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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 23

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 23 (sequence 24)
Language
German
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DER AUSZUG AUS ÄGYPTEN Die Geschichte der Gemeinschaft beginnt mit dem „Auszug aus Ägypten“, dem Ereignis, das die Hebräerstämme zu einem Volk formt. Pessach wird zum „Chag Ha-Cherut“, zum Pest der Befreiung. Es gibt keinen Segensspruch, keinen Feiertag, an dem nicht an dieses Ereignis erinnert wird. Man geht von dem geschichtsbewussten Denken aus, dass die Gemeinschaft wie auch die Gesetzgebung nicht ohne den Anfang möglich wäre. Man gedenkt immer wieder des „Auszuges aus Ägypten“. * Wenige Wochen nach dem Beginn der Wanderung, die Schrift spricht von 50 Tagen, erleben die Stämme ihren geistigen, kulturellen, ethischen Höhepunkt. Am „Sinai“ wird das Gesetz offenbart, das Zehnwort, die religiösen, moralischen und sittlichen Grundpfeiler der Religion, später von anderen monotheistischen Religionen übernommen. |Die. „Zehn Gebote“ werden im Sinaigebiel formuliert bevor sie in Kana’an siedeln. * Die Frage des historischen Hintergrundes beschäftigt die Welt. In der Religionsgeschichte werden die Tatsachen vereinfacht. Man spricht von einer „vierzigjährigen Wanderung“. Die „Aufgeklärten“ unseres Jahrhunderts verweisen die Berichte der Bibel in das Reich der Legende, ohne aber eine Erklärung für die Wanderung der Stämme zu geben, die später nach Kana'an kommen. In der Schrift werden viele Namen erwähnt, mit denen wir wenig anfangen können. Wandernde Gruppen errichten keine Bauten, hinterlassen keine Ruinen, die man ausgraben kann. Zwei drei, Hinweise helfen, den Weg zu finden: Im 2. Buch Moses ,13/17, heisst es: „Als nun Pharao das Volk entliess, führte G“tt sie nicht den Weg des Philisterlandes der am nächsten war“. Der „Philisterweg“ ist bekannt, die via maris der Römer, die Seestrasse, der Weg vom Nildelta entlang der Küste des Mittelmeeres. Noch heute die beste Verbindung, Autostrasse wie Trasse der Eisenbahn. Ein Weg ohne natürliche Hindernisse sollte vermieden werden, er bietet keinen Schutz gegen Militärpatrouillen des Pharao, dem man entkommen war. Im folgenden Satz werden Ausweichmögilchkeiten angegeben, „Er führte das Volk durch die Wüste an das Schilfmeer“. Die Ausgangssituation der Wanderung ist damit gegeben, die Steppe in dem Gebiet des heutigen Suezkanals. Verwirrung bringt der Name — oder besser die Übersetzung — vom Jam Suf, dem Schilfmeer. „Jam“ ist nicht nur das Meer, es bezeichnet auch einen See, Jam Kineret, wie auch jede Wasseransammlung. Suf ist Schilf, Ried, englisch red. Jam Suf bezeichnet ein mit Schilf bewachsenes Gewässer, nicht aber das hundert Kilometer, entfernt liegende „Rote Meer“, Von HEINZWERNER GOLDSTEIN englisch Red Sea, eines der tiefsten und klarsten Meere, das keine Schilfpflanzen kennt. (Aus dem reed ist ein e verschwunden, so wurde daraus die Red Sea. Wobei im Geographieunterricht in Israel das Rote Meer als Jam Suf bezeichnet wird). In dem Gebiet bestanden grössere wie kleinere Seen, Tümpel, die durch den Bau des Kanals verschwunden sind, und nur die drei grössten bestehen noch, durch die der Schifffahrtsweg führt. Vielleicht hier, in der Nähe des Timsach Sees, konnte ein starker Wind einen Furt ermöglichen. Am Ostufer des Kanals liegt eine grössere Oase, „Ein Mussa“, die Mosesquellen, deren Wasser salzhaltig sind, vielleicht die „Bitteren“ der Bibel, die die ersten Enttäuschungen bringen. (2. Mos. 15/22—24). •¥■ Der Punkt, den man genau bestimmen kann, Kadesch Barnea, die grosse wasserreiche Oase im Nordosten der Halbinsel, östlich des Wadi el Arisch, dem Nachal Mizrajim der Schrift, sollte das vorläufige Wanderziel der Stämme werden. Nach knapp einjähriger Wanderung finden sie dort ihren festen Lagerplatz, die Familien werden gezählt, eine Bestandaufnahme vorgenommen, 4. Mos. das erste Kapitef, das täg/iche Leben wie der Opferdienst im Stiftzelt organisiert, Pessach als Gedenktag an den „Auszug aus Ägypten“ begangen. Von Kadesch sendet Moses die Kundschafter, 4. Mos. 13, die den nahen Negew durchqueren, bis Hebron kommen. Die Amalekiter und Kena’aniter stellten sich ihnen entgegen, sie müssen zurück in die Oase. Später heisst es, 5, Mos. 2/14: „Die Zeit in der wir von Kadesch zogen, bis wir den Fluss Sered überquerten, war 38 Jahre, bis alle Krieger im Lager gestorben waren“. In den langen Jahren, in denen die Stämme ein mehr oder weniger festes Quartier haben, knüpfen sie „diplomatische“ Verhandlungen an, um die Weiterwanderung zu ermöglichen. Die Versuche bleiben erfolglos. Der König von Moab verweigert den Durchzug, ebenso die Amoriter, 4. Mos. 20, 14—21. Mit den Stämmen Re'uben, Gad, und der halbe Stamm Menasche, die scheinbar im Ostjordanland siedeln, einigt man sich. Sie verpflichten sich, militärische Hilfe bei der Landnahme zu leisten. * Die Zahl der Familien wird von dem Wasservorkommen bestimmt. Das Gebiet um Kadesch ist reich an Quellen, so beeilen sich d're Stämme, schnell dorthin zu kommen, nicht weit entfernt von der „Strasse der Philister“. Wir hören von Auseinandersetzungen, wie mit Amalek, 2. Mos. 17/8. Bis zur Anlage von Wasserleitungen leben in dem Gebiet um die 40.000 Beduinen. Die geologischen Bedingungen haben sich nicht verändert. Die Schilderungen der Schrift passen immer noch in das Bild, das der Wanderer im Sinaigebiet bekommt. Neben den Hebräern leben andere Gruppen dort. Schätzungen, dass es sich um 6.000 bis 10.000 Seelen handelt, sind als wahrscheinlich anzunehmen. Während der Aufenthalts In Kadesch vermehren sich die Familien. In Kadesch verstärkt sich das „Wehrpotential“ der Stämme, wie wir heute sagen. Als sich kaum noch jemand an den „Auszug aus Ägypten“ erinnern konnte, beschllessen die Stämme, weiterzuwandern. * Die Berge stellen ein romantisches Wanderziel dar. Die wenigen Quellen bieten nur wenigen Chamulot, Familien, Lebensmöglichkelten. * Von der Kanalzone führen mehrere Wege durch die Pässe der Halbinsel, neben dem „Philisterweg“. Eine Strasse geht durch den „Mittle“ Pass, eine andere benutzt den „Gidi“ Passweg. Die Berge erreichen hier 'nur' Höhen von 800 bis 1000 Meter, nicht so anspruchsvoll wie die Im Süden. Unter den Erhöhungen erwähnen wir nur den Dschebl Hillal, oder den Dschebl M'ara, an dessen Hängen Steinkohle abgebaut wird. Der Berg bildet eine kraterförmige Mulde. * Dem G“ttesberg wird in der Bibel keine geographische Definition gegeben. Die Bibel hat den Ort in voller Absicht nicht beschrieben, keinen Ortsnamen angegeben, während sie sonst nicht mit Bezeichnungen spart. Das Volk soll ihn nicht betreten, sich kein Heiligtum in der Wüste schaffen, keinen heiligen Berg, fn der Geschichte stellt „Sinai“ nur einen Durchgang dar. Man errichtet das „Stiftzelt“, ein fahrbares Heiligtum, ein einmaliger religiöser Brauch. Die „Gesetzgebung am Sinai“, am Berg G“ttes stellt nur eine Station dar, ein einmaliges religiöses Erlebnis, an keinen bestimmbaren geographischen Punkt gebunden. Die Herkunft des Wortes Sinai ist umstritten. Die Spätefen sind fleissig auf der Suche nach dem „Berg Sinai“. Einige Karten bezeichnen noch immer einen der genannten hohen Berge als „Sinai“. Es bleibt mindestens eine schöne Vorstellung, die Granitberge, fast jeden Winter schneebedeckt, als Schauplatz der Offenbarung zu verehren. Es ist kaum anzunehmen, dass die Stämme, die aus Ägypten ziehen, mit ihren Alten und Jungen, ihren Herden, Klettertouren unternehmen, um schnell nach Kadesch Barne’a zu kommen, an der Südgrenze des Negew, des Landes, das ihnen als Ziel der Wanderungen vorschwebt. 23

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