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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 20 (sequence 21)
Language
German
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ERICH FORDER (MORENU Im März erhielten wir die traurige Nachricht vom Hinscheiden unseres teuren Erich Foerder. Er war der Sohn von Moritz und Recha Foerder. Der jüngste von sieben Kindern. Seine Eltern hatten eine Papier-Grosswarenhandlung in Breslau in der Graupenstrasse. Uns verbinden mit der Familie viele Erinnerungen aus unserer Jugend, da wir verwandt waren. Die Familie besuchte die Synagoge zum Tempel. Während meines Studiums am Breslauer Rabbinerseminar gaben mir Dettmar und Erich Foerder die Möglichkeit in ihrer Synagoge meine ersten Ansprachen zu halten. Als die Nacht über Deutschland kam, mussten sie wie viele andere dieses Land verlassen. Erich und seine Frau Grete sowie sein Bruder Dettmar mit seiner Frau wanderten nach Chile aus. Auf Anordnung der chilenischen Regierung wurden sie — zusammen mit vielen anderen — tief in den Süden Chiles geschickt. Sie mussten vom Schiff direkt nach Puerto Montt fahren. Dort gelang es den beiden Brüdern zusammen mit ihren Frauen eine neue Existenz aufzubauen. Beide waren in der Gemeinde in Puerto Montt aktiv. Sie gehörten zu den Gründern des Bet Haknesset. Erich hatte eine besonders schöne und anziehende Stimme und er war der Vorbeter im G'ttesdienst. Mir wurde berichtet, dass Reisende, die nicht gewohnt waren ELIJAHU BEN MOSCHE) *.». in Santiago de Chile in eine Synagoge zu gehen, in Puerto Montt in das Bethaus gingen, nur um die schöne Stimme von Erich Foerder zu hören. Später zog die Familie Foerder nach Santiago de Chile. Hier kamen wir regelmässig an den Jamim towim zusammen. Beim Seder an Pessach führte er oft die Anwesenden. So wurde der Seder mit ihm ein Erlebnis. Auch in Santiago nahm er regelmässig am G'ttesdienst meiner Gemeinde teil. 1970 zog das Ehepaar Foerder nach Berlin. In der Synagoge Pestalozzistrasse war er wieder ein geschätztes Mitglied. Oft trug er die Haftara vor und die Zuhörer dankten ihm sehr herzlich mit Y’schar Koach. Vor einigen Jahren zogen sie in ein Altersheim. Auch hier konnte er — trotz seines hohen Alters — die Teilnehmer am G’ttesdienst mit seiner schönen Stimme erfreuen. Im Alter von über 90 Jahren verschied Erich Foerder in Berlin. Seiner Gattin Grete sprechen wir auch von dieser Stelle aus, unser aufrichtiges und herzliches Beileid aus. In der Erinnerung an ihr schönes gemeinsames Leben und mit dem G'ttvertrauen, das für Grete Foerder charakteristisch ist, wird sie hoffentlich Trost und Kraft für ihre — hoffentlich lange — Zukunft finden. Egon Israel Loewenstein IM ANDENKEN AN AVNER ROM (WERNER GOLDSTROM) Einige Tage vor seinem 75. Geburtstag: im Frühjahr 1991 ist Avner Rom nach einer langjährigen Krankheit verstorben. Er hinterliess eine Tochter und zwei Söhne. Der grosse Kreis seiner Freunde wird stets seiner menschlichen Qualitäten und seines Beitrags zum Aufbau des Landes gedenken. Roms vielseitige Tätigkeit in Europa und im Lande hat allgemeine Anerkennung gewonnen. Sein Humor, sein esprit de vivre und seine Beharrlichkeit in den Posten, die er einnahm, sind von allen geschätzt worden. Sein letzter Kampf um Leben und Tod zeigte die Intensität des Lebens, für die Avner Rom bekannt war. Rom kam als Zwölfjähriger aus Chemnitz nach Breslau, er besuchte das Heilige Geist Gymnasium. Nach dem politischen Umbruch in Deutschland im Jahre 1933 ist er in die Leitung der Habonim Jugendbewegung in Breslau kooptiert worden. Er besuchte das Rabbiner- und Lehrer Seminar mit der Absicht, das Lehrerstudium zu absolvieren. Die schnellen Entwicklungen in Deutschland erlaubten ihm nicht, die Studien zu beenden. Die 'Habonim Zentrale sandte ihn nach Frankfurt/M., um die dortige Ortsgruppe zu organisieren. Im Jahre 1938 ist er in die Zentralleitung des Habonim in Berlin eingetreten, er arbeitete an massgebender Stelle für die Erziehung und Planung der Auswanderung von 500 Jugendlichen. Er konnte Deutschland ganz kurz vor dem Kriegsausbruch verlassen und kam nach England mit Hilfe der Hechaluzorganisation, die das Recht hatte, ca. 2000 zentraleuropäische Juden in den Jahren 1938—1939 für landwirtschaftliche Arbeit nach England zu bringen. Avner Rom hat in England eine Jugendalija Farmschule geleitet, in der sich 14—16jährige aus Deutschland, Österreich und der CSR für die Alija nach Erez Israel vorbereiteten. Später war er im Direktorium des Agricultural Committees in London tätig, das die landwirtschaftlichen Arbeiter aus Zentraleuropa betreute. Diese Flüchtlingsorganisation arbeitete Hand in Hand mit der Hechaluzbewegung. Im Jahre 1945 wanderte Rom in Erez Israel ein und wurde Mitglied des Kibbuz Galed. Er war drei Jahre lang für die Finanzen des jungen Kibbuz verantwortlich. Auf Grund seiner vielfältigen Erfahrung in organisatorischen Angelegenheiten wurde er später in das Direktorium der grossen Versicherungsgesellschaften Hassneh und danach in das der Firma Migdal berufen. Nach seiner Pensionierung ist er als Vertreter der URO in Frankfurt tätig gewesen; er hat nach seiner Rückkunft in der Leitung der URO und der Konferenz Jüdischer Organisationen in Tel Aviv gearbeitet. In den letzten Jahren war er mit den Reparationsforderungen osteuropäischer Juden bis in die letzten Tage seines Lebens beschäftigt. Avner Rom wird von seinen Freunden und dem Kreis derer, die mit ihm zusammenarbeiteten, nicht vergessen werden. se. „FUNDSTÜCKE, FRAGMENTE, ERINNERUNGEN... DIE JUDEN IN KREUZBERG (Fortsetzung von Seite 19) wie es in Berlin hiess, gebetet wurde. Weiter südöstlich wurde 1909 eine Privatsynagoge errichtet, •der 1916 der groses Bau der Gemeinde folgte, mit 2000 Plätzen, wo der G“ttesdienst nach „Altem Ritus“ abgehalten wurde, die Rabb. Dr. Bleichrode übernahm und Arno Nadel, eine Künstlerpersönlichkeit, der später verantwortlich für die musikalische Gestaltung der G“ttesdienste alle Gemeindesynagogen wurde, den Männerchor übernahm und bis zum letzten Tag leitete. Die persönlichen Berichte, Briefe und Erinnerungsphotos der letzten Tage bringen Schilderungen der Verfolgungen, der Zwangsarbeit, über das jüdische „Arbeitsamt“ in dem Bezirk. Die Ge- PROF. FRANZ ROSENSTEIN Aus Guatemala erreichte uns die traurige Nachricht vom Ableben von Prof. Franz Rosenstein s.A. Prof. Rosenstein wurde am 29 November 1905 in Breslau geboren. Er erhielt eine gut fundierte jüdische Bildung und trat 1922 in das bekannte jüdische Lehrerseminar in Würzburg ein. Im Jahre 1925 beendigte er das Seminar mit dem Diplom als Lehrer, Chasan, Ba’al Kore (Thoravorleser) und religiöser Kultusbeamter. In demselben Jahre, kam er als Lehrer an die jüdische Schule in Breslau. Er war auch Vorsitzender des Verbandes jüdischer Lehrer in Schlesien. Nach dem Novemberpogrom im Jahre 1938, wurde er mit vielen anderen Juden ins Konzentrationslager verschleppt. Nach seiner Befreiung ging er über Belgien nach Süd-Amerika. Seine erste Station dort war Bolivien, wo er bis 1947 lebte. Er betätigte sich dort in der jüdischen Gemeinde und war verantwortlich für alle religiösen Angelegenheiten. Ausserdem war er Begründer des Makkabi, Makkabi Hazair und der Sociedad de Protection a los Inmigrantes israelitas (Der Vereinigung für den Schutz der jüdischen Einwanderer), die sich der Einordnung der Einwanderer aus Europa nach Bolivien widmete. Im Jahre 1947 erhielt er ein Berufung der Association Sionista und der jüdischen Gemeinde in Guatemala. Während seiner Tätigkeit dort erhielt er ein Stipendium für den „Machon schel Morim L’Chuz La’arez“ in Israel. Nach der Absolvierung desselben kehrte er nach Guatemala zurück und widmete sich insbesondere der Erziehung der jüdischen Jugend in Guatemala und der Arbeit für die jüdische Gemeinde und die zionistische Organisation Er war Mitbegründer der jüdischen Schule, fungierte als Lehrer und war für eine gewisse Zeit auch ihr Direktor. 1960 wurde ihm das Amt eines Professors an der deutschen Schule in Guatemala angetragen. Er nahm das mit der Bedingung an, am Schabbat und an den jüdischen Feiertagen vom Unterricht befreit zu sein. Bevor er das Amt antrat, wurde er vom deutschen Botschafter in die Botschaft gerufen. Dort bat ihn der Botschafter im Namen des deutschen Volkes um Entschuldigung für alles was dem jüdischen Volk und Prof. Rosenstein persönlich in der Naziepoche angetan worden war. Prof. Rosenstein widmete sich besonders dem Unterricht der jüdischen Kinder in der „Tarbut“-!nstitution im Centro Hebreo. Die Arbeit für die religiösen Belange der jüdischen Gemeinschaft, wo er auch immer war, war für ihn die wichtigste Aufgabe seines Lebens. Sein Andenken wird von allen die ihn kannten immer in Ehren gehalten werden. Schichtswerkstatt hat gründliche Arbeit geleistet. Die Ausstellung soll nicht für diejenigen zusammengetragen sein, für die sie nostalgische Erinnerungen bringt, sondern für die heutigen Bewohner, sie anregen, über die Vergangenheit nachzudenken. In dem Bezirk mit den kleinen Wohneinheiten leben heute 25% Fremde. Die junge Generation ist schon dort geboren, besuchen dort die Schulen. Vielleicht ist es unbedeutend, ob die Eltern aus der Provinz gekommen sind oder aus weiter Ferne. Der Erfolg der Bemühungen wird sich zeigen, wenn es gelingt die Heutigen, die Bewohner wie die Jugend in die Ausstellung zu bringen, ihnen die Geschichte ihres Wohnviertels nahe zu bringen, wo einmal die jüdische Bevölkerung einen Teil darstellte... Heinzwerner Goldstein 20

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