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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Jüdische Gemeinden in Oberschlesien (Juden in Oberschlesien von Peter Maser und Adelheid Weiser, Teil 1, Historischer Überblick — Jüdische Gemeinden, Gebr. Mar.'n Verlag). Zu den in den letzten Jahren veröffentlichten Forschungen über das oberschlesische Judentum, gesellt sich jetzt ein neues Buch: ,Juden in Oberschlesien“. Dieses Buch ist das Produkt des Forschungsprojekts ,,Oberschlesisches Judentum“ der Westfälischen Wilhelms Universität, Münster/W. Das Buch enthält drei Teile: 1: Juden in Oberschlesien, ein historischer Überblick von Adelheid Weiser; II: Jüdische Gemeinden in Oberschlesien (I) von Peter Maser; III: Abbildungen. Von jeder 'dieser neun Gemeinden, welche dieses Buch behandelt, werden verschiedene Abbildungen gebracht. Jede Stadt und ihre Photos. Am Anfang jeder Stadt ein Stadtplan, auf welchem die jüdischen Institutionen wie Friedhof, Synagoge u.s.w. angezeichnet sind. Der erste Teil, historischer Überblick von Adelheid Weiser, ist sehr interessant. Die Geschichte der Juden in Schlesien beginnt im 10. oder 11. Jahrhundert, als viele, durch die Kreuzzüge vertriebenen Juden aus Westeuropa nach Schlesien flohen und sich dort niederliessen. In Schlesien kreuzten sich Handelsstrassen, auf welchen die Waren Westeuropas nach dem Osten exportiert und russische und orientalische Waren nach dem Westen importiert wurden. Jüdische Kaufleute spielten hier eine besondere Rolle. Schon im Jahre 965 beschrieb der aus Toledo (Spanien) stammende jüdische Kaufmann Awraham ibn Ja’akow in seinen Reisetagebüchern, den Weg über Breslau und Oberschlesien nach Krakau. Der erste historische Teil behandelt in kurzen Abschnitten die Geschichte der oberschlesischen Juden vom 10. Jahrhundert bis zu deren Auswanderung in der Naziepoche, und der Ermordung derjenigen, welche keine Möglichkeit zur Auswanderung hatten, In den berüchtigten Vernichtungslagern. In dem Kapitel über die Judenverfolgungen im Mittelalter, wird ein erschütternder Bericht über den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen der Juden aus Neisse, Zülz und Beuthen gebracht. Der vom ■Papst gesandte berüchtigte Mönch Johannes von Capestrano wirkte in den Jahren 1452—55 in Schlesien und auf seine Veranlassung wurden in Breslau im Jahre 1453, 41 Juden verbrannt und die übrigen aus der Stadt vertrieben. Nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde Schlesien ein Zufluchtsort für Juden aus dem Osten, welche vor den Pogromen flüchteten; insbesonders SUCHANZEIGE Wer weiss etwas über Siegbert Benjamin und dessen Ehefrau Else? Er war in der Breslauer Gemeindeverwaltung und war in Grüssau Leiter der Wohngemeinschaft Tomersdorf, Grüssau und Riebf.’ig. 'Er wurde am 13.4.1942 im Rahmen der sogenannten 2. Aktion nach dem Osten verschleppt. Zwei Söhne der Familie. konnten aus Breslau emigrieren: Heinz nach Brüssel und Manfred nach Erezdsrael. Zuschriften erbeten an: Prof. dr. hab. Alfried Konieczny, ul. Grabiszynska 31/10, PL — 59 — 501 Wrozlaw. Von M. E. SSAW-MOR vor dem Pogrom der Banden des berüchtigten Bogdan Chmelnicki. Da auch Schlesien durch den Dreissigjährigen Krieg wirtschaftlich ruiniert war, waren die jüdischen Zuwanderer willkommen, da sie Schutzgelder zahlten und über weitreichende Handelsbeziehungen verfügten. In Schlesien war es wie in jedem anderen Land: Wenn man die Juden wirtschaftlich brauchte, wurden sie aufgenommen und wenn sie diesen Ländern nicht mehr so nützlich waren, wurden sie vertrieben unter Zurücklassung des grössten Teils ihres Vermögens. So der am 26. März 1582 von Rudolf II erlassene Befehl, „dass die Judenschaft Schlesiens sofort bei Ver- Tust ihrer Hab- und Güter aus Schlesien weichen müsse...“. Es war kein Unterschied zwischen der reaktionären Kaiserin Maria Theresia und den sogenannten „aufgeklärten“ Herrschern wie Joseph II oder Friedrich II in Bezug auf ihre judenfendliche Einstellung. Interessant ist das Kapitel über die Einrichtung des Landrabbinats (S. 29). Es wurde in einer Deklaration bestimmt (Mai, 1744), dass der jeweilige Breslauer Rabbiner zugleich der Rabbiner aller In Schlesien wohnenden Juden sein sollte. Es folgen interessante Darstellungen über den Anteil der Juden an der wirtschaftlichen Entwicklung Oberschieslens (siehe auch den Artikel von Prof. K. Fuchs in dieser Nummer). Nach dem ersten Weltkrieg forderte Polen die Annexion Oberschlesiens. Doch diese Forderung wurde von den Allierten abgelehnt (1919) und eine Volksabstimmung beschlossen. Die jüdischen Bürger stellten sich in dieser Zeit auf die deutsche Seite (und mussten 20 Jahre später einen schweren Preis dafür bezahlen). Nach der Teilung Oberschlesiens wurde den nationalen Minderheiten (laut dem Genfer Abkommen) in beiden Teilen Oberschlesiens 15 Jahre lang Schutz gewährt, und so konnte bis 1937 in Oberschlesien Koscher geschlachtet werden und viele jüdische Gemeinden wurden mit koscherem Fleisch versorgt. Das Genfer Abkommen kam am 15. Juli 1937 zu seinem Ende, und alle antijüdischen Gesetze wurden auch im deutschen Oberschlesien eir.'geführt. Von diesem Datum an war das Schicksal der oberschlesischen Juden demjenigen der übrigen Juden in Deutschland gleich und alle, welche sich nicht nach dem Ausland retten konnten, wurden von den Nazis in die Vernichtungslager verschleppt und nur wenig überlebende wurden von den Allierten im Jahre 1945 befreit. Der zweite Teil des Buches, behandelt einige der jüdischen Gemeinden in Oberschlesien: Beuthen, Bielitz, Gleiwitz, Kattowitz, Königshütte, Kreuzburg, Oberglogau, Oppeln und Sohrau. Die Einführung von Peter Maser ist aufschlussreich: er beschreibt die Gemeinden, ihre Institutionen, Rabbinate, Jugendbewegungen u.s.w. im allgemeinen. Darauf folgt die Darstellung der 9 oben genannten Gemeinden, ihrer Institutionen, Vereinigungen, Schuien u.s.w. Hier sollen nur zwei Ungenauigkeiten berichtigt werden: 1) Die letzten Beuthener Rabbiner Prof. Golinski (liberal) und Rabbiner Dr. Keiler (orthodox) konnten sich nach Erez Israel retten, Prof. Golinski segnete in Israel der Zeitliche und Rabbiner Dr. Keller, zum langen Leben, ist der Rabbiner von Naharia; und nicht wie es im Buche steht, dass über ihr Schicksal nichts bekannt ist. 2) Dr. Samuel Ochs amtierte in Gleiwitz bis zu seiner Auswanderung nach England im Jahre 1938; sein Nachfolger Rabbiner I. E. Löwenstein konnte noch 1939 nach Südamerika auswandern und lebt heute in Jerusalem. Das Buch gibt ein umfassendes Bild des oberschlesischen Judentums, welches, ausser denen, die sich noch rechtzeitig retten konnten, zusammen mit 6 Millionen unserer Schwestern und Brüdern den braunen Schergen zum Opfer gefallen ist. Auf Seite 67 wird der uns aus Breslau stammenden gut bekannte Historiker Willy Cohn zitiert, welcher im Jahre 1928 schrieb: „Eines nur lässt es (das Judentum) den Völkern die es verjagen zurück: Friedhöfe und mitunter alte Stätten der Andacht“. Die Vandalen des 20. Jahrhunderts haben auch diese heiligen Stätten entweiht und vernichtet. Vi r Die neue Synagoge in Oppeln (zerstört 1938) 4 I 10

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