Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1993
- Issue
- No. 57 (1993)
- Date
- 1993-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/7506414-7412157-7492872--122-7412171- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Einweihung der Kreuzburger Synagoge 1886 Die Darstellung stützt sich auf die Akten über die Einweihung der Kreuzburger Synagoge 1886 in den Akten der Kreuzburger Judengemeinde aus dem ehemaligen Gesamtarchiv der deutschen Juden, heute im Bundesarchiv Potsdam. Endlich war es erreicht. Rund ein halbes Jahrhundert hatte sich die jüdische Gemeinde Kreuzburgs um ein Gotteshaus bemüht und manchen Rückschlag hinnehmen müssen, ungeachtet der schweren Aufgabe, das nötige Geld zusammenzubringen. Anfangs — um 1830 — hatte man offenbar die Synagoge im Dorfe Kraskau besucht, wo die Kreuzburger Israelitische Corporation auch ihren Begräbnisplatz hatte, aber es war in zunehmendem Masse zu Unzuträglichkeiten mit den dortigen Gemeinderepräsentanten gekommen. Besondere Streitpunkte waren die Art des Rechts, das den Kreuzburger Glaubensgenossen eingeräumt wurde, und die finanziellen Zuwendungen. „Die Creuzburger israelitische Corporation besitzt... nicht nur das Mitbenutzungs... sondern ein Mit Eigentumsrecht“, behauptete man in einem Schreiben an die Kraskauer, und die Kraskauer wiederum — eine kleine Gemeinde, die 1847 kümmerliche sechs Familien umfasste — fanden sich, zumal für den Begräbnisaufwand zu kärglich entlohnt, auch wenn die Kreuzburger die Bezahlung des Grundzinses übernahmen. Die Kraskauer richteten an die Kreuzburger folgenden Appell, abgefasst in einem abenteuerlichen Deutsch: „da wier Sehr grosse Kosten haben, Einen Mann der sich zur Beerdigung cvalificirt zu untterhalten... daher kenen wihr in keinem Vahl mit 18 rth (Reichstaler, Anm. d. Verf.) zufrieden sein“. Man beliess es zwar beim Begräbnisplatz in Kraskau, mietete jedoch spätestens 1835 im Hinterhaus des Kaufmanns Wenzel einen Raum als Betraum an. Mehrere Jahrzehnte blieb man ir: dieser Behausung, beim „Beth-Local des Wenzelschen Hinterhauses“, obwohl es sich um eine ziemliche Bruchbude gehandelt haben muss, denn der Magistrat der Stadt Kreuzburg gab im März 1850 im herrlichsten Beamtendeutsch „dem Vorstande der israelitischen Gemeinde auf, den Übelstand der Biegung des Trägers durch einen Zimmermeister noch näher untersuchen zu lassen“. Die Gemeinde wuchs, die für das Gemeindeleben notwendigen Einrichtungen waren, wenn auch in primitiver Form, etabliert, aber es fehlte der Gemeinde noch an einer festen Rechtsform, die sie als juristische Person handeln lassen konnte. Dann erst war an die Errichtung einer eigenen Synagoge zu denken. Die Gemeinde hatte jährlich dem königlichen Landratsamt das Wahlprotokoll und die Namen der gewählten 9 Repräsentanten1 zu melden. Im Oktober 1847 verband man diesen Akt mit einer Eingabe folgenden Wortlauts: „Da die Zahl der hierorts wohnenden jüdischen Familien gegenwärtig auf... 44 sich beläuft (die Seelen-Zahl beträgt jedoch 253) nächst von den nahgelegenen Ortschaften hinzukommen 7 Familien und aus Crascau noch hinzutreten 6 Familien so wird dadurch unsere Gemeinde aus 57 Familien bestehen. Zudem besitzen Wir hierorts auch eine concessionierte jüdische Elementarschule und haben auch ein allgemeines Beth-Local und Frauen-Bad, welches zwar auf dem Namen des Herrn Weinkaufmann Cohn conformiert, jedoch Eigenthum der Gemeinde ist und sofern wir nun eine juridische Person ausmachen, die diesfällige Umschreibung auf die jüdische Gemeinde Von Prof. HORST FUHRMANN nächstens beantragt werden soll; auch haben wir auf dem Terrain bei Crascau einen Begräbnis-Platz und so dürfte, unser unvorgreiflichen Meinung zufolge, nichts im Wege stehen, dass wir eine Synagogen-Gemeinde allein mit allen hierzu bezüglichen Corporationsrechten ausmachen dürfen und bitten wir zudem diesen unseren devotesten Antrag bei Ew. Königlichen hochlöblichen Regierung ... befürworten zu wollen.“ Ob diese Eingabe sofort Erfolg gehabt hat, lässt sich nicht ausmachen. In der Literatur wird das Jahr 1856 genannt, aber eir.- Antwortschreiben liegt den Akten nicht bei. Die Argumentation der Petenten war nicht ungeschickt. Man verwies auf den hohen jüdischen Bevölkerungsanteil. Damals dürfte Kreuzburg eine Stadt von noch nicht einmal 4000 Einwohnern gewesen sein; zählt man zu den 253 genannten Kreuzburger Juden, die im Umland, einschliesslich Kraskau, wohnenden hinzu (13 Familien), so kommt man bei 300 bis 400 Juden auf 8—10%, für Preussen ein sehr hoher Anteil. Noch aber blieb man offenbar, trotz aller Nachteile, im Beth-Local des Wenzelschen Hinterhaus. Anderes wurde verbessert. So erhielt das Frauenbad 1854 einen Dampfbade Kessel laut Rechnung des Maurermeisters Hoffmann, und man sah sich nacn Grundstücken für eine Synagoge um. 1865 glaubte man in einem Gartengrundstück des Apothekers H. Müller Passendes gefunden zu haben, aber nach langer Diskussion gab man das Areal wegen seiner ungünstigen Lage wieder auf. Den endgültigen Zuschlag erhielt ein Grundstück in einem neu erschlossenen Gebiet in der Ausfallstrasse nach Oppeln ausserhalb des Altstadtrings. Unter grossen finanziellen Opfern ist die Synagoge von Maurermeister Milde im „romanisch-maurischen Stil“ von 1885 an errichtet worden. Am 15. EluI 5646, am 15. September 1886, fand die Einweihung statt. Es liegen mehrere Protokolle über die Planung der Einweihungsfeier vor: welche Rabbiner „zu engagieren“ seien („Dr. Münz in Gleiwitz“ und „Dr. Rosenthal in Beuthen O/S“), was an Musik geboten werden und wer sie ausführen soll („Cantor Hammerschlag (hat) nebst Chor u. Orchester mitzuwirken“), wie das gesamte Programm auszusehen habe, vor allem aber: wer einzuladen sei. Hier hat man mehrere Kategorien eingerichtet: a) „Auswärtige, die zum Synagogen Bau beigetragen haben“, b) Ehrengäste vom Regierungspräsidenten (damals Traugott Adalbert Ernst Graf von Baudissin) bis zum katholischen Licentiaten F. Kokott, c) Magistrat und Stadtverordnete, jedoch auch Handwerker und die Vorstände der Schützengilde, des Kriegervereins und des Gesangvereins, d) sämtliche Gemeindemitglieder. Wie reagierte man auf die Einladung? Es überwiegen bei den rund dreissig Zuschriften bei weitem die Zusagen. Die Militärs Oberstleutnant Bauer und Major Wehlmann lassen es sich „zur Ehre anrechnen“, an der Einweihung teilzunehmen; Gymnasialdirektor Wilhelm Gemoll versichert, dass er „nicht verfehlen werde, der Einladung Folge zu leisten“; der Vorstand des Kriegervereins sagte zu. Eduard Georg Graf von Bethusy-Huc, der Gründer der freikonservativen Partei (der späteren Reichspartei), Herr auf Bankau und damals Landrat des Kreises Kreuzburg, nennt es einen „besonderen Vorzug ..., an der Einweihungsfeier Theil zu nehmen“. Juden, die mit der Kreuzburger israelitischen Gemeinde verbunden waren, entschieden sich unterschiedlich, hier gab es sicherlich manche Enttäuschung. Der allseits geschätzte Simon Cohn aus Berlin lässt auf zartblauem edlem Papier kalligraphisch die Zeilen setzen: „Ihrer freundlichen Einladung zur Einweihung der neuen Synagoge bedaure ich nicht folgen zu können, da ich gezwungen bin, mich am 14.ten dieses Monats geschäftlich am Rhein aufzuhalten“; es folgt die Unterschrift. Im allgemeinen überwog der Wunsch, der Feier beizuwohnen, und nebst diplomatischen Ausreden wird es eine ganze Reihe echter Verhinderungen gegeben haben. Da ist der Gutsbesitzer Otto von Watzdorf aus Schönfeld. Am 24 August sagt er ab, denn er habe am Einweihungstag Einquartierung in seinem Hause: am 30. August teile er mit, dass er „es doch möglich zu machen gedenke“, am „Einweihungsfeste“ teilzunehmen, um schliesslich am 10. September eine überstandene Rippenfellentzündung zu melden, die ihn am Kommen hindere. Einige Absagen dürfen besonderes Interesse beanspruchen: Während der Oppelner Regierungspräsident Graf von 'Baudissin sich persönlich mit wohlgesetzten Worten entschuldigt, wird von untergeordneten Beamten des Regierungspräsidiums die Bitte nach einem Regierungsvertreter ausgesprochen schnöde abgeschlagen. Die „Geschäftslage“ gestatte es nicht, „zu derartigen, in dem ... Verwaltungsbezirke allzuhäufig wiederholenden Vorkommnissen einen Vertreter abzuordnen“. Der Vertreter der Katholiken, die in Kreuzburg — im Gegensatz zu den übrigen Kreisstädten Oberschlesiens — eine 'Minderheit darstellten, Kurat Kokott, sprach seine „Innige Theilnahme an der Vollendung des so herrlichen Werkes (aus), welches auf Jahrhunderte hinaus ein glänzendes Zeugnis für den tiefen, kein Opfer scheuenden, religiösen Sinn der kleinen israelitischen Gemeinde Kreuzburgs sein wird. Es ist mir zwar nicht möglich, dem Akte der Einweihung selbst persönlich beizuwohnen“. Aber er werde beim anschliessenden Diner seine Glückwünsche persönlich darbringen. Bei den Protestanten gab es Ärger. Während der zweite Pastor Roman Müller knapp mitteilte, (Fortsetzung auf Seite 15) [ I I 14