Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1992
- Issue
- No. 56 (1992)
- Date
- 1992-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Friedhof als Historisches Portrait Ein (Peter Melcher: Weissensee. Ein Friedhof als Spiegelbild jüdischer Geschichte in Berlin, Haude & Spencer). Beginnen wir mit einer persönlichen Bemerkung: in der Stadt trifft man keine bekannten Gesichter, keine der alten Adressen wird ansprechbar — auf dem Begräbnisplatz hat sich scheinbar nichts geändert. Viele der Nebenwege und Gräber sind überwachsen und schwer auffindbar. Die Karthotek — mehr als 115.000 Namen — ist erhalten, von 1880 bis heute. Das Grab der unbekannten Urgrossmutter, 1899 verstorben, wie die Eintragung, dass die Urne mit den angeblichen Resten eines 1940 im KZ ermordeten Verwandten im Grab eines älteren Bruders, vorher gestorben, beigesetzt wurde. ★ Während des Krieges, als Juden gejagt und vernichtet'wurden, bleibt der Begräbnisplatz scheinbar eine „Oase des Friedens“, in der ein junger Rabbiner mit wenigen Helfern lebt und amtiert. Vielleicht Ist es dieser paradoxe Zustand, der einen nichtjüdischen Wissenschaftler angeregt hat, die Geschichte der Juden zu rekonstruieren, in dem mit vielen Bildern geschmückten Band erlebt man die Vergangenheit, von der „Wilhelminischen Gesellschaft“, über „Assimilation am Vorabend des ersten Weltkrieges“, die „Weimarer Republik“ und „Hochemanizpation“ zur „Illusion und Anpassung in der Frühzeit der NS Herrschaft“, der „Verdrängung Unser verehrtes Mitglied und Mitarbeiter Prof. Joseph Walk, hatte das seltene Glück, die Bar Mitzvah seines Urenkels Assaf Spanier am Schabbat „Wajeschew“ erleben zu dürfen. Unsere besten Wünsche den Familien Walk und Spanier zu diesem freudigen Ereignis. und Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten“ bis zum „Widerstand“, in dem von den dort beigesetzten Opfern erzählt wird, wie von den beschäftigten Menschen, Friedhofspersonal, und denen, die dort Unterschlupf suchen. Am 2. Mai 1945, der Kampf um Berlin war noch nicht beendet, flüchten viele „Arier“ auf den Friedhof, in der Hoffnung, dort geschützt zu sein. Freitag, 11. Mai 1945, drei Tage nach dem Waffenstillstand, hält Rabbiner Riesenburger für die wenigen Überlebenden wie für jüdische Soldaten der Roten Armee und der Polnischen Legion einen G“ttesdienst, „Ich hielt die erste Predigt..., aber ich konnte nicht viel sprechen, da nur ein Weinen und Schluchzen den Raum erfüllte“. Durch Kriegseinwirkungen, 50 Bomben, wurden um 4000 Gräber beschädigt, inzwischen restauriert. Der Friedhof wird 1950 geschändigt, der 1971 eine „mutwillige Zerstörung“ folgt... Der Autor veranschaulicht seine Themen durch Bilder, von einfachen Grabsteinen der ersten Jahre mit teilweise nur hebräischen Inschriften, bis zu pompösen Grabmälern, von Architekten entworfen, die für die gleiche gesellschaftliche Schicht ähnliche Kolosse auf christlichen Friedhöfen aufstellen. Die Erbbegräbnisse von Jandorf und Tietz' geben Anlass über jüdische Warenhausbesitzer und Einzelhandel zu berichten, die der Ärzte über jüdische Mediziner, die der Familien Orenstein und Aron über Industrielle, Samuel Fischer und Rudolf Müsse, dessen Grab ein protziges Mausoleum schmückt, symbolisieren das Verlagswesen. Das Kapitel „Illusion und Anpassung“ bringt das Bild eines Grabsteins, Mai 1934, mit der Inschrift: „Ein aufrechter deutscher Jude edelster Gesinnung“, was zu der Bemerkung Anlass gibt: „Eine Einstellung, die oft die rechtzeitige Emigration verhinderte“. Aber auch die „Totengedenken“ ehemaliger Frontkämpfer, die älteren Herren im Frack und mit Kriegsfahnen. „Noch im vierten Jahre der Naziherrschaft klammerten sich viele Weltkriegsteilnehmer an die Hoffnung, dass sie als 'gute' Juden dem Terror der Nazis entgehen würden“. Die Totenstadt von Weissensee kann durchaus als ein Abbild der Gesellschaft im damaligen Berlin angesehen werden: da gibt es die breiten repräsentativen Gräberstrassen..., Die Geheimen Justizräte, die Geheimen Medizinalräte, den Herrn Königlisch-Preussischen Geheimen Kommerzienrat, den Herrn Stabsarzt der Reserve, den Fabrikbesitzer, den Königlisch-Preussischen Hofpianisten, Doktoren und Professoren. Und abseits der prächtigen „Boulevards“ dann die „Hinterhöfe“, die kleinen Reihenstellen der Namenlosen, eng gedrängt, Grab an Grab. Es ist Peter Melcher gelungen, ein anschauliches Bild, wenn man will, ein erschütterndes der Nekropolis zu zeichnen. Vielleicht konnte nur ein Aussenstehender diese Aufgabe übernehmen, ohne persönliche wie sentimentale Hemmungn. Das letzte Bild zeigt den Gedenkstein, nach dem Kriege aufgestellt, mit der hebräischen wie deutschen Inschrift: „Gedenke Ewiger, was uns Geschehen“, „Gewidmet dem Gedächtnis unserer ermordeten Brüder und Schwestern, 1933—1945, und den Lebenden, die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin“. Das Buch ist in anspruchsvoller Form herausgebracht. Ein „Spiegelbild jüdischer Geschichte“, wie es der Untertitel aussagt. Heinzwerner Goldstein MASAL-TOW FUER Dr. RICHARD PRAGER ZUM 90. GEBURTSTAG Unser verehrtes Mitglied und ehemaliger Vorsitzender unseres Verbandes, Dr. Richard Prager, feierte seinen 90. Geburtstag. Schon in Breslau war er als Jurist, der sich besonders im Bankfach grosse Erfahrung erwarb, taetig. Dr. Prager kam im Jahre 1936 nach Erez-Israel und nach bestandenen Pruefungen im hiesigen Recht, konnte er sich eine Praxis als Rechtsanwalt und Notar aufbauen und wurde von allen Seiten, Kollegen und Mandanten, sehr geschaetzt. Viele Jahre war er Vorsitzender unseres Verbandes; als solcher erfreute er sich allseitiger Achtung und Verehrung und sein kluger Rat wurde immer gern gehoert. Wir wuenschen dem Jubilar einen gluecklichen Lebensabend in Gesundheit und Frische. WIR GRATULIEREN Unserem verehrten Vorstandsmitglied Frau Chaja Baror (geb. Schneller) und Familie herzlichst Masal-Tov zur Geburt des Urenkels. Möge er zur Freude der ganzen Familie heranwachsen. SUCHANZEIGE Im Anschluss an das kürzlich fertiggestellte Buch „Wege jüdischer Apotheker — Die Geschichte deutscher und österreichisch-ungarischer Pharmazeuten“ ist ein biographisches Gedenkbuch in Arbeit, in dem möglichst jeder Apotheker mit seinem Lebenslauf gewürdigt werden soll. Zu diesem Zweck suchen wir noch Informationen über die folgenden schlesischen Pharmazeuten. aus Breslau: Arens, Fritz; Arndt, Walter; Berliner, Simon; Bernstein, Susanne; Cohn, Hermann; Cohn, Wilhelm; Falk, James (Isr. Krankenhs); Gebert, Heinrich; Kornblum, Arthur; Lewinsohn, Gustav; Metzner, Kurt; Metzner, Fritz; Nierenzu, Karl; Unger, Hans; Simon, Arnold; Singer, Käthe; Stein, Susanne; Riesenfeld, Edwin; Stiebeiner, Oskar; aus Lewin: Reymann, Wilhelm, (Emil); Keins Georg; aus Leutmannsdorf: Bremer, Friedrich; Fromm, Dr. Paul; aus Reussendorf: Margoninsky, Ludwig; aus Glogau: Lomnitz, Max; aus Liegnitz: Samter, Felix; Heimlich, Gustav; aus Liebau: Dr. Emil Lux; aus Beuthen: Schottländer, Willy; aus Gleiwitz: Ritter, Leo; Löwenstam, Moritz; Yax, Georg; aus Neustadt: Cassirer, Kurt; aus Oppeln: Haase, Curt; aus Ottmachau: Rosenbaum, Ludwig; aus Ratibor: Ascher, Eugen; Roth, Sigismund; aus Mechtal b. Beuthen: Springer, Rudolf; aus Neumittelwalde: Hirschfeld, Samuel; aus Gnadenfrei: Billeit, Arno; aus Weissstein: Drewitz, Fedor; aus Liebenthal: Hoffmann, Karl. Wer etwas über das Schicksal dieser Apotheker weiss, wende sich bitte an: Universität Heidelberg, Fachrichtung Geschichte der Pharmazie, Dr. Frank Leimkugel, Friedrichstrasse 3, 6900 Heidelberg. 21 i