Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1993
- Issue
- No. 57 (1993)
- Date
- 1993-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Untergang einer Jüdischen Gemeinde (STADT DES GLAUBENS, GESCHICHTE UND KULTUR DER JUDEN IN GLOGAU VON FRANZ D. LUCAS UND MARGRET HEITMANN, GEORG OLMS VERLAG, 1991) Glogau, in jüdisch-hebräischen Urkunden „Glogau Rabati“ (Gross-Glogau) genannt, ist eine der ältesten K’hilot in Schlesien. Verschiedene Historiker sind der Ansicht, dass schon in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts Juden ir.'Glogau lebten. Zuerst werden sie in einer Urkunde v. Jahre 1280 erwähnt „In der die Breslauer Schöppen den Bürgern der Stadt Glogau auf Ersuchen des Herzogs Heinrich IV. die Auskunft geben, dass die Juden der städtischen Gerichtsbarkeit unterstehen, wenn sie bei einem Verbrechen auf frischer Tat ergriffen werden“. Vor uns liegt ein interessantes Buch, herausgegeben vom Salomon Ludwig Steinheim-Institut an der Universität Duisburg, über die „Geschichte und Kultur der Juden in Glogau“. Die ersten 9 Kapitel behandeln die verschiedenen historischen Epochen vom 13. Jahrhundert an bis zum Ende der Gemeinde — letzte Deportation in Vernichtungslager im Jahre 1942. Das erste Kapitel behandelt die Anfänge der jüdischen Besiedlung in Glogau. Im Jahre 1299 erhielten die Glogauer Juden ihr erstes Privileg von Heinrich III., Herzog von Schlesien. (Das ist ein Zeichen, dass es damals schon eine jüdische Gemeinde in Glogau gab). Dieses Privileg enthält 34 Paragraphen, welche „die Rechte und Pflichten der Person, Fragen des Eigentums, des religiösen Lebens, Gewerbes, Handels und Verkehrs, der Gerichtsbarkeit und der Verfahrensordnung“ regelt. Hier wird den Juden Glogaus in gewissem Masse Schutz und Sicherheit gewährt, Rechte „um deren Garantie und Einhaltung sie in ihrer Geschichte fnimer neu ringen mussten“. (S. 15) Im zweiten Kapitel lesen wir über die rechtlichen und soziale Lage der Glogauer Juden im 14. und 15. Jahrhundert. Im Jahre 1442 existierte in (Fortsetzung von Sejte 3) gerte sich dieses zu tun (1916). Dr. Bloch schreibt U.a.: „Ich zweifele nicht daran, dass ein sozialdemokratischens Blatt, dem sie den Artikel schicken, Ihn auch bringen wird. Sowohl an sich als auch aus dem Grund, weil dieser Artikel den ausgesprochenen oder verborgenen antijüdischen Instinkten der sozialdemokratischen Redakteur«, wie ich manche kenne, entgegen kommt“. (Betonung von mir — M. E. S.) Und im Jahre 1921 schrieb Eduard Bernstein, dass man in der (sozialdemokratischen) Partei und in den sozialistischen Gewerkschaften antijüdische Vorurteile antreffen kann. Am Ende des 19.. Jahrhunderts wurden zwar die antisemitischen Erscheinungen auf sozialer Basis in der sozialistischen Bewegung seltner, und nur zwei wichtige deutsche Sozialdemokraten brachten Ihre anti-jüdischen Vorurteile auf sozialer Basis zum Ausdruck: Franz Mehring und Rudolf Calwer. Wenn auch am Anfang des 20. Jahrhunderts die antisemitischen Erscheinungen auf sozialer Basis seltner wurden, so heisst das nicht, dass es in der sozialistischen Bewegung keinen Antisemitismus mehr gab. Nur sprach man nicht mehr von Antisemitismus, sondern von Antizionismus. Die damals neu erstandene national-jüdische Von M. E. HAUSCHNER Glogau schon ein jüdisches Wohnviertel, mit einer Synagoge und einem Friedhof; alle Gemeindeeinrichtungen wurden aus eigenen Mitteln bestritten. Trotz der Privilegien, welche die Glogauer Juden, seit 1299 inne hatten, hatte sich das Verhältnis der christlichen Bürgerschaft den Juden gegenüber nicht geändert. Im Jahre 1402 wurden Jaakow und Pessach Rothbart auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Anklage war, die in den christlichen Kreisen grassierende Hostienschändungslüge. Unter der Herrschaft von Johann II. auch „Hans der Grausame" genannt, wurden die Juden 1484 aus Glogau vertrieben und ihr Vermögen beschlagnahmt. Es ist interessant zu lesen dass trotz aller Unterdrückungen und Austreibungsversuche die Glogauer Juden immer wieder in die Stadt zurückkehrten. Der Grund dafür ist, so die Verfasser, darin zu suchen, dass es sich hier um eine gut organisierte Gemeinde handelt. Rabbiner wie Gemeindsvorsteher übten bei Streitigkeiten von Gemeindemitgliedern richteriche Funktionen aus. Es gab eine Gemeindeverfassung; ausserdem fungierten neben dem Rabbiner, Lehrer, Chasanim (Kantoren). Synagogendiener. Das ist ein Beweis, dass es den Juden Glogaus möglich war, ihre Religion uneingeschränkt ausüben zu können. Die jungen Herrscher, welche den Juden Schutz gewährten, taten das (wie immer) aus für sie nutzbringenden wirtschaftlichen Gründen, waren aber darauf bedacht, auch mit der christlichen, und meist judenfeir.dlichen Bevölkerung, auf gutem Fuss zu stehen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts (1452 —1455) kam der berüchtigte Franziskanermönch Johannes Capistranus nach Schlesien. Nachdem er schon in Italien als Grossinquisitor gegen „Ketzer“ Bewegung, wurde genau wie das religiös-orthodoxe Judentum, von den Sozialisten als „reaktionär“ bekämpft. Die sozialdemokratische Partei in Deutschland, welche im Jahre 1914 den Krieg gegen Frankrich bejahte, im Reichstag für die Kriegskredite stimmte, und sich als besonders national und patriotisch aufspielte, zeigte nie Verständnis für eine jüdisch-nationale Bewegung. Noch feindlicher den Juden gegenüber, war die damals aufkommende kommunistische Partei in Russland, welche nichts gegen die damaligen Pogrome in Russland zu sagen hatte ausser dass diese die Revolution fördern können. Angesichts dieser Tatsachen braucht man sich nicht wundern, dass die Mitglieder der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften, keine Anstrengungen machten um die Massenvernichtung jüdischer Menschen zu stoppen. Die „Genossen“ der Gewerkschaften der Transportarbeiter und Eisenbahner machten' genau das, was der Sozialdemokrat Leipart, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, am 20. März 1933 in seiner „Loyalitätsversicherung an Hitler“ erklärte: „Die Gewerkschaften würden ihre Aufgabe erfüllen, gleichviel welcher Art das Staatsregime Ist“. Wir Überlebende werden das nie vergessen!!! und „Ungläubige“ viele Menschen folterte und tötete, setzte er seine üblen Taten auf Geheiss des Papstes in Schlesien fort. Die Juden in Breslau, Liegnitz, Schweidnitz u.a. waren insbesondere davon betroffen. Nur die Glogauer Juden blieben davon verschont. Sie konnten sogar noch ihre Position verbessern, da infolge der Hussitenkriege die Handelswege zur Leipziger Messe über Glogau führten. So konnten auch jüdische Kaufleute in Glogau an dem regen Warenhandel profitieren. Das dritte Kapitel handelt vom Rechtskampf der Juden in Glogau vom 16—18 Jahrhundert. Die Gemeinde befindet sich in dieser Epoche in gewisser Unsicherheit: Zwischen dem Vertreibungsedikt von Ferdinand I. im Jahre 1558 und dem Toleranzedikt Karls VI. im Jahre 1713. In den ersten drei Kapiteln wird fast nur über die rechtliche und wirtschaftliche Lage der Glogauer Juden berichtet. Aber nichts über religiöse Einrichtungen. Nur auf Seite 26 sind 4 Zeilen der Gemeindeverfassung, Rabbinern, Lehrern und Kantoren gewidmet. Wir wissen nichts über Einrichtungen von Lernstuben (Bäte Midrasch), Talmude-Tora, Jeschiwot, Mikwaot. Keine Namen von Lehrern, Rabbinern, Mohalim. Nur in Anhang 3, Statut der Synagogengemeinde, welches aus dem 19. Jahrhundert datiert, ist davon die Rede. Kapitel IV und V behandeln die Lage der Glogauer Juden unter preussischer Herrschaft. Als Friedrich II. im Jahre 1740 zur Regierung kam, machte er Erbansprüche auf Te;le von Schlesien geltend. Da zwei Drittel der Bevölkerung Schlesiens protestantisch waren, zcgen sie die Herrschaft des protestantischen preussischen Königs, der der katholischen Habsburger vor. Glogau wurde vom 22. Dezember 1740 an belagert und am 8. März 1741 eingenommen. Auch die Glogauer Juden hatten Hoffnung, dass der „aufgeklärte“ protestantische König tiefgreifende Reformen, besonders auf wirtschaftlichem Gebiet, einführen werde. Sofort baten die Glogauer Juden um die Bestätigung ihrer alten Familienprivilegien. Auf Seite 74 wird Israel Rabin zitiert, welcher von dem „judenfeindlichen Sentimente des Königs“ spricht. Wieder wird hier unter Beweis gestellt, dass „Aufklärung“, „Humanismus“ und judenfeindliche Einstellung keine Gegensätze sind sondern sehr oft zusammen gehen. Der französische Philosoph Voltaire, der viele Jahre am Hofe Friedrich II. lebte, und dessen antijüdische Einstellung bekannt war, hatte grossen Einfluss auf den König. Für diesen König, „der die Glaubensfreiheit aller seiner Untertanen garantierte, waren die jüdischen Bürger seines Landes jedoch nur Mittel zum Zweck, um die Wirtschaft und Macht seines Staates auszubauen und festigen“ (Seite 79). An seinen Minister Hoym für sein Eintreten zu Gunsten der Juden bekannt war, schrieb er mit unverblümter Offenheit: „Ich weiss schon von lange her, dass Ihr so eine geheime inclination vor die Juden habt, Aber auf meiner Seite denke ich anders“ (Seite 79). In diesem Kapitel lesen wir zum ersten Mal den Namen eines Rabbiners (Rabbiner Jacob Meir Lewin — S. 78). Dieser wird aber nur im Zusammenhang mit seinen Rechten in Bezug auf die (Fortsetzung auf Seite 5) WO WAREN DIE GEWERKSCHAFTEN? WO WAREN DIE SOZIALISTEN? 4