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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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DAS LICHT IM RELIGIÖSEN BRAUCH Von HEINZWERNER GOLDSTEIN Lampen, Lichter, Kerzen gehören zu den religiösen Formen, die sich seit Jahrhunderten eingebürgert haben. Bestimmte Gebete sind ohne sie nicht denkbar. Formen und Gebräuche, die selbstverständlich erscheinen, die aber, versucht man auf die Anfänge zu kommen, viele Fragen aufgeben. In den Synagogen, das sieht man auf den ältesten Abbildungen, hängt ein „Ewiges Licht“, „Ner Tamid“,vor dem Toraschrein. Einstmal eine Öllampe, heute elektrische Anlagen. In vielen der grösseren G“tteshäusern ist es eine künstlerisch ausgeführte Lampe, mit abgeschirmten Licht oder Leuchte. Ein Brauch, der wahrscheinlich auf Hinweise im 2. Buch der Tora, Kap. 25 und 37, beruht, wo die siebenarmige Mer/ora beschrieben wird, die im Stiftzelt, dem fahrbaren Heiligtum der Hebräerstämme, aufgestellt wurde. Der Kandelaber bestand aus einem Mittelschaft, von dem an jeder Seite drei Äste als Lampenhälter aufstiegen. Das Emblem des Staates Israel versucht, diese Form nachzuempfinden. Zum Unterschied zu der Menora nennt man den achtarmigen Leuchter, der am Chanuka entzündet wird, in Israel ’Chanukkia’, und nicht wie im Ausland, Menora. Die Art und oft geschmackvolle Ausführung dieser Leuchter, von denen es am Anfang unseres Jahrhundert solche mit eingebautem Spielwerk gab, lässt der künstlerischen Phantasie breiten Spielraum. Ältere Chanukkiot hatten Öllampen, auf flacher Basis, mehr oder weniger künstlerisch ausgeführt, bis sich die Form der aufstrebenden Äste, wie man sich die Menora der Bibel vorstellt, durchgesetzt hat. (Theodor Herzl wird von dieser Form angesprochen, den acht Lichtern mit dem ’Schamasch'. dem Diener, der die anderen entzündet. Er widmet dem Thema 1897 ein brilliantes, immer noch lesbares Feuilleton.) Das ,,Lichtfest“, wie man es gerne nannte, das sich auf das Lichtwunder im gereinigten Heiligtum bezieht, wurde vor mehr als hundert Jahren in der Tradition der jüdischen Familie aufgewertet, einmal durch den Zionismus, der sich seinerzeit gerne mit den Makkabäern verglich, dann insbesonders als Antwort auf die Assimilation. Die häusliche Feier brachte es mit sich, den Kindern Geschenke und „Bunte Teller“ mit Naschereien zu geben, um nicht zurückzustehen gegenüber den Nachbarskindern, die ihre Weinachtsbescherung haben. Die Erklärung des Ner Tamlid wie die der Lichter zu Chanuka ist verhältnismässig leicht zu finden. Auch andere 'Gebräuche sind ohne Lichter, Kerzen, unvorstellbar, beginnend mit den Kerzen, die den festlich geschmückten Tisch am Vorabend des Schabbat oder Festtages schmücken. Ein schöner Brauch, der auch in unserer Zeit mit elektrischer Beleuchtung eine besondere Atmosphäre schafft. Nicht umsonst werden bei festlichen Esser.', in der Familie oder im Restaurant, Kerzen aufgestellt. 'Die Kirche hat, bauend auf die Menora der Bibel, Öllampen und Kerzen übernommen. (Das hebräische Wort Ner, das Öllicht, wird heute für Kerzen verwendet.) Der Schabbat, wie die Feste, werden nicht nur mit Kerzen begonnen, die nach der Tradition die Hausfrau entzündet, der Tag wird mit Symbolen beendet, zu denen neben dem Wein und den wohlriechenden Kräutern ein Kerze gehört, die der Hausherr ansteckt, aber nach kurzem Gebet wieder verlöscht. Die Hawdala, die Unterscheidung vom Ruhetag zur arbeitsreichen Woche. Der Brauch verlangt, dass die Kerze, diesmal eine wirkliche Wachskerze, aus mehreren dünnen Streifen geflochten ist. Der Segensspruch über das Licht am Schabbatausgang beruht auf dem Midrasch, welcher erzählt, dass das Feuer durch den ersten Menschen am Schabbatausgang geschaffen wurde. G“tt gab ihm zwei Steine, welche er aneinander rieb und so das Feuer entstand. Zum Andenken an die zwei Steine muss die Hawdalakerze aus mindestens zwei Dochten geflochten sein. (In die christliche Welt gehört heute der „Weihnachtsbaum“, mit Kerzen geschmückt, und mit Watte, Schnee versinnbildlichend, obwohl im Heiligen Lande selten Schnee fällt, auch keine Tannen wachsen. Der Brauch ist vor 300 Jahren im Eisass aufgekommen, und da er in die winterliche Stimmung Europas passt, zur Tradition geworden. Schabbatkerzen wie das Licht zur Hawdala beruhen auf alten Traditionen. Ein Licht, das auch von denen entzündet wird, die wenig religiöse Bräuche halten, ist das ,,Ner Haneschama“, das (Fortsetzung von Seite 12) , 9,5 zurück, woselbst der Prophet den Auftrag erhält, dem Kinde, dessen Geburt erwartet wird, u. a. den Namen „Friedensfürst“ zu geben. Man scheint Jahrhunderte lang sich gescheut zu haben, den messianisch deutbaren Vornamen einem Neugeborenen beizulegen, vielleicht ebenso, wie man es etwa 2000 Jahre lang vermied, ein neugeborenes Knäblein Moses zu nennen. Und doch taucht dieser letztere Name seit dem 6. oder 7. nachchristlichen Jahrhundert wieder auf, bis er nämlich ganz vulgär geworden ist. So ist Sar Schalom erst im 9. Jahrhundert in Babylonien als Name eines Gaon in Sura (847—857) bezeugt und ist auch weiter sehr selten geblieben. Hier in Deutschland begegnet er unter den Hunderten von Vornamen, die vom 12. bis zum 15. Jahrhundert bekannt sind, auf unserm Denkstein zum ersten und letzten Mal. Sonst wissen wir nur, dass im 15. Jahrhundert Schalom, der Judenmeister von Wiener Neustadt, als „Friedensfürst“ oder als „Fürst von Neustadt“ bezeichnet wird. Als Eigennamen trug ihn nur Sar Schalom b. Abraham Portugisi, der einen Kommentar zu den Psalmen und Sprüchen verfasst hat, und als Zunamen Salomo Basila, der 1743 als Rabbiner in Mantua gestorben ist. Schliesslich noch ein kurzes Wort über den Wert und die Bedeutung des Fundes. Die Geschichte der Breslauer Judenheit tritt dadurch In ein ganz neues Licht. Bisher haben wir nur gewusst, dass dicht bei Breslau in Klein-Tinz und Tocholnici einzelne Juden als Grundbesitzer wohnten. Jetzt sehen wir bestimmt, dass schon etliche Jahrzehnte vor dem Beginn des 13. Jahrhunderts eine vergleichsweise zahlreiche Ansiedlung sich hier befunden haben muss. Denn der Besitz eines Friedhofes lässt mit grosser Sicherheit erkennen, dass ein wohlgeordnetes und einigermassen leistungsfähiges Gemeindewesen damals bereits bestanden hat — wie denn auch eine Urkunde vom Jahre 1316 von antiquis temporibus redet, seitdem der Gottesacker sich im Besitz der Juden befunden hat. So ein Grundbesitz verlieh der ganzen Gemeinde ganz von selbst ■ Ansehen und Bedeutung. Sie galt dadurch ohne weiteres als Hauptort für ihre gesamte Umge- Licht zum Gedenken an Verstorbene, das „Jahrzeitlicht". Das altdeutsche Wort Jahrzeit — Jahrestag hat sich in der jüdischen Umgangssprache eingebürgert. Am Jom Kippur-Ausgang ist es der Brauch die Hawdalakerze an dem 24 Stundenlicht anzuzünden, welches den ganzen Jom-Kippur gebrannt hat. Eine Kerze entzündet man, diesmal ohne Gebet, am Tage vor dem Pessach-Abend, nach dem Grossreinemachen, um nach eventuellen Resten von Brot zu suchen. Ein anderer Minhag lässt die Frauen, die eine Braut zur Chuppe, zum Trauhimmel führen, Kerzen halten. In sephardischen Kreisen, aber auch in einigen chassidischen Gruppen, werden Kerzen, Lichter an •Gedenktagen, Jahrzeiten von Weisen, wie bekannten Persönlichkeiten, Rabbiner, entzündet. Das kann man auch in Meron und Tiberias beobachten. Das Licht ist zum Symbol der festlicher,' Stimmung geworden, die Kerzen beim Schabbatmahl, aber auch zum Erinnerungslicht, den Seelen der Verstorbenen gewidmet. Zwei weit entfernte Aufgaben, die sich scheinbar kaum vereinen lassen, aber doch etwas Gemeinsames haben: die Menschen aufzurüttein. bung; denn nach altem Herkommen mussten die Nachbargemeinden, die ihre Angehörigen dorthin zur ewigen Ruhe brachten, nirgends anders als vor dem rabbinischen Gericht des Hauptortes in allen ihren Angelegenheiten Recht suchen. So sagt ausdrücklich die Herzogin Agnes in dem Gnadenbrief, den sie am 21. März 1370 ihren Schweidnitzer Juden ausstellte, dass „alle Juden yn allen unsern Steter: czu der Sweidnizc gehören sullen zu der ladunge na jidischin Sitten, sie sollen auch ... als si vor getan haben ... iren kirchhoff doselbinst von unsire gnaden haben“. Das stimmt genau mit der uralten Überlieferung überein, von der uns im 15. Jahrhundert Isserlein, der Judenmeister von Wiener Neustadt, zu berichten weiss. In der Tat sehen wir, dass schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts hier in Breslau ein immerhin beachtenswertes Mass jüdischer Gelehrsamkeit vorhanden gewesen sein muss. Einige der uns erhaltenen Grabschriften, und darunter die auf den Denkmälern, die ausser dem neuen Funde jetzt der hiesigen Gemeinde gehören, zeichnen sich durch eine gewisse stilistische Gewandtheit im Gebrauch der hebräischen Sprache aus. Ich setze den Text desjenigen, der bisher als der älteste gegolten hat, und den ich erst längere Zeit nach seiner Veröffentlichung mit Hilfe einiger Freunde allmählich habe entziffern lernen, als Probe hierher. Das Denkmal ist nur verstümmelt erhalten. Es fehlt oben und unten mindestens eine Zeile und von einigen andern bald rechts, bald links Stücke in der Breite von einem oder von zwei Buchstaben. Die Inschrift möchte ich, wie folgt, lesen: (Urx ’a«) x) xn ’i« nax ojx 'Boa nmp ’Vk (m *70 B”n 'n xa (X) (nbsjB1? irpanJ *iir(x) (n)jff rau ’xna Oiryirn nVx1? yatr aiö Dir inai (... X3’ (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Bd. 62) EIN INTERESSANTER GRABSTEINFUND IN BRESLAU 13

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