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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 12 (sequence 13)
Language
German
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DAS SCHAARE ZEDEK HOSPITAL (DR. WALLACH UND SCHWESTER SELMA) ZUM 90JÄHRIGEN JUBILÄUM 1902—1992 Von HEINZWERNER GOLDSTEIN DAS TRAGISCHE MISSLINGEN... (Fortsetzung von Seite 11) 1942 geholfen, die Anstellung bei der Kopenhagener Gesandschaft zu bekommen mit den Worten: „Duckwitz braucht eine Sekretärin, die das Maul hält“. Die Baroness verstand die genaue Bedeutung dieses Satzes erst später in Dänemark. Sie ist der Überzeugung, dass zwei oder drei weitere Deutsche in Kopenhagen mit Duckwitz zusammenarbeiteten und nannte die Namen von zwei Diplomaten. Der Reichsbevollmächtigte K. R. Werner Best, wollte „Dänemark als Milchkuh für die Kriegsversorgung“ verwenden, aber war unschlüssig mit drakonischen Okkupationsmassnahmen. Er liess Informationen an Duckwitz, durchsickern. Tika Levetzov-Jensen erzählte während des Interviews, dass Leiter der dänischen Untergrundbewegung vor der geplanten Judenaktion (2.10.43) zum Vorsitzenden des Verbandes der dänischen Juden, C. B. Henriques gingen, um ihm die schwerwiegende Nachricht die ihnen von Duckwitz übermittelt worden war, zu überbringen. Dieser wollte den Informationen keinen Glauben schenken. Von der Richtigkeit der Meldung Hess er sich nur dadurch überzeugen, dass Duckwitz bei einem zweiten Besuch mitkam.8 * * 11 12 * * 15 Sofort ging man an die Organisation des „Jüdischen Dunkirks“, die Rettung der dänischen Juden nach Schweden. Die Baroness ist die Tochter eines österreichischen Offiziers aus der Kaiserzeit, stammt aus einem katholischen Elternhaus und wurde in der Tschechoslowakei erzogen; heute lebt sie in Dänemark. Ihr heutiges schweres Herzleiden mag seinen Anfang in den Tagen der seelischen Anspannung in Dänemark gehabt haben. Eine Kopie der Tonbandaufnahme befindet sich im Archiv von Yad Vashem, dem Holocaust-Institut. Balu Spitz-Amir hat mir die Aufnahme überlassen, ohne sie selbst für eine Publikation zu benutzen. Ich besitze Briefe, die bestätigen, dass Duckwitz für seine Hilfe bei der Rettung der dänischen Juden von Yad Vashem zum „Gerechten unter den Völkern“ erklärt und ein Baum auf seinen Namen in der „Allee der Gerechten“ gepflanzt wurde. In einem Brief der Yad Vashem-Leitung an die Baroness Franciska Jensen vom 4. Mai 1989 ist folgender Dank ausgesprochen: „Ihre Tätigkeit hat ein kleines, aber bedeutsames Licht in den dunklen Tagen der Hitler-Periode angezündet. Dafür gebührt Ihnen unser Dank“. (Übers, aus dem Englischen von S.E.). 4) Berti Grass, geb. 1915 in Frankfurt/M., gest. im Juli 1943 in Auschwitz. 5) Salomon Breuer (1850—1926) gründete einen orthodoxen Synagogenverband in Deutschland. 3) Zitiert aus October 43, Bertlsen A., G. Putnam Sons, N.Y., 1954, übersetzt S. E., S. 219, ") Alfred Israel Glück, geb. 1921 in Wien. Aus: „Die Untergrundbewegung in Dänemark (Hebr.), S. 27—32. Ein Artikel über Glück und den „Neuen Weg“ von Nachum Pundak in Dawar Hashavua, 1964 (Hebr.). 5) Enzo Sereni, geb. in Rom 1905, erschossen in Dachau 1944. Channa Szenesh (1921—1944), geb. in Ungarn, Mitglied von Kibbutz Sdot Jam. Hebräische Dichterin. Als Fallschirmjägerin 1944 in Ungarn erschossen. Chaviva Reik (1914—1944) sprang über der Slowakei ab, wurde gefasst und erschossen. ') Einer der Leiter des Hechaluz in Dänemark, Ernst Laske, bestätigte mir die Opposition zu dem Plan des „Neuen Wegs“. Zwei seiner Briefe vom 6.8. und 14.8.1943, in diesem Sinn an Jehuda Köpper gerichtet, befinden sich in meinen Händen.;) Björn Dworski, 1917 in Norwegen geboren, lebt heute in Ramat-Gan, Israel. Der Besucher Jerusalems, der vom Autobusbahnhof durch die alte Jaffa Strasse spaziert, sieht die heute ruinenartigen Anlagen des alten Schaare Zedek Krankenhauses, das vor neun Jahrzehnten, am 27. Januar 1902, als „modernes Krankenhaus“ ausserhalb der Altstadt eröffnet wurde. Erst 1979, 77 Jahre später, konnte es in ein jetzt hypermodernes Gesundheitszentrum in Bajit Wagan, einer vorstädtischen Siedlung, gegenüber dem Herzlberg, übersiedeln. ★ Die Anfänge liegen lange zurück. Im vergangenen Jahrhundert waren die Gesundheitsdienste in der Heiligen Stadt primitiv. Die türkische Verwaltung zeigte wenig Interesse, den „Eingeborenen“, Arabern wie Juden, behilflich zu sein. An das, was 'man später Zionismus nannte, und Aufbauwerk, flachte noch niemand, als sich im Jahre 1873 Philantropen bereit fanden, angeregt durch Rabbiner in Deutschland und Holland, einen Gesundheitsdienst in Jerusalem aufzubauen. Das Komitee nannte sich „Schaare Zedek“, die Tore der Gerechtigkeit. Man kam in Kontakt mit Dr. Moritz Wallach, einem jungen Mediziner, 1866 in Köln geboren (andere geben Münster an), der in Berlin und Würzburg studiert hatte. Wallach war nicht nur Arzt, sondern eine von starkem religiösen Glauben durchdrungene Persönlichkeit. Als Beauftragter der Gruppe kommt er Ende 1891 (oder Anfang 1892) nach Jerusalem und eröffnet eine kleine Klinik in der Altstadt, im jüdischen Viertel. Auf der Suche nach einer geeigneten, aber nicht zu teuren Baufläche findet er ein Grundstück „weit draussen von den Toren“ des damaligen Jerusalems, dem heutigen Viertel Ro- Tnema, die Anhöre, wo sich nicht nur der Busbahnhof befindet, auch die Binjane Ha’uma, die Bauten der Nation, das Ausstellungs- und Kongresszentrum der Stadt. Ein deutscher Architekt, Theodor Sandei, entwirft die Pläne, und weilt dazu einige Monate Im Lande. Mit dem Bau wird 1897 begonnen. Man dachte an ein Krankenhaus mit 40 Betten. Wallach wählt das Eröffnungsdatum, 27. Januar 1902, Ge¬ 8) Histadrut —Gewerkschaft Israels. 8) Uri Yaari (früher Heini Waldmann): Konfrontationen En ung jodes vej i nazitiden (Dänisch) Munskgaard Verlag Deutsches Manuskript „Der Weg eines jungen Juden in der Nazizeit“, S. 21. ’°) Shushu Simon (1910—1943); siehe Buch des Autors „Neue Wurzeln — 50 Jahre Immigration Deutschsprachiger Juden in Israel.“ Bleicher Verlag, 1983. S. 214/15. Shushu Simons Buch “Letter from the Underground in Nazidominated Europe” (Hebr.), Ghetto Fighters House Publ., 1963. 11) Aleksandr Solschenitsyn, Interview mit Paul Gray aus Time, 24. Juli, 1989. 12) Jorgen Haestrup, “Passage to Palestine: Young Jews in Denmark" (Engl.). Odense University Press, 1983. S. 186. in) Leni Yahil, Test of a Democracy, The Rescue of Danish Jewry in World War II, Magnes Press, Jerusalem, 1966 (Hebr.), S. 147/148. This book deals as well with the contribution of Georg Ferdinand Duckwitz “Contribution to the rescue of the Danish Jews”. ”) Gestorben 1962. ’5) Der Autor hat diesen zweiten Besuch in anderen Quellen nicht erwähnt gefunden. burtstag des deutschen Kaisers, in der Hoffnung von ihm oder durch ihn Zuschüsse zu erhalten. Die finanzielle Lage des Krankenhauses, bis heute unabhängig, war und ist niemals rosig, man war immer auf der Suche nach Spendern. Die Verhältnisse, unter denen damals ein Hospital geführt werden musste, sind für uns unverständlich, ohne Elektrizität, ohne Wasserleitungen, ohne Telefonverbindungen und Verkehrsmöglichkeiten. Die Kranken mussten auf Bahren, von vier Personen getragen, über viele Strecken befördert werden. Am Anfang fehlte es an ausgebildetem Hilfspersonal, und doch mussten alle medizinischen Aufgaben gelöst werden. Schon 1910 wird eine Isolierstation angeschlossen, seinerzeit für Dyphterie- und Typhus-Epidemien. Nach Dr. Wallach, der 1947, mit mehr als 80 Jahren, in Pension geht, übernimmt Dr. Falk Schlesinger die Leitung des Krankenhauses, das 1952 das einzige für Jerusalem und Umgebung war, das während der Polio-Epidemie Eiserne Lungen einsetzen konnte. Dr. Salk, der Erfinder einer Schutzimpfung gegen diese Krankheit, besuchte die Station, „erstaunt, wieviel unter solchen primitiven Bedingungen getan werden konnte“. Die finanzielle Lage wurde nach 1933 kritisch. Die Zuschüsse aus Deutschland fielen aus. Man sucht und findet in Übersee, insbesondere in den Vereinigten Staaten, Spender, die das Hospital, in dem eine gewisse religiöse Atmosphäre, gepaart mit den letzten Errungenschaften in der medizinischen Behandlung, aufrecht erhalten wird, finanziell unterstützen. ★ Während der Unruhen wie im Kriege dient das Krankenhaus als Aufnahmestelle für Verletzte, angefangen von den Unruhen 1948, dem Sechs-Tage- Krieg, 1967, wo es als Fronthospital dient, das in 70 Stunden 450 Verwundete aufnimmt, und 200 Operationen durchführen muss. Alle paar Jahre wurden und werden, neue Abteilungen hinzugefügt. Um nur einige zu nennen: 1971 entsteht eine Station für aktuelle Alterserscheinungen, 1972 ein Brustkrebs-Diagnose Zentrum, 1974 ein Tageshospital, das Patienten nach Behandlungen wie kleineren operativen Eingriffen nach Hause entlässt. Im gleichen Jahre eine neurologische Station, 1975 eine Abteilung für Strahlenbehandlung, 1977 eine Kindertagesstation. ★ Die Geschichte des Schaare-Zedek-Krankenhauses bis zur Mitte des Jahrhunderts ist die Lebensgeschichte von Moritz-Mosche Wallach, aber nicht nur seine allein. In einem Krankenhaus bedeutet ein Arzt viel, aber nicht alles, insbesondere nicht in einem kleinen Hospital, wo der tägliche Ablauf vom Pflegepersonal bestimmt wird. Der Zufall — oder das Glück — für Wallach wie für das Hospital wollte es, dass er 1916 in Deutschland eine Schwester findet, die dann sechs Jahrzehnte mit dem Krankenhaus verbunden bleibt. „Schwester Selma“, die schon zu Lebzeiten ihrer langen Tätigkeit zur Legende geworden war. Sie hat trotz 67jährigen Lebens in Jerusalem nie die Landessprache erlernt,. (Fortsetzung auf Seite 17) 12

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