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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
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DAS TRAGISCHE MISSLINGEN... (Fortsetzung von Seite 10) sehen Juden, die am Anfang des II. Weltkriegs in Norwegen lebten, 770 deportiert wurden und davon nur 10 zurückkamen. Berti Grass und seine Freunde wussten, was den Juden in Polen bei der deutschen Okkupation im September 1S39 geschehen war und was der russisch-deutsche Krieg für das russische Judentum bedeutete. Sie mögen in dieser Zeit noch nicht von einer „Endlösung der Judenfrage“ gehört oder von Gaskammern gewusst haben, aber die „Greuelpropaganda“ erreichte auch Skandinavien: Juden sollten in Lastwagen mit Auspuffgas ermordet worden sein. Für die durchschnittliche Bevölkerung mag diese Nachricht Greuelpropaganda gewesen sein aber für Berti war es eine Bestätigung seiner Befürchtungen. Uri Yaari0 schrieb in einer Broschüre über diese Epoche in Dänemark: „Es bestand kein Zweifel mehr, die Gerüchte erzählten die Wahrheit. Die Juden wurden systematisch vernichtet. Berti wusste es durch einen Augenzeugen, der entkommen war. Das konnte nicht mehr als „Greuelpropaganda“ abgetan werden.“ Uri Yaari war Bertis nächststehender Partner bei dem Fluchtplan nach Erez Israel. Seine persönliche Rolle in der dänischen Untergrundbewegung, in Dachau und in Erez Israel braucht hier nicht wiedererzählt zu werden; er selbst hat sie niedergeschrieben. Er hat auch über seine Erfahrung bei einer Versuchtsfahrt durch Deutschland unter einem Eisenbahnwaggon berichtet. Berti Grase 'wurde in der Kristallnacht ins Konzentrationslager gebracht, wo er Gelegenheit hatte, einen kurzen Intensivkurs in „Nazikultur“ durchzumachen. Wer so ein Lager erlebt hatte, entwickelte ein Feingefühl für nahende Gefahren. Ein Beispiel zeigt die erhöhte Wachheit eines früheren KZ-Häftlings: Shushu Simen’0 wurde in der Kristallnacht ins Buchenwaidlager eingeiiefert, und nach einiger Zeit befreit. Er ging nach Holland in die Leitung des Hechaluz. Shushu kam zu ähnlichen Ergebnissen wie Berti in Dänemark. Mit Hilfe der holländischen und franzöischen Untergrundbewegung leitete er eine Rettungsaktion ein. Viele seine Freunde wurden von ihm und nichtjüdischen Kameraden gerettet. 1943 fiel er an der Grenze zwischen Holland und Belgien der Gestapo in die Hände. Shushu nahm sich das Leben, um seine jüdischen und nichtjüdischen Helfer nicht zu gefährden. Er war auf Grund seiner Erfahrungen im Konzentrationslager zu dem Entschluss gekommen, dass Juden nicht „wie eine Schafsherde zur Schlachtbank“ gehen dürfen — er gebrauchte diesen Ausdruck im Brief an seinen Freund. In beiden Fällen waren die Erlebnisse im Konzentrationslager entscheidend und machten junge Menschen zu Männern der Tat, des Wagemuts und Opfergangs. Als der russische Schriftsteller Aleksandr Solschenizyn (Archipel Gulag) von einem amerikanischen Journalisten gefragt wurde, ob seine Erfahrung in den Lagern ihm besondere Dimensionen des Verständnisses gegeben habe, was das russische Leben wirklich bedeutet, antwortete er: „Ja, denn unter diesen besonderen Umständen wird die wahre menschliche Natur offenbar“.11 Was für russische Lager zutraf, galt erst recht für die Lager der Nazis. Unter den ersten, die mit Berti Grass die Gruppe „Neuer Werg“ gründeten, waren Uri Yaari und drei andere — alle aus religiös-jüdischen Elternhäusern. Sie bildeten den Kern um Berti Grass, der — wie schon erwähnt — auch aus orthodoxem Milieu kam. Ojj diese Erziehung zur Selbstdisziplin und zum Sichaufopfern für die jüdische Religion die psychologische Basis dieser ersten Gläubigen an einen so schwierigen Weg war, kann man kaum beurteilen. Die Tatsache ihrer religiösen Vergangenheit kann eine Rolle gespielt haben, aber andere in der Gruppe haben bewiesen, dass man auf verschiedenen Wegen zum selben Ziel gelangen konnte. Der Weg dieser mutigen Menschen darf nicht vergessen werden. Die Überlebenden haben wahrscheinlich oft ein schlechtes Gewissen wegen des tragischen Endes einiger ihrer Freunde, sie mögen den Plan als grossen Fehlschlag angesehen haben. Er hatte ein tragisches, aber würdiges Ende. In Israel interviewte ich Jehuda und Hella Köpper, Leni Mokotow-Hirschfeld und Alfred Glück. Diese vier, die ersten drei kannte ich noch aus Europa, waren weit davon entfernt Phantasten oder Abenteurer zu sein. Die bittere Epoche des II. Weltkrieges liess sie frappante und lebensgefährliche Beschlüsse fassen. ★ Für den 2. Oktober 1943 hatten die Okkupationsstellen in Dänemark eine grosse Judenaktion, Teil a'er „Endlösung der Judenfrage“, gefasst. Ein Wunder sollte jedoch geschehen. Deutsche in höchsten Positionen informierten die dänische Untergrundbewegung von den Absichten und vereitelten die Razzia. G. F. Duckwitz, Vertreter der Deutschen Schifffahrt in Kopenhagen, warnte den dänischen Untergrund und dieser leitete die Nachricht an die fast ungläubigen jüdischen Mitbewohner weiter. Die const sehr langsam reagierende dänische Untergrundbewegung war sofort bereit, aufgrund der Juc.'enaktion, eine Kampfansage an die deutsche Verwaltung zu machen. Sie organisierte spontan die Rettung der 8000 dänischen Juden (inklusive Nichtjuden, die mit jüdischen Familien verbunden waren) per Boot nach Schweden. Dieses unkonventionelle Unternehmen wurde „Jüdisches Dunkirk“ genannt. Das Rettungswerk über den Sund war dadurch möglich, dass die schwedische Regierung ihre Einwilligung gab, diese Flüchtlinge aus Dänemark aufzunehmen. Schweden teilte der deutschen Regierung und den Okkupationsbehörden seine Bereitschaft mit; somit war der Übergang zum schwedischen Festland keinen technischen Schwierigkeiten mehr ausgesetzt. ★ Zusammenfassend kann man von drei Wundern sprechen, die das Problem der Juden in Dänemark in einer Form lösten, die niemand geahnt hatte. Ausser der freundlichen Parteinahme der dänischen Bevölkerung, besonders des Königs, kam die Tatsache hinzu, dass die Wendung im Kriegsroulette die nordischen Staaten Dänemark und Schweden antrieb, eine aggressive Haltung Nazideutschland gegenüber zu wagen. Einer der Aktivsten der Hechalutz-Organisation, Heinz Mosse, beschloss nach einem sicheren Fluchtweg zu suchen. Er plante zusammen mit drei Fischer-Chaluzim (Juden aus Zentraleuropa, die in Dänemark Fischerei lernten) die Flucht in einem Fischerboot. Neun Mitglieder des Hechaluzkreises retteten sich so von der dänischen Insel Bornholm nach Schweden. Am 31.3.1943 wurde diese Aktion erfolgreich durchgeführt und war Grund für den späteren Ankauf eines Bootes mit Namen „Julius“ durch den schwedischen Hechaluz, um die Überfahrt dänischer Chaluzim nach Schweden zu sichern. Die drei Fischer-Chaluzim gehörten zur Besatzung des Schiffes und beteiligten sich später am allgemeinen Rettungswerk der Juden aus Dänemark. Sie brachten 370 Flüchtlinge aus Dänemark nach Schweden.13 Die Namen der drei Fischer sind: Erich Mars, Helmuth Julius und Werner Bamberger. Die Suche nach einem Rettungsweg war diesmal erfolgreich verlaufen. Prof. Leni Yahil hat in ihrem sonst gut dokumentierten Buch „Test of Democracy: The Rescue of Danisii Jewry in World War II“ Berti Grass nicht erwähnt, widmet jedoch dem „Neuen Weg“ eine Seite. Prof. Yahils Beurteilung dieser Gruppe soll hier zitiert werden: „Wenn die dänischen Juden nicht gerettet worden wären, wie sie gerettet worden sind — niemand konnte dies voraussehen —, wären die Versuche dieser jungen Menschen nicht wie die „Ausgeburt einer Phantasie“ und nicht wie „Abenteuerlust“ erschienen, sondern wie der Ausdruck heroischen Wollens ähnlich dem Beispiel ihrer Chawerim (Kameraden) in den polnischen Ghettos“.'1 Diese Beurteilung einer aussergewönhlichen Gruppe ist berechtigt und wer die Geschichte des Holocaust kennt, weiss, was die polnischen Ghettos für die jüdische Widerstandsbewegung bedeuteten, und was es besagt den „Neuen Weg“ als Parallelerscheinung anzusehen. EIN GERECHTER UNTER DEN VÖLKERN — EIN DEUTSCHER Der Zufall wollte es, dass ich nach Niederschreiben des Abschnitts über Berti Grass einen guten alten Freund, Balu Spitz-Amir, Mitglied von Kibbutz Neot Mordechai, traf. Er erzählte mir, dass er am 10.2.1909 seine Klassenkameradin Baroness Tika Levetzow-Jensen, mit der er in Brünn vor dem II. Weltkrieg zur Schule gegangen war, interviewt und dieses Interview aufgezeichnet hatte. Sie wurde Sekretärin von Herrn G. F. Duckwitz" in Kopenhagen, für den sie von 1942 bis 1945 arbeitete, als er Schiffahrtssachverständiger des Reichverkehrsamts in der Deutschen Gesandtschaft (später wurde die Gesandschaft in „Behörde des Reichsvollbemächtigten“ umbenannt) war. Sie merkte bald, dass Duckwitz sich trotz seinen Goldenen Abzeichens der Nationalsozialistischen Partei nicht mit den Nazis identifizierte; er war zu einem Nazigegner geworden. „Duckwitz war kein Opportunist, stand aus Überzeugung mit den führenden Leuten des dänischen Untergrunds in Verbindung und liess ihnen Informationen zugehen. Ununterbrochen riefen Dänen mit Decknamen an“, Duckwitz hatte intensive Beziehungen zur schwedischen Gesandschaft in Kopenhagen und besuchte Stockholm offiziell aber auch „illegal“. Duckwitz muss längere Zeit in ständiger Gefahr gelebt haben, wie z.B. die „Episode mit der Pistole“ bestätigt“. Eines Tages während einer kritischen Epoche (das Datum ist unklar) nahm Duckwitz die Baroness in sein Sommerhaus und liess sie mit seiner Frau über Nacht allein. Er gab ihr eine Pistole mit dem Hinweis, denjenigen zu erschiessen, der sie und seine Frau zu verhaften versuche, danach seine Frau und sich selbst. Er hat ihr einmal angedeutet, dass Gefahren bestünden: „Wenn wir auffliegen, fliegst du mit“. Dabei machte er eine vielsagende Geste am Hals, die sie nur allzu gut verstand. Duckwilz kam aus einer Hansestadt und war schon im Jahre 1926 Nazimitglied. Er muss diese „Jugendsünde“ bereut haben und schon zeitig währen des Krieges Gefahren auf sich genommen haben. Ein Freund von Duckwitz hatte der Baroness (Fortsetzung auf Seite 12) 11

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