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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 13 (sequence 14)
Language
German
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Rabbiner Manfred (Mosche Ben Jehuda) Lubtiner s.a. Uns erreichte die schmerzliche Nachricht, dass unser Kollege und Freund Rabbiner Manfred Lubliner am 11. August 1991 im Alter von 81 Jahren verstorben ist. Er ist am 16. Februar 1910 in Halle a.d. Saale geboren. Seine Eltern Leo und Martha Lubliner hatten das Glück' mit ihm und seiner Frau bis zum letzten Augenblick in Santiago de Chile zusammen sein zu können. Das Ehepaar Lubliner hat immer das Gebot der Elternehrung erfüllt. Am Breslauer Rabbinerseminar studierte er von 1929 ■bis 1934. Sein erstes Rabbinat war Kottbus. Nach kurzer aber erfolgreicher Tätigkeit teilte er das Schicksal vieler Juden und wanderte nach Santiago de Chile aus. Februar 1939 begann er seine Arbeit in Santiago. Während seines Studiums am Seminar besuchte er die Universitäten in Breslau und in Halle. Der Beginn des Aufbaus einer neuen Gemeinde in einem unbekannten Land — Chile — war nicht leicht. Die wenigen Juden aus deutschsprachigen Ländern mussten sich in den Jahren von 1933 bis 1938 mit gemieteten Räumen begnügen, um ihre G'ttesdienste durchführen zu können. 1938/39 war eine grosse Einwanderung von Juden nach Chile. Jetzt konnte man erst daran denken, in Chile im Kreise dieser Einwanderer ein jüdisches Leben aufzubauen. August 1939 kamen meine Frau und Es gibt wohl kaum ein Land, dessen Bewohner so viele Auslandsbeziehungen haben, wie Israel. Voller Stolz berichten sie von Besuchen bei Brüdern, Schwestern, Kindern, Enkeln, die irgendwo in der Welt leben, und Gründe geben, auf Reisen zu gehen. Wenn die Zugvögel heimkehren, sind sie voller Eindrücke und Erlebnisse. In einem fremden Land sieht der Tourist ja nur die 'Butterseite, dort suchte er keine Arbeit, zahlt keine Steuern, kauft kerne Wohnungen, und er kommt selten in jene Kreisen, in denen diese Fragen Vorrang haben. Die Hotels sind oft vorgebucht, Verwandte werden nur solche besucht, die es sich leisten können, einen Gast gut aufzunehmen. Alle die, die aus irgendwelchen Gründen nicht ins Ausland reisen, schöpfen ihre Erfahrungen aus den Berichten, die oft begeistert vorgetragen werden. Wir unterhalten uns mit einem älteren Herren, der die Familie seines Sohnes in Lyon besucht hat. Nicht zum ersten Mal. Er spricht lebhaft von dem fast fünfzehnjährigen Enkel, der voller Leidenschaft auf der Trommel spielt, jede Melodie, die er irgendwo hört, und deren Rythmüs er lautstark wiedergibt. Er bewundere die Begabung des Jungen, der ohne regelmässigen Musikunterricht jede Melodie auf Pauken und Trommeln nachempfindet, so dass er ihm zum Abschied eine weitere Trommel geschenkt habe. ★ Der Anfang unserer Geschichte liegt lange zurück. Unser Gesprächspartner, früh ich nach Chile. Wir beide — Rabb. Lubliner und ich — haben 32 Jahre in dieser Gemeinde in Kollegialität gewirkt. Da wir am Seminar eine kurze Zeit zusammen studiert hatten, wurden wir gleich von ihm und seiner Frau Ruth freundschaftlich aufgenommen. Lubliner widmete sich u.a. dem Unterricht in der jüdischen Schule, unterrichtete junge Ehepaare, um sie in die Welt des Judentums einzuführen. Durch seine Tätigkeit für die Gemeinde “Sociedad Israelita Cultural B’ne Jisroel” trug er viel zur Sicherung und Zukunft der jungenn Gemeinde bei. Er wurde auch Präsident der B’ne Brith Loge “Pacifico". Die Verbundenheit mit der Jugend und den jungen Ehepaaren war charakteristisch für ihn. 1970 folgte er einem Ruf der Gemeinde in Berlin. Dort gewann er sich die Herzen der Gemeindemitglieder durch sein reiches Wissen und seine tiefe Menschlichkeit. Im Jahre 1985, am 1. September, hatte das Ehepaar Lubliner das seltene Glück, die „Goldene Hochzeit“ feiern zu dürfen. Zum letzten Mal konnten wir mit Rabb. Lubliner und seiner Frau Ruth Tage der gemeinsamen Freude erleben. In der „Allgemeinen“ Nr. 46/34 verabschiedet sich Rabb. Ernst M. Stein von seinem Vorgänger und Kollegen mit den verwitwet, wollte seinem Sohn eine Ausbildung in Frankreich zukommen lassen. Verwantde zeigten sich bereit, den Jungen „vorübergehend“ aufzunehmen. Französische Sprache wie Kultur gehörten seit seiner Jugend zu den Traumvorstellungen, die er nie an der Quelle vervollständigen konnte. Der Sohn verbesserte sein Schulfranzösisch, begann zu arbeiten, und verliebte sich in eine Tochter des Landes, eine Jüdin, die „reizend“ sein soll. Das junge Paar lässt! sich in Lyon nieder, einer Stadt zwischen Paris und Marseille, die die Vorteile einer Grossstadt mit dem Lebensstil einer Provinzstadt verbindet. „Stellen Sie sich vor, die Schwiegertochter führe einen rituellen Haushalt“, etwas, was der Sohn weder zu Hause, noch bei den Grosseltern, die in Tel Aviv lebten, kannte. Die junge Familie wohnt etwas ausserhalb Lyons, in einem „Prachthaus“. Der Enkel sei ein hübscher und lieber Junge, der aber scheinbar keine anderen Interessen habe, die Freizeit auszufüllen, als voller Lautstärke auf Trommeln und Pauken zu spielen. Aber auch dort leben Nachbarn. Der Vater des Enkels, sein Sohn, habe zwar Wände wie Fenster isoliert, aber das genüge nicht, die Musik — oder der Lärm — das liegt im Ohr des Hörers — abzuschalten. Mit dem Nachbarn sei man zu einem Abkommen gekommen, eine Art gentlemanagreement, dass der junge Mann am Sonntag seinen Trommeln einen Ruhetag gewährt. ★ Soweit der Bericht des strahlenden Grossvaters. Worten: „Morenu Haraw Mosche ben Jehuda war über alle seine beruflichen, rabbinischen Qualitäten und über seine gesellschaftlichen Aufgaben hinaus ein wahrer Mensch... Der beste Mann seiner Frau, die der Mittelpunkt seines Lebens war. Er war stets für seine Familie und Freunde da, wo ■immer sie lebten. Mit tiefem Dank für sein Leben und Wirken sagen wir „Sichrono Liwracha“, dass sein Andenken zum Segen sei“. Egon Israel Loewenstein, Jerusalem DIE „YAD PNINA W’SCHIMON YEHUDA“ STIFTUNG (Zum Andenken an Siegbert und Paula Hartman) bittet uns nachfolgendes zu veröffentlichen: Im Frühjahr 1992 beabsichtigt diese Institution eine Reise nach Polen zu organisieren: Diese Reise unter der Leitung von Herrn Esra Hartman, Ist besonders für ehemalige Breslauer und deren Kinder bestimmt. Jeder der an dieser Reise interessiert ist, wird gebeten sich telephonisch mit 03-9247095 in den Abendstunden in Verbindung zu setzen. Oder schriftlich: P.O.B. 3370 Petach-Tikva 49133. Irgendwie rutscht die Frage heraus, was geschehen wäre, wenn er den Sohn vor knapp vierzig Jahren statt nach Paris nach Jerusalem geschickt hätte, und er vielleicht dort eine Frau gefunden, die einen religiösen Haushalt führen wolle, und wenn man dem Enkel untersagen würde, am Schabbat lautstark zu trommeln...? Ja, das sei doch etwas ganz anderes. Schliesslich gebe es in Frankreich keine religiöse Bevormundung. Der Sonntag sei der staatlich ausgeschriebene Ruhetag, den die Bürger aller Religionen respektieren. Israel sei eine Demokratie, da habe jeder das Recht, das zu machen, was ihm beliebt, auch an jedem Tag zu ^trommeln,... und wenn es den religiösen Nachbarn in Jerusalem störe, soll er doch das Wohnviertel verlassen. Er sei seit seiner frühsten Jugend, schon im Ausland, ein echter Demokrat und Liberaler gewesen, Verfechter einer freien, ungehinderten Lebensgestaltung, er lasse sich nicht vorschreiben, wann und wo sein Enkel, oder andere auch, trommeln darf, ...und wer das einem Kind in Jerusalem untersagen wolle, begehe einen Eingriff in die persönliche Freiheit des Bürgers,... und er würde es nie zulassen, dass man sich diesem Zwang unterwerfe... Ja, das ist der „kleine Unterschied“. Was in Lyon, und in jeder anderen europäischen Stadt, selbstverständlich erscheint, Sonntagsruhe ist Staatsgesetz in Frankreich, wird in Israel zur persönlichen Bevormundung, die man nicht widerspruchslos hinnehmen darf... Heinzwerner Goldstein Der Kleine Unterschied... 13

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