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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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DIE EINWEIHUNG DER KREUZBURGER SYNAGOGE 1886 (Fortsetzung von Seite 14) c'ass er durch den Besuch des in Breslau tagenden Congresses der Inneren Mission verhindert“ sei, offenbarte sich der brave Pastor primarius Julius Kindler, dessen religiöse Toleranz stadtbekannt war, in folgender Weise: „Auf die geehrte Einladung erlaube ich mir ergebens zu erwidern, dass es mir zu meinem Bedauern nicht möglich ist, an der bevorstehenden Einweihungsfeierlichkeit theilzunehmen. Die Gegenwart evangelischer Geistlicher bei der Grundsteinlegung im vorigen Jahr hat leider so viele Missdeutungen in öffentlichen Blättern und auch sonst hervorgerufen, dass ich um des Friedens willen mich zu der vorstehenden Absage genöthigt sehe.“ Offenbar hatte man höheren Orts Kindler Vorhaltungen gemacht, als er in offizieller Funktion an der Grundsteinlegung mitgewirkt hatte. In seinem Wunsch nach Abstand zu den jetzigen Feierlichkeiten geht er so weit, dass er sich nicht einmal — anders als Kurat Kokott — zum Diner anmeldet, wo er im Rahmer.' der zugelassenen Toasts seine Glückwünsche hätte Vorbringen können. Fasst man den Zuspruch auf die Einladung pauschal zusammen, so lässt sich sagen, dass die jüdische Gemeinde durchaus Anerkennung und ge- .sellschaftliche Aufnahme gefunden hat. Kälte und Distanz zeigten lediglich Staat und Kirche: das Regierungspräsidium, das die Einweihung als Allerweltsakt hinstellte, für den man sich zu schade sei, und die beiden christlichen Konfessionen: dogmatische Enge, aber Herzlichkeit beim katholischen Geistlichen, der offenbar verordnete Wunsch nach Distanz bei den Protestanten. Wie unangemessen und für die jüdische Gemeinde enttäuschend die Haltung der staatlichen Stellen war, zeigt die Programmgestaltung für die Einweihung. Der angesehne Beuthener Rabbiner Dr. F. Roseithal hat ein eigenes Gedicht verfasst: „Unserer Mühen schweres Ringen, Unserer Träume schönster Traum Heute soll es uns gelingen, Zu eröffnen den geweihten Raum. Dem G“tt der Ehr und Ewigkeit Ward dies neue Haus erbaut, Ihm zu Ehren wird's auch geweiht. Heil dem, der auf Ihn vertraut! In den G“ttgeweihten Hallen Wird der frommen Beter Chor Bald in Andacht hier erschallen, Steigen zu dem Herrn empor. Und Israel flehet an diesem Ort Zum Vater aller Menschenkinder, Der den Gebeugten Schirm und Hort, Der verzeihet selbst dem Sünder. Um der Menschen höchster Güter In der Zeit und Ewigkeit, Fürs Vaterland und seinen Hüter Für die hohe Obrigkeit. Die mit Weisheit uns erzieht, Tugend schütze mit starker Macht, Die auf des Ostens Grenzgebiet Für deutsche Sitte haltet Wacht. Dem, der diesen G“ttestempel Aufgebauet und geschmückt, Stolp-Eine Jüdische Gemeinde in Pommern (Gerhard S3linger: Ein Rückblick und Beitrag zum Leben und Schicksal der Juden in Stolp in Pommern) Von H. W. GOLDSTEIN Es wind mit jedem Jahr schwerer, das Bild der vielen jüdischen Gemeinden nachzuzeichnen, die es im alten Reich gegeben hatte, insbsondere für Orte, die 45 Jahre im Gebiet der DDR lagen, und fast unmöglich für Städte und Dörfer, die 1945 zu Polen kamen, und wo die neu angesiedelte Bevölkerung nichts von den früheren jüdischen Bewohnern weiss, oder wissen will. Gerhard Salinger, heute New York, hat die Aufgabe übernommen, durch schriftliche wie persönliche Kontakte, Juden wie Nichtjuden, ein Bild der jüd. Gemeinde Stolp zu rekonstruieren, seinerzeit eine Kreisstadt im Regierungsbezirk Köslin, die 1933 45.000 Einwohner zählte, darunter ungefähr 470 Juden, ein Ort, in dem von 1841 bis 1939 ein Rabbiner amtierte. Die mühevoll zusammengestellte Aufstellung muss viele Lücken haben. „Da es keine offiziellen Dokumente über die Stolper jüd. Gemeinde nach 1900 gibt oder solche nicht auffinbar sind“. Das Buch, 150 Seiten, ist eine wirkliche Leistung eines seinerzeit jungen Menschen, der noch zwischen 1939 und 1941 in Gross Breesen, einem Ausbildungslehrgut der Reichsvereinigung, gewesen ist. Die Gemeinde reicht bis 1717 zurück. Ein Privileg Königs Friedrich Wilhelm I., gestattete jüd. Familien sich in der Neumark, östlich der Oder, niederzulassen, gleichzeitig wurde einigen jüdischen Familien in Pommern die Ansiedlung gestattet, die die Aufgabe übernehmen sollten, den Ost-Westhandel zu intensivieren. Die erste jüd. Familie wird schon 1712 in Stolp erwähnt, als Steuerzahler — 8 Taler. Das erste „Privileg“ erhielt eine Familie 1718, eine zweite 1719, der 1735 die dritte folgte. Zusammen, einschliesslich Hauspersonal und 2 Schulmeistern, bringen sie es 1737 auf 27 Personen, unter 2600 Einwohnern. Bis 1812, als die Juden Familiennamen in Preussen annehmen mussten, vergrösserte sich die Gemeinde auf 63 Personen. Danach folgte Zuwanderung aus den Provinzen Posen und Westpreussen; 1852 zählte die Gemeinde schon 599 Personen. Ihre Grösse erreichte die Gemeinde 1880, mit 958 Seelen, dann beginnt die Abwanderung, wobei die meisten sich in Berlin niederlassen, das sich seinerzeit zum Industrie-, Handelswie Kulturzentrum entwickelte. Nachdem der G“ttesdienst lange in gemieteten Räumen abgehalten wurde, wird 1842 eine Synagoge gebaut. Der erste Rabbiner kommt schon 1841 nach Stolp, der gleichzeitig als Rektor der jüdischen Schule wie der Religionsschule amtiert. Sechzig Jahre später, 1902, wird ein moderner Tempel mit 700 Plätzen errichtet, die niemals besetzt werden konnten, daneben ein Gemeindehaus mit drei Wohnungen für die Beamten, das ■— tragischerweise — nach 1938 die Schulräume und das Betzimmer aufnimmt. Unter den Rabbinern wirkte von 1902 bis zu seiner Pensionierung 1936 Dr. Max Joseph, der über seine seelsorgerischen Aufgaben hinaus ein Gelehrter war, philosophisch, historisch und literarisch interessiert. Er lieferte Beiträge für das Jüdische Lexikon, 1927—1930, später für die „Universal Jewish Encyclopedia“, New York, 1949—42. Er bekannte sich früh zum Zionismus, was bei einem liberalen Rabbiner eine Ausnahme darstellte, und wanderte nach seiner Pensionierung nach Haifa aus, wo er 1950 verstarb. Besondere Aufmerksamkeit erregt die Geschichte des Friedhofs. Lange Jahre mussten die Toten auf den 60 Kilometer entfernten Begräbnisplatz in Lauenburg überführt werden. Erst 1825 erhielt die Gemeinde einen Abschnitt an dem 1796 (Fortsetzung auf Seite 16) Seines Planes edlen Stempel Dem Gefüge aufgedrückt. Diesen Schlüssel reich’ ich Dir Und des Dankes warme Worte, Last zu Deinem Werke hier Uns erschliessen jetzt die Pforte!“ Die israelitische Gemeinde gab sich stramm preussisch. Der G“tt Israels schützt das Vaterland und die Obrigkeit und auch die, die ,,auf des Ostens Grenzgebiet“ für deutsche Sitte sorgen. Wie sehr die „Obrigkeit“ in den Weiheakt einbezogen war, macht ein früherer Brief des Rabbiners Rosenthal vom 30. Juli deutlich, den er dem Gedicht (von ihm „Ansprache“ genannt) beigefügt hat: Er übersende „eine Ansprache bei Überreichung des Schlüssels. Ich denke mir, dass das Mädchen den Schlüssel dem anwesenden Vertreter der Obrigkeit zu überreichen hat. Dieser Annahme entspricht die von mir verfasste Ansprache. Sollte diese Annahme nicht richtig sein, so bitte ich, mich davon in Kenntnis zu setzen. In jedem Falle, meine ich, sollte man das Wort: ,.Prolog“ meiden, da dasselbe zu sehr an theatralische Veranstaltungen erinnert." Es muss für die Jüdische Gemeinde eine herbe Enttäuschung gewesen sein, dass sie, die in einem eigenen Schreiben der „Hoffnung“ Ausdruck gab, ,,eiT.,en Delegierten der Königl. Reg. erwarten zu dürfen", vom Regierungspräsidium — der Oppelner Obrigkeit— die Mitteilung erhielt, es sei „nicht gestattet, zu deratigen ... allzuhäufig wiederholenden Vorkommnissen einen Vertreter abzuordnen“. Davon war aber offenbar die Planung des Kreuzburger Festkomitees ausgegangen. Es hatte festgelegt, dass mit dem Tragen des Schlüssels der Synagoge „Fräulein Hedwig Zwicklitzer von hier beehrt werden“ solle, die auch „die Ansprache, welche von dem Rabbiner Dr. Rosenthal in Beuthen eingeholt wird“, zu halten habe. Hedwig Zwicklitzer war aus einer Gruppe von 23 Mädchen (4 hatten die Teilnahme abgesagt) ausgewählt worden, die sich am Festzug „in hellen Kleidern und mit einem Kränzchen auf dem Kopfe geziert" beteiligen sollten. Um 2 Uhr begannen die Einweihungsfestlichkeiten. Rabbiner Dr. Wilhelm Münz scheint so eindrucksvoll gesprochen zu haben, dass die Gemeinde den Wunsch verspürte, die „Worte durch den Druck zu veröffentlichen“. Aber Dr. Münz winkte ab. Er habe noch keine seiner Predigten, trotz wiederholter Aufforderung, „der Öffentlichkeit ... übergeben“: eine Predigt müsse „mit religiöser Gewissenhaftigkeit von allen Schlacken geläutert werden“, und dazu fühle er sich nicht in der Lage. Um 516 Uhr war das Diner im Saal zum „Fürst Blücher" angesetzt, einem der „behaglichsten Gasthöfe Schlesiens“. (Ofcerschleslsches Jahrbuch, 1991) 13

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