. Aber auch in unserer Gemeinde gab es mitunter eine „chilenische“ Barmitzwah, und wenn Rabb. Löwenstein zu den angereisten Verwandten spanisch sprach, waren wir, auch wenn wir nicht jedes Wort verstanden, mitergriffen von der familiären Herzlichkeit, die den Raum erfüllte. Es konnte ihn nicht leicht ankommen, 1970, in vorgerücktem Alter, sozusagen bei uns von vorn anzufangen Aber die erste Tätigkeit, die er übernahm, war ein T'nachkurs, der auf Wunsch der Teilnehmer, fast ausschliesslich Teilnehmerinnen, auf deutsch geführt wurde. Dies mag die gelungenste Veranstaltung gewesen sein, die im Rahmen unserer Gemeinde je sich abgespielt hat. Jahraus, jahrein traf man sich in einem Privathaus, und Rabb. Löwenstein wusste dem Kreis immer wieder neue Inhalte zu geben. Darüber hinaus bewunderten wir das Mass, in der er, teils durch die Gemeinde, teils durch die Logenarbeit, rasch mit den Familien unserer Gemeinde in persönliche Verbindung gekommen ist. Da er nun weit von unserer Synagoge entfernt wohnt, sehen wir ihn leider nur noch selten bei uns. Von seiner jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit, die ihn jetzt stark beschäftigt, hoffen' wir aber noch wertvolle Leistungen zu sehen zu bekommen. Alle die ihn kennen, wünschen ihm herzlichst Mazal-Tow, und Ad Meah W’Esrim, zusammen mit seiner Frau Käthe, in Gesundheit und Frische! Prof. Yehoshua Amlr Im Zusammenhang mit einer Forschungsarbeit über das Konzentrationslager Gross-Rosen (Nieder- Schlesien) suche ich Verbindung mit früheren Häftlingen dieses Lagers. Antworten erbeten an: Isabella Sprenger, Universität Stuttgart, Historisches Institut, Keplerstrasse 17/18, 7000 Stuttgart 1 I STÄRKERE KONTAKTE ZWISCHEN EHEMALIGEN BRESLAUERN! Bei einer Interviewreihe von Senioren in Israel in diesem Winter (durch die ,,vol. Abteilung des isr. soz- Ministerium im Rahmen einer Aktion: „Warmer Winter für Senioren), zeigte es sich In fast einheitlicher Betonung, besonders natürlich bei Alleinstehenden, dass das Schwere am Ertragen der physischen Kälte, noch bei weitem übertroffen wird durch die schwere des sich vereinsamt Fühlens. Und' dies nicht weniger bei finanziell wohlsituierten Senioren, wie bei anderen. Diese Tatsache erfordert, bei der sicherlich vorhandenen Bereitephaft zu helfen, dass, wo immer auch Breslauer leben, maximale Bemühungen gemacht werden müssen, in erster Linie die Adressen solcher Kontaktbedürftigen aufzufinden. Als nächstes, wenn es die Entfernung erlaubt, persönlich freundschaftliche Kontakte anzustreben, und zusätzlich, oder als „nächst Bestes”, bei zu grossen Entfernungen von Stadt zu Stadt etc., regelmässige, pünktliche „Telephcnbesuche” zu machen. Es ist zu hoffen, dass hierdurch erneut, die Wärme der Freude und der Verbundenheit in das Leben der Vereinsamten zurüc'kkehrt- Allgemein soll noch ergänzend betont werden, die Wichtigkeit der Mizwai des systematischen Orgaoisierens von Besuchen bei erkrankten Breslauern, so wie auch Gelegenheitsbesuche, Geburtstagsbesuche etc. Selbst wenn dies nicht immer persönlich möglich ist, dann doch telephonisch oder auch brieflich, jeweils nach der Möglichkeit, Informationen hierüber ausfindig zu machen. Wer an Anregungen für (gemeinsame) Freizeitbetätigung interessiert ist, wende sich gern an unsere Adresse. 19

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