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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1993-01-01 · No. 57 (1993) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1993
Issue
No. 57 (1993)
Date
1993-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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ZUR BEDEUTUNG DES OBERSCHLESISCHEN JUDENTUMS (Fortsetzung von Seite 8) Genf und München lehrte er von 1912 bis 1933 an der Universität Breslau. Angefeindet und seiner Professur enthoben, ging er zunächst nach Berlin. 1938 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht, 1939 konte er nach England emigrieren, von wo aus er in die USA ging. In dem durch ihn verfassten Erinnerungsbeitrag findet sich die folgende Feststellung: „Um nicht als 'lebendiger Leichnam’ durch die Strassen Breslaus zu wandern, verliess ich die Stadt ur.'d zog nach Berlin. Und als dort immer neue und immer schwerere Verfolgungen ausbrachen, ging ich nach England und endlich nach Amerika“. Franz Landsberger starb am 17. März 1963 in Cincinnati/USA. Verwiesen sei auch auf Arnold Zweig, der zwar am 10. Oktober 1887 in Glogau geboren wurde, jedoch in Kattowitz aufwuchs, wohin die Familie übersiedelte, nachdem der Vater, der ein Fuhr- und Getreidegeschäft betrieb, infolge einer Heeresvorschrift der preussischen Armee in den Konkurs getrieben worden war. Auf der Kattowitzer Realschule, die Arnold Zweig besuchte, erfuhr er durch die Befassung mit dem Werk Lessings, dass die edelste Beschäftigung des Menschen die mit dem Menschen sei. Das schriftstellerische Werk des Humanisten und Sozialisten und hochgebildeten Intellektuellen Zweig, der an den Universitäten Breslau, München, Berlin, Göttingen, Rostock und Tübingen Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte, Psychologie und Soziologie studiert hatte, ist geprägt durch die seine Zeit bewegenden komplexen Fragen, insbesondere die Auseinandersetzung über Krieg und Frieden. Er starb nach der Rückkehr aus Israel am 20. November 1968 in Ost- Berlin. Beschliessen möchte ich meine Ausführungen nicht, ohne auf zwei jüdische Politiker aus Oberschlesien hingewiesen zu haben, da sie von aussergewöhnlichem Format waren: Otto Landsberg und Rudolf Herrnstadt. Otto Landsberg wurde am 4. Dezember 1869 als Sohn eines Tieraztes in Rybnik geboren. Während der Zeit seines Referendariats schloss er sich der SPD an, war von 1903 bis 1909 Stadtverordneter in Magdeburg, wo er seit 1895 eine Rechtsanwaltspraxis betrieb. Von 1912 bis 1918 gehörte er dem Reichstag an, in dem er die SPD als juristischer Experte vertrat. Bekannt wurde Landsberg 1918 als Mitglied des Rates der Volksbeauftragten sowie 1919 als Reichsjustizminister im Kabinett Philipp Scheidemann. Nachdem er das Reich von 1920 bis 1924 als Gesandter in Brüssel vertreten hatte, gehörte er bis 1933 erneut dem Reichstag an. — Öffentliches Interesse erlangte Otto Landsberg noch einmal im Jahre 1924, als er den damaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert im berüchtigten Magdeburger Beleidigungsprozess vertrat. Bekanntlich war von dem Redakteur Ganser gegen Ebert der Vorwurf des Landesverrats wegen Beteiligung am Munitionsstreik 1918 erhoben worden. Vom Gericht wurde der Reichspräsident im juristischen Sinn für schuldig befunden. — Es ist unbestritten, dass dieses Urteil wie auch die Barmat-Affäre' in die Ebert hineingezogen wurde, ihn, der zwei Söhne im Weltkrieg verloren hatte, in den Tod trieben. 1933 ging Landsberg ins holländische Exil. Er überlebte, weil Freunde ihn nach der deutschen Besetzung Hollands versteckten. Nach 1945 kehrte er nicht mehr nach Deutschland zurück. Am 4. Dezember 1957 starb er zu Baarn bei Utrecht. Michael Freund hat Otto Landsberg als einen „In den Wegen der Politik bis zum äussersten erfahrenen Rechtsanwalt“ bezeichnet. Rudolf Herrnstadt wurde am 18. März 1903 zu Gieiwitz als Sohn eines Rechtsanwalts in ein gutsituiertes jüdisches Elternhaus geboren. Nach begonnenem Jurastudium wandte er sich dem Journalismus zu. 1929 trat er der KPD bei. Rudolf Herrenstadt, der seit dem 14. September 1943 dem Nationalkomitee Freies Deutschland angehörte, kehrte bereits im Mai 1945 nach Deutschland zurück. Am 1. Mai 1949 wurde er Chefredakteur des Zentralorgans der SED „Neues Deutschland“. Auf dem III. Parteitag der SED 1950 erfolgte seine Wahl zum Mitglied des Zentralkomitees der SED und zum Kandidaten des Politbüros. Da Herrnstadt mit dem Politbüro-Mitglied und Minister für Staatssicherheit Wilhelm Zaisser offenbar einen Plan zur Ablösung der Parteiführung unter Walter Ulbricht entwickelt hatte, verlor er am 26. Juli 1953 seine sämtlichen Parteifunktionen und wurde am 23. Januar 1954 aus der SED ausgeschlossen. Dadurch war der Höhepunkt der Parteilaufbahn Herrnstadts gleichzeitig auch zu ihrem abrupten Ende geworden. Bis zu seinem Tod am 28. August 1966 blieb der politisch kaltgestellte Rudolf Herrnstadt, ein brillanter Analytiker, bemüht, den Anschluss an die gewandelte Erscheinung des Kommunismus zu finden. Das Erscheinungsbild des oberschlesischen Judentums, von dem hier einige wenige Repräsentanten aus Wirtschaft, Handel, Finanz, Wissenschaft, Kunst und Politik vorgestellt wurden, in denen sich ihre Vielfältigkeit gleichwohl eindrucksvoll dokumentiert, lässt vor allem zweierlei deutlich werden: einmal die ungeheure Aufbruchstimmung, die die Emanzipation auslöste, sodann das Ausmass der freigesetzten Energien und Begabungen, durch die der deutsche Wirtschafts- und Kulturbereich sowie das politische Leben eine Bereicherung von beeindruckendem Umfang und ausserordentlicher Intensität erfuhren. Ausgehend von derartigen Leistungen gelangte der 1879 in Beuthen geborene Adolf Kober, bis zu seiner Emigration in die Vereinigten Staaten 1939 Rabbiner in Köln und Wiesbaden, im Jahre 1931 zu der folgenden Feststellung: „Aber das Eine ist klar, die Emanzipation der Juden hat ihre Kräfte entfesselt zum Segen des Vaterlandes und der Menschheit“. 1) Vgl. Adolf Kober, Aus der Geschichte der Juden im Rheinland, in: Zur Geschichte und Kultur der Juden im Rheinland, hrsg. und eingeleitet von Falk Wiesemann, Düsseldorf 1985 (Nachdruck), S. 85. 2) Vgl. hierzu Kurt Schwerin, Die Juden im wirtschaftlichen und kulturellen Leben Schlesiens, in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univesität zu Breslau, XXV. Jg. (1984), S. 125 f. 3) Vgl. hierzu Daniel Bernstein, Wirtschaft: II. Handel und Industrie, Siegmund Kaznelson (Hrsg.), Juden im Deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk, Berlin 1962, S. 760 f. 4) Vgl. hierzu Konrad Fuchs, Mitteilungen zum Wirken der Unternehmerfamilie Caro in Oberschlesien , in: Oberschlesisches Jahrbuch, 4 (1988), S. 163. 5) Der Barmat-Konzern, der Ende 1924 zusammenbrach, hatte Gelder der Preussichen Staatsbank und der Reichspost erhalten. Als er zusammenbrach, waren sie verloren. Da die Familie Ebert freundschaftliche Beziehungen zu Barmat unterhalten hatte, wurde sie, völlig grundlos, in die Barmat-Affäre hineingezogen. Die Rechte nutzte sie als Tribunal gegen Ebert (Vgl. hierzu Helmut Heiber, Die Republik von Weimar, in: Deutsche Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg, Bd. 1, Stuttgart, 1971, S. 131. EHRENBÜRGER VON JERUSALEM FEIERT IN FÜSSEN GEBURTSTAG FRANZISKANER-PATER ELPIDIUS PAX, EHEMALIGER BRESLAUER, 80 JAHRE ALT Von RUDOLF KURZ Viele kennen ihn, doch nur wenige wissen, dass er Professor der neutestamentlichen Bibelwissenschaft und zweifacher Doktor der Geisteswissenschaft ist, ihm als ersten Nichtjuden die Ehrenbürgerschaft von Jerusalem verliehen wurde und von dem Teddy Kollek, Bürgermeister der Heiligen Stadt, sagt, dass seit seinem Weggang Jerusalem um vieles ärmer geworden sei. Die Rede ist von Pater Elpidius Pax, der zum Füssener Franziskanerkonvent gehört und dort seinen 80. Geburtstag beging. Pater Pax, der am 22. April 1912 in Breslau geboren wurde, entstammt einer Gelehrtenfamilie. Es war daher selbstverständlich, dass der junge Wolfgang Pax nach dem Abitur die Universität bezog, wo er Griechisch, Latein und Archäologie studierte. Nachdem er vom evangelischen Glauben zur katholischen Kirche übergetreten war, trat er in den Franziskanerorden ein, studierte Theologie und empfing 1950 in Parderborn die Priesterweihe. Drei Jahre später erwarb er den Doktortitel in Theologie. Im Jahr 1960 wurde Pater Pax nach Jerusalem an die römische Hochschule des Ordens beordert, wo er als Professor für neutestamentaliche Bibelwissenschaft Studenten aus allen Herren Länder heranbildete. Zu Gastvorlesungen wurde er nach Hongkong, Taiwan und auf die Philippinen geholt. Seine Lauterkeit, Aufgeschlossenheit und Toleranz ermöglichten es ihm, sowohl mit den Arabern als auch den Juden in Freundschaft zu leben und zu Versöhnung und Frieden beizutragen. Die Forschungsergebnisse von Professor Pax schlugen sich in zahlreichen Publikationen nieder. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, darunter auch ins Japanische und Chinesische. Als Kenner des Heiligen Landes und Jerusalems war Pater Elpidius Pax stets eine gefragte Persönlichkeit vor allem bei Staatsbesuchen. Sein Wirken fand öffentliche Anerkennung durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse und der Ehrenbürgerschaft von Jerusalem 1980. „Ihre Liebe zu unserer Stadt, Ihr aufopfernder Einsatz, Ihre Arbeit und Sorge für die Menschen, hat hier unverwischbare Spuren hinterlassen“, schreibt Teddy Kollek an Pater Pax anlässlich seines 80. Geburtstages. Unverwischbare Spuren hat Professor Dr. Pax bei all jenen Menschen hinterlassen, die eine Begegnung mit ihm hatten. (Allgemeine Zeitung, 22.4.92) 9

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