Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1993
- Issue
- No. 57 (1993)
- Date
- 1993-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Frau Lotte Hirschberg wird 95! Lotte Hirscliberg, geb. Krieg, wurde am 17.4.98 in Breslau geboren. Ihre formelle Erziehung erwarb sie in der Privatschule von Frl. Ilming, wo sie auch einige ihrer ersten und viele, viele Jahre andauernden Freundschaften schloss, aber ihre kulturelle Erziehung erhielt sie im Elternhaus. Ihre Mutter, Frau Martha Krieg, hatte eine weite Kunst- und Musikbildung, war selbst eine gute Pianistin, und es gab viel Kammermusik in ihrer Privatwohnung in der Hohenzollernstrasse. Frau Hirschberg und ihr einziger Bruder, Hans Krieg (im Jahre 1977 in Tivon gest.), wuchsen in einer bürgerlichen, jüdisch-liberalen Atmosphäre auf, in der es selbstverständlich war, dass auch Mädchen einen Beruf erlernen, und so absolvierte sie das Kindergärtnerinseminar, gerade als man weger; der Inflation ein Brot für einen Tageslohn kaufen konnte. Ihre Freizeit verbrachte das junge Mädchen im Kreise der „Wandervögel“ und den „Kameraden“, die jüdischen Jugendvereine, von deren schönen Ausflügen sie heute noch schwärmt. Im Jahre 1922 heiratete Lotte Krieg den jungen Arzt, Dr. Josef Hirschberg, den sie schon als Student kennen gelernt hatte, und in dessen frommer Familie von der Wallstrasse No. 5 sie mit offenen Armen aufgenommen wurde. Das junge Paar lebte eirr paar Jahre in Bad Landeck, wo ihr erstes Kind zur Welt kam, zogen aber 1926 nach Bad Altheide, beides Kurbäder im Kreis Glatz (Schlesien), wo Dr. Hirschberg als Badearzt und Herzspezialist bis zur Auswanderung amtierte. In Altheide hatte sich die Familie um noch zwei Kinder vergrössert und obwohl sie die einzige jüdische Familie war, die nicht wie die Kurgäste, die nur im Sommer erschienen, sondern das ganze Jahr dort lebte, war es eine schöne Zeit, bis... Schon im Jahre 1935 drängte Josef Hirschberg zur Auswanderung (die Nürnberger Gesetze gaben ihm den letzten Anstoss). Seine Anfrage auf ein Zertifikat nach Erez-Israel wurde abgelehnt, und so landete die Familie ein paar Monate später in Chile, wo Hans Krieg sie schon erwartete. In Santiago gab es viel Arbeit in der jüdischen Gemeinde, besonders da in den nächsten Jahren, bis es nicht mehr möglich war, sich eine relativ grosse Zahl von Juden nach dort retten konnte. Frau Lotte war einerseits in der WIZO tätig, unter den zionistischen Frauen, wo sie eine Gruppe leitete, und anderseits im „Jüdischen Frauenverein“, der sich der sozialen Arbeit widmete und wo sie sich um die notbedrängten Familien kümmerte. Die Hirschberg'sehe Wohnung war das Zentrum vieler Besprechungen, aber* auch von sozialem Zusammensein mit den vielen neuen Bekannten. Als die Kinder grösser wurden und in der zionistischen Jugendbewegung „Kidma“ aktiv waren, waren die Hirschbergs ihrerseits aktiv bei der Gründung und den Tätigkeiten des Kreises der „Kidma-Eltern“, der der Jugend sehr behilflich war. Es war also nur natürlich, dass nachdem die beiden älteren Kinder schon in Israel waren und die jüngste Tochter sich im Jahre 1952 zur Alijah vorbereitete, auch die Eltern beschlossen ihre Koffer zu packen, um zusammen mit ihren Kindern und Enkelkindern ihre langjährige zionistische Weltanschauung zu verwirklichen. In Israel wohnten die Hirschbergs zuerst in Ramot Haschavim, wo der frühere Arzt endlich wieder praktizieren konnte. Leider erlag Dr. Hirschberg schon nach kurzer Zeit einem Nierenleiden, für das es im Jahre 1954 in dem jungen Israel noch keine Kur gab. Frau Hirschberg beschloss also zu ihren zwei Kindern in den Kibbutz Ramot Menasche zu gehen, wo sie bis heute lebt. Dank ihres Charakters, ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer Anpassungsfähigkeit, hat sie sich schnell im Kibbutz eingelebt. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes verunglückte der Sohn bei einem Autounfall im Militär und 10 Jahre später hat sie auch ihre Mutter im Kibbutz begraben. Trotz allem hatte sie immer die Kraft ihr Kibbutzleben befriedigend auszufüllen, sei es bei der Arbeit in den Kinderhäusern bis die moderne Entwicklung und ihr hohes Alter diesem ein Ende machten, sei es im Kreis der immer grösser werdenden Familie oder sei es durch Besuche bei den Freunden aus der Jugendzeit in Breslau, die sie hier wiedergefunden hat. In den 37 Jahren im Kibbutz hat sie viel zu dem kulturellen Leben der Eltern beigetragen und jede Gelegenheit benutzt, um gute Musik oder Theater im Kulturzentrum der Umgebung zu geniessen. Heute ist das alles schon etwas zu schwer für sie, die Beine sind nicht mehr dieselben wie früher und die Kräfte lassen nach. Aber auf die Geburtstagsfeier verzichten weder die 7 Enkelkinder, noch die 13 Urenkel, noch die Verwandten, die aus Chile und U.S.A. ihre Teilnahme angesagt haben, noch die guten, alten, treuen Freunde. Herzliche Glückwünsche und noch viele Jahre im Kreis ihrer Lieben wünschen auch wir Ihr! DER HIRTE SEINER GEMEINDE Dr. ISIDOR (JIZCHAK) BLEICHRODE SJA., 1867—1954 (Fortsetzung von Seite 17) sammen die Gemeindeangelegenheiten, von der Gestaltung des G“ttesdienstes bis zur Wohlfahrt gemeinsam beraten haben. Bleichrode war als Mensch tief religiös, aber tolerant. Er wusste, dass viele seiner Gemeindemitglieder nicht das waren, was man heute als „konservativ“ bezeichnet, dass aber alle, auch die, die nur an wenigen Tagen im Jahre die Synagoge besuchten, bewusst einen Tempel mit „altem Ritus“, wie man das in der Berliner Einheitsgemeinde nannte, aufsuehten, im Gegensatz zu dem „neuen Ritus“, was man heute mit „liberal“ bezeichnet, mit Orgel und gemischtem Chor, wobei den Heutigen unklar bleibt, was in der Gebetsfolge „liberal“ sein soll; das ist ein politischer Begriff; ein religiöser Mensch kann liberal sein, und ein Freidenker antiliberal.. Er war der Hirte seiner Gemeinde, mit ihr verbunden. Ein Mensch mit tiefgründigem jüdischem Wissen und breiter Allgemeinbildung und Interessen, der persönliche Kontakte mit den Erwachsenen wie mit der damaligen Jugend fand, immer zu einem Gespräch bereit. Die, die ihn als Rabbiner und Lehrer erlebt haben, wurden von seiner Persönlichkeit angezogen. Sein Name steht für Dutzende seinerzeitigen Rabbiner, wie sie in vielen Orten amtiert haben; Lehrer, Geistliche, Wissenschaftler, Teile ihrer Gemeinden, in deren Wohnbezirken sie lebten, die in ihren Wohnungen Sprechstunden abhielten, Aussprache Stunden, das was man seinerzeit als Seelsorger bezeichnete, die Hirten ihrer Gemeinden, GEDENKTAFELN ZUM ANDENKEN iAN DIE EHEMALIGE GEMEINDE BEUTHEN O/S NATYMMiEJSCUSTÄtA 001889c SYNAGOGA GMINY ZYDOWSWEJ W BYTOMIU, DQMM0DUTWY2D$1Ä$FiMjÖNYIZSURZöW WNOCY Z 9-ego NA «Hgo USTORADA1938 r. ATTHIS SITE ST000.THE SYNAGOGUE WMWÜlCZEfiWCUWZr. FROM1869 ONWÄROS. ft WAS BURNT DOWN AND OESTROYED BY THE NAZIS DÜRING THE POGROM, 9thAND 101h OF -THE LAST REMAINfNß 982 MEMBEfiS OF THE COMMUNITY - WERE SEMTTO'iHE NAZi ßEÄTB CÄMPS . ‘(113 8151 Anschliessend an einen Besuch in Beuthen O/S beschlossen drei Familien, ehemaliger Beuthener Initiative zu ergreifen, etwas zum Andenken an ihre ehemalige Gemeinde zu tun. Die Familien Dvir, Kibbutz L’havot Habaschan; Ben Dor, Affula; Lewin, Kibbtuz Mizra, veranlassten viele überlebende Ex-Beuthener sich an diesem Projekt zu beteiligen. Zwei Erinnerungstafeln wurden in Israel hergestellt. Anfangs Juli 1992, d.h., 50 Jahre nach der Verschickung der letzten Holocaustopfer aus Beuthen in die Vernichtungslager, wurden diese Gedenktafeln angebracht: Eine auf dem jüdischen Friedhof und die andere an der Stelle, wo früher die Synagoge stand, welche beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurde.