Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1992
- Issue
- No. 56 (1992)
- Date
- 1992-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Berühmte Köpfe, die Geschichte machten WIESBADEN ZEIGT AUSSTELLUNG ÜBER „BRESLAUER JUDEN 1850—1945” Von WILLI MÜLLER Die Besucher begegnen den Gesichtern prominenter Personen. Ferdinand Lassalle und Friederike Kempner sind darunter, Edith Stein und Clara Sachs, auch Fritz Haber und Max Born, nicht zu letzt, Alfred Kerr und Eugen Spiro. Strassenfluchten gibt es zu sehen und Innenhöfe, Synagogen und Kultgeräte, Friedhöfe. Die Fotos sind Bestandteile der in Polen erarbeiteten und jetzt in Deutschland gezeigten Ausstellung mit dem Titel „Breslauer Juden 1850—1945“. Sie wurde im Wiesbadener Rathaus gezeigt und in der Zeit vom 11. März bis 12. April 1991 auch in der Stuttgarter Universitätsbibliothek. ★ Entwickelt wurde die Ausstellung von Maciej Lagiewski. Ihm, dem Denkmalpfleger und Betreuer der jüd. Friedhöfe in Breslau und einer Arbeitsgruppe am Breslauer Architektur-Museum ist es zu verdanken, dass die „polnische Fassung“ dieses bemerkenswerten Projekts entstand — insgesamt 64 Tafeln mit Informationen über die nach den Gemeinden in Frankfurt a/M und Berlin grösste jüdische Gemeinde im Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg . ln die Ausstellung haben Archivaufnahmen und zeitgenössische Fotos Eingang gefunden. Sie belegen „die Teilnahme der Breslauer Juden am Leben und an der Geschichte der Stadt, Schlesiens, Deutschlands und Europas in den Jahrzehnten um die Wende der beiden letzten Jahrhunderte“. Eingegrenzt ist auf die Zeitspanne zwischen 1850 und 1945. Als Grund hierfür gibt Lagiewski an, dass in diese Phase „die Blüte und die tragische Vernichtung des Breslauer Judentums, der Bankiers, Industriellen, Kaufleute, Gelehrten, Künstler, Schriftsteller, Mitschöpfer und Mitgestalter der schlesischen Metropole des neunzehnten Jahrhunderts“ fällt. Die Ausstellung erinnert auch an die jüdische Emanzipationsbewegung in Breslau, für deren Verlauf der Rabbiner Abraham Geiger so wichtig werden sollte und an die beispielhafte Stiftung des Kommerzienrats Jonas Fraenkel. Wichtig für Breslau wurde diese Fraenkelsche Stiftung, weil, sie die Gründung des jüdischen Krankenhauses, des Obdachlosenheimes, des Waisenhauses, eines Heims für mittellose Familien, eine Kreditanstalt, eine Bibliothek sowie zahlreiche weitere Einrichtungen der sozialen Fürsorge bewirkte. Zudem ermöglichte sie die Gründung des Breslauer Jüdisch- Theologischen Seminars. Mit diesem Seminar „verbunden“ war im übrigen auch die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“, eine Publikation, die hohes Ansehen genoss und deren letzter Band (Nr. 83) 1939 in Berlin von Leo Baeck herausgegeben wurde. (Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland, Nr. 46/11, 14. März, 1991). I VORANZEIGE ln Kürze wird im Steinheim-Institut an der Universität Duisburg ein Buch über die JÜDISCHE ZEITUNG FÜR OSTDEUTSCHLAND vcn Prof. JOSEPH WALK erscheinen. In dem Vorwort der Herausgeber heisst es; „Die hier vorliegende Studie über die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland 1924 bis 1937 zeigt uns einen Ausschnitt jüdischen Lebens in Deutschland vor dem Holocaust — einen Ausschnitt, der sicher nicht in allen Aspekten „typisch“ ist, aber doch einen Alltag beschreibt, der so nicht nur in Breslau, sonefern auch anderswo stattfand. Und gerade diese Alltagsbeschreibung macht die Arbeit von Joseph Walk so wichtig, gehen doch in der Analyse der „grossen“ Geschichten oft die kleinen unter, bleiben die Sorgen und Nöte, die Themen, die eine Gemeinde beschäftigen — und spalten — oft ausgespart. Ohne diese Geschichten, ohne diese endlosen Debatten^ und Streitereien über Kleinigkeiten des Gemeindelebens, die heute häufig ein wenig absurd anmuten, bliebe aber die Geschichte leblos. Es geht jedoch nicht etwa um sozusagen nostalgische Rückblicke, sondern um Verstehen. Und die Gründe für ein bestimmtes Verhalten — Auswandern oder Bleiben — oder für das Zustandekommen bestimmter Beurteilungen werden nur deutlich, wenn man sich ein Bild vom „normalen“ Leben machen kann. Die Zeitung berichtet vom Vereinsleben, von Kulturveranstaltungen, Vortragsabenden und der Jüdischen Winterhilfe ebenso wie von Jen Zionistischen Kongressen, von der Spaltung der Zionisten, der Alija und den Devisenbestimmungen der potentiellen Auswanderungsländer. Das alles, zusammen beispielsweise mit eindeutigen Ratschlägen für die Stimmabgabe bei den Reichstagswahlen, ergibt ein Panorama jüdischen Gross- I stadtlebens in der Weimarer Republik. Interessant und beklemmend zugleich ist die Wirkung, die bei der Betrachtung der Geschichte Weimars unter diesem speziellen Blickwinkel entsteht. Aus der Rückschau gesehen, erscheinen Kommentare der Jüdischen Zeitung in der Änfangsphase des Nationalsozialismus als erstaunlich hellsichtig. Die Konzentration auf innerjüdischen Probleme Mitte der dreissiger Jahre wirkt manchmal wie ein Rückzug von der „Aussenwelt“ — unverständlich ist das nicht. Dem Steinheim-Institut an der Universität Duisburg ist die Veröffentlichung dieser Studie von Joseph Walk auch deshalb ein besonderes Anliegen, weil in der Bibliothek der Universität die Jüdische Zeitung fast vollständig auf Mikrofilm archiviert ist. Dies ist der einzige Ort in der Bundesrepublik, an dem die Zeitung in diesem Umfang für die Forschung zugänglich ist. Einer der ersten Beiträge liegt hiermit vor“. -—~------ EINE JUEDISCHE FAMILIENFEIER IN BEUTHEN IM VORIGEN JAHRHUNDERT Aus OBERSCHLESIEN, 28. August, 1869 Am Sabbath, „Ki Teze“, fand in dem interimistischen Betlokale der jüd. Gemeinde zu Beuthen o/S (Die Synagoge geht ihrer Vollendung entgegen) eine seltene Feier statt. Der ehemalige Kaufmann Hirsch Fraenkel und dessen Frau Lea, geb. Dresdner, begingen das Jubiläum ihrer 50jährigen Ehe, aus welcher 6 Kinder und 33 Enkeln entsprossen sind, unter denen durch Stellung und Beruf zwei Söhne, der Rabbiner Dr. Daniel Frankel in Rybnik und der Maurermeister Joseph Frankel zu Berlin hervorragen. Auf Anzeige des Magistrats sah sich die Königin-Witwe bewogen, eine hebräische Prachtbibel, geschmückt mit einer Krone und der Chiffre E, an den dortigen Rabbiner Dr. Rosenthal mit der Bestimmung zu übersenden, dieselbe an heiligem Orte zu überreichen. Dieser Weisung kam der genannte in recht erhebender Weise nach, indem er auf die Verdienste des gefeierten Jubelpaares und die Bedeutung des Gnadenandenkens in kräftig schönen Worten hinwies und den Segen G“ttes auf sie herabflehte. Gegen Abend, nachdem Schaaren von Gratulanten zur Beglückwünschng erschienen waren, fand im Beuthnerschen Saale die Familienfeier durch Festessen, Gesang und Vorträge und unter Teilnahme aller Verwandten aus der Nähe und Ferne statt, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner über Familienleben, der ehemaligen Rabbinatsverweser Moses Guttmann über den rabb. Spruch man ’Un nWljJiTl usw. und ein Enkel des Jubelpaares über die Tagesbedeutung sprachen, worauf der würdige Jubelgreis in schlichter, aber höchst ansprechender Weise zunächst G“tt für die Gnade und dann allen Teilnehmern für die ihm erwiesene Ehre dankte. Allgemein bedauert wurde es, dass infolge eines Unwohlseins die erwartete Festrede des oben erwähnten Rabbiners in Rybnik unterbleiben musste. Zu erwähnen ist noch, dass die Familie des in allen Kreisen geachteten Ehepaares dem Beispiele desselben folgend, fast durchweg im altjüdischen Sinne lebt und die Sitten der Väter heilig hält. Der ISRAELIT, Mainz 10 (1869), Nr. 37 & 38 vom 17.9.1869, S. 722. 22