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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Vor Tausend Jahren: Die Selbstbesinnung des Europäischen Judentums von Gou>srei" ln der Geschichte der Juden unterscheidet man zwischen den sephardischen und aschkenasischen Gruppen. Mit den ersten Namen werden sie bezeichnet, deren Vorfahren in S’pharad, in Spanien, lebten, und sich von dort nach der Vertreibung in den Ländern des Mittelmeerraums niederliessen. Wann und warum der Begriff Aschkenas aufkommt, erst für Deutschland, dann für das europäische Judentum, ist unklar. Eine Theorie sagt, dass das biblische Wort klanggleich mit dem der Askanier ist, einem mitteldeutschen Fürstengeschlecht. Die Unterscheidung tritt erst später auf. Alle führen hebräische Namen. Um 900 wandert die Familie Kalonymos aus der Toscana, Lucca, nach Mainz, deren Mitglieder Gemeindeälteste wie geistige Führer in Mainz und Speyer werden. Aus Kalonyrrios schleift sich der spätere Vor- und Zuname Kalman ab. (Die später bekannte Familie Warburg wurzelt in Bologna, Italien, wo sie Delbanco heissen, sie lässt sich in Warburg nieder, und kommen im 17. Jahrh. nach Altona, wo sie sich den Namen geben.) ¥ Die geistige, religiöse und juristische Zentrale des 'Weltjudentums’, wie man es seinerzeit noch nennen konnte, stellen die Akademien in Babel dar, Sura und Pumbedita, zuständig für religiöse wie zivilrechtliche Entscheidungen, an die man sich wenden musste. Ihre Entscheidungen, die Responsen, sind verbindliche. Sie hatten zwar keine Machtmöglichkeiten, die innere Disziplin genügte, ihnen Geltung zu verschaffen. Es dauerte oft Monate, bis die Antworten, die oberinstanzlichen Entscheidungen, die europäischen Gemeinden erreicht haben. ¥ Um das Jahr 800 entsteht eine neue weltpolitische Situation, das Karolinische Reich, von Italien bis zur Nordsee und der atlantischen Küste. Das heilige „Römische Reich Deutscher Nationen“ wird der Gegenblock gegen das Reich der Kalifen, die hundert Jahre vorher, im 7. und 8. Jahrh. Nordafrika besetzen, Spanien fast ganz erobern, und nahe bis Konstantinopel kommen, der Hauptstadt Ost-Roms. Karl der Grosse nimmt Kontakte mit dem Osten auf. Im Jahre 797 schickt er eine Gesandschaft zu Harum AI Raschid, darunter ein Jizchak aus Aachen, der arabisch spricht, ür.’d später als einziger aus der Gruppe zurückkehrt. ¥ Die Lebensbedingungen im “Römischen Reich Deutscher Nationen“ waren andere als die in der islamischen Welt. Zu den Gaonim, den Leitern der Jeschiwot in Babel, gesellten sich jetzt die Rosche Jeschiwot in Mainz und Worms, welche für die Juden in Deutschland und Frankreich massgebend waren. Die ersten "Chachame Aschkenas“ hielten sich zumeist an die Palestinensische Tradition, und nicht an die Babylonische. Aber von die Mitte des 11. Jahrhunderts bekam die Babylonische Tradition die Oberhand und nur in Bezug auf einige „Minhagim“ (Gebräuche in Liturgie und der Thoravorlesung (einjähriger Zyklus), hielt man sich an die Palästinensische Tradition. Es stellt ein entscheidendes — rückblickend revolutionäres — Ereignis dar, dass damals unter den ’Ansche Rhenus’, den Juden der Rheinprovinzen, Persönlichkeiten aufgetreten sind, die über religiöses Können und Wissen verfügten, die Tatsachen erkennen, und die Autorität erringen, ihren Erkenntnissen Ausdruck zu verleihen und durchzusetzen. Die Reihe eröffnet Gerschom ben Jehuda, 960—1028 (nach anderen Quellen bis 1040), der um das Jahr Tausend eine Talmudschule in Mainz leitet. Er wird zur Zentralfigur des europäischen Judentums. Seine Verordnungen, Takkanot, bestimmen das religiöse Leben, aber auch das tägliche, die den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen der Welt seiner Zeit angepasst werden. Er aktualisiert die Halacha. Seine Antworten, Responsen, verfasst er in hebräisch und nicht in aramäisch oder arabisch wie die aus Babel. Bekannt und rezitiert werden seine Forderungen, nach denen unser Leben sich noch immer richtet. Er verbietet die in der Bibel wie, in der islamischen Welt bestehenden Polygamie, die Vielehe. Er bestimmt, dass keine Scheidung ohne Einwilligung der Frau ausgesprochen werden darf. (Nach islamischem Recht kann ein Ehemann die Frau — oder eine — ohne Angaben von Gründen wegschicken.) Er verordnet die Einhaltung des Briefgeheimnisses und legt die Verletzung unter den Bannfluch. Das klingt nicht mehr aktuell, aber seinerzeit als Briefe, Handelskorrespondenz wie politische Schreiben und persönliche Nachrichten oft unbekannten Reisenden mitgegeben wurden, konnte nur die äusserste Form der Beatrafung, die den Rabbinen zustand, das Gesetz zur Durchführung verhelfen. ¥ Rabbi Gerschom erhielt von den Nachfahren einige Ehrentitel, Rabbenu, unser Lehrer, wie ’Ma’or Ha Gola’, Leuchte des Exils. Da er in Metz, Lothringen, gebürtig war, wird er der Stolz der ’Ansche Lothar’, der Leute aus Lothringen, eine Bezeichnung, die die Tradition noch Raschi zuschreibt, Rabbi Schlomo ben Jizchak, 1040 in Troyes, in der Champagne geborer.', der zwischen 1055 und 1065 zuerst in Mainz, dann in Worms “ein Schüler seiner Schüder“ wurde. Talmid Talmidaw, insbesondere Jakob ben Jakar und Jizchak ha'Levi, und der, nachdem er nach Troyes zurückkehrt, wo er Winzer ist, denn das Studium stellt keinen Beruf dar, durch die Bibel- und Talmudkommentare auf seine Weise hilft, dem europäischen Judentum die geistige Unabhängigkeit zu geben. Seine Auslegungen sollen das Verstehen der Schriften für alle die erleichtern, die sich rächt mit lebenslangen Studien beschäftigen. Die Kommentare Raschis gehören zu den ersten hebräischen Drucken, die in Reggio de Calambria, Italien, hergestellt wurden. ¥ Die Zeit von Rabbenu Gerschom bis Raschi stellt eine der Blütezeiten des aschkenasischen Judentums dar. In diesem Zusammenhang gehört Raschi — mindstens geistig — zu den 'Ansche Lothar' oder den 'Ansche Rhenus', den Leuten vom Rhein, zu denen, die an den 'Takkanot Schum' mitgearbeitet haben, den Verordnungen, die an den Schulen von Speyer, Worms, Mainz, ausgearbeitet und formuliert wurden. ¥ Die Akademien Babels nehmen ein trauriges Ende. Der letzte Ga'on, der den Titel trägt, Chai, Chesekia ben Scherira, wird 1040, im Geburtsjahr Raschis, auf Befehl des Kalifen hingerichtet. Die Schulen, die noch fast zweihundert Jahre bestehen, versinken zur Bedeutungslosigkeit, und üben keinen Einfluss mehr aus. Raschi erlebt noch den Untergang der Gemeinden der ’Ansche Rhenus’, der Zerstörung und Austreibung vieler jüdischen Gemeinschaften Europas, die mit dem ersten Kreuzzug, 1096, einsetzt. Er konnte in Troyes bis zu seinem Tode, 1105, Weiterarbeiten. Seine Nachfolger, insbesondere seine Schwiegersöhne, ergänzen und erweitern die Kommentare durch Zusätze, den Tossafot. Die geistigen Werke, die im elften Jahrhundert geschaffen werden, die Takkanot, die Anordnungen, wie die Auslegungen und Kommentare, konnten die Verfolgungen überdauern, sie gelten bis heute als religiöse Richtschnur der Jehude Aschkenas, des europäischen Judentums, wo sich deren Nachfahren auch immer befinden... Und vielleicht deshalb, weil sie über fünf Erdteile zerstreut leben, gelingt es ihnen nicht, einer Persönlichkeit oder einer Schule, den Weg zu wefisen, wie es Rabbi Gerchom, seine Mitarbeiter und Schüler um das Jahr Tausend verstanden haben... SUCHANZEIGEN Frau Kitti Beil, ehemals Breslau, bittet um Auskunft über ihre Schwester Ruth Steiner (Tochter von Karl und Gertrud, ehemals Breslau, Mathiasstrasse 19, geb. 2.6. 1924. Sie wurde Im Jahre 1943 in das Lager Auschwitz-Bürkenau verschickt. Wer etwas über ihr Schicksal weiss, wird gebeten, sich mit folgender Adresse in Verbindung zu setzen: Frau Sonia Grinberg, 46/25 Jabotinsky Str., Rischon Le-Zion 75227, Israel, Tel. 03-9663412 ¥ Wer weiss etwas über Oberkantor Rosenthal in Breslau sowie über die Familie Gesundheit? Herr Gesundheit war Importeur in Israel und verheiratet mit Betty Nelken. Leben noch Verwandte von Oberkantor Rosenthal und Familie Gesundheit? Gibt es Schallplatten von Oberkantor Rosenthal? Zuschriften erbeten an: Bernt Scholtz, 4950 Minden, Max Kolbe Weg 6B, W. — Germany. ¥ Wer weiss etwas über Ernst Hamburger aus Breslau und Familie Hamburger aus Waldenburg/ Schlesien? Gesucht von Frau Anita Richter, geb. Rossbrey, geb. 16.3.1929 in Breslau und lebt seit 1945 in Linda, Kreis Brand-Erbisdorf/Sachsen. Die Eltern von Ernst Hamburger hatten eine Tuchfabrik In Waldenburg/Schlesien. Antworten an: Dr. sc. phil. M. Dusing, Chemnitzerstrasse 103 — 06/2, D — O — 9200 Freiberg, Germany. Druck „DAF-RAZ“, Tel Aviv, Wolfson 48

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