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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
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Prof. Dr. Efraim Die Nachricht vom Hinscheiden dieses grossen Gelehrten, der am 2. Juli 1991 verschied, erschütterte die religiöse und wissenschaftliche jüdische Welt. Prof. Urbach ist am 26. Mai 1912 in Wloclawek (Polen) geboren. Er lernte im Cheder und in Jeschivot. Von 1930 bis 1933 studierte am Rabbinerseminar in Breslau. Hier fiel er durch seine umfassenden und profunden Kenntnisse des Talmuds auf. Gleichzeitig studierte er an der Breslauer Universität semitische Philologie und Geschichte. 1933 wurde seine Arbeit „Über die Tossafistenschuien und ihre Methoden“ preisgekrönt. 1934 schloss er seine Universitätsstudien bei Prof. Cassuto in Rom ab. Schon damals veröffentlichte er wissenschaftliche Arbeiten in der „Monatsschrift“ und im „Quirjat Sefer“. Ausserdem eine Arbeit „Etudes sur Ia litterature polemique en moyenage". 1938 ging er nach Erez Israel und wurde Leiter und Lehrer an einer Schule. Damit begann seine erfolgreiche Laufbahn. 1950—1953 war er Inspektor und Leiter einer Abteilung des Ministeriums für Erziehung und Kultur. Ab 1953 lehrte er an der Hebräischen Universität Aggada und später Tal- Elimelech mud. Nachdem er 1962 Prorektor der Hebräischen Universität geworden war, wurde er 1962 Präsident der Akademie für Wissenschaft und klassische Sprachen. Seine Studien umfassen alle Zweige des Talmuds und der rabbinischen Literatur. Für sein wichtiges Werk „Baale Hatossafot“ bekam er den Israelpreis. Sein Interesse wandte sich den religiösen und theologischen Grundlagen des rabbinischen Judentums zu. Diese Untersuchungen fasste er in seinem allgemein anerkannten Buch „Hazal; Pirke Emunot w’deot“ zusammen. Bis zum Ende seines Lebens war Prof. Urbach schöpferisch. Ab 1970 wurde von ihm die Zeitschrift „Tarbiz“ herausgegeben. Er gehörte zu den Gründern der Bewegung für Thora-Judentum (T'nuah l'jahadut schel Torah). Mit Prof. Urbach ging einer der bedeutendsten Schüler des Breslauer Seminars in die Welt der Ewigkeit. Er nahm oft zu den wichtigsten — religiösen, moralischen und politischen — Fragen des Staates Stellung. Schon am 2.XI.1937 nahm er in der „Jüdischen Rundschau“ Stellung zu der Frage: „Sind die Juden staatsfähig?“ in dem Leserbrief schrieb der junge Dozent: „Ich muss energisch dagegen Protest erheben, dass von verantwortlicher Seite das Argument der Unfä- Urbach s.a. higkeit der Juden zur Selbstregierung in die Diskussion hineingetragen wird. Wenn wir nicht an unsere Fähigkeit glauben... werden wir in einem Judenstaat unser Ziel — die Erlösung Israels — nicht erreichen“. Er war auch Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten und trug viel zum religiösen, kulturellen und geistigen Leben unseres Landes bei. Er war ein Kämpfer für den Frieden, war bereit auf Nablus, Schilo und Anat zu verzichten. Es genüge freien Zugang zu diesen Plätzen, aber Frieden zu haben. Mit ihm hat uns eine Persönlichkeit verlassen, und dies in einer Zeit, In der Israel Juden und Menschen wie Prof. Efraim Elimelech Urbach s.A. dringend benötigt. Durch seine moralische Standhaftigkeit und Überzeugungskraft erwarb er sich grosse Anerkennung in den weitesten Kreisen. Unser Beileid sprechen wir der von allen geschätzten Frau Hanna, geb. Pinczower und ihrer Familie aus. Die Erinnerung an die mit ihrem Mann erlebten und fruchtbaren Jahre und ihr G’ttvertrauen mögen ihr Trost sein und Kraft für ihr künftiges Leben verleihen. Egon Israel Loewenstein, Jerusalem Dr. Heinrich Speyer *.a. Im Breslauer jüdischen Gemeindeblatt schrieb Prof. Dr. Isaak Heinemann s.A. den Nachruf auf Heinrich Speyer. „Am Rosch Haschana wird niedergeschrieben und am Versöhnungstage wird es besiegelt, wer leben soll und wer sterben, — wer am Ziel und wer vor dem Ziel. So haben wir am Versöhnüngstage, auch in unser Seminarsynagoge gebetet. Und wir ahnten nicht, dass gleichzeit fern von uns, das Leben eines lieben und verehrten Kollegen, lange „vor dem Ziel“ sich seinem Ende zu neigte. Ich kannte Heinrich Speyer seit 17 Jahren... Auch seinen Vater habe ich gekannt. Er war Kultusbeamter der Frankfurter Gemeinde. Im Jahre 1916 erwarb Speyer das Reifezeugnis“. In Josef Horovitz fand Speyer mehr als einen Lehrer. Der grosse Orientalist wusste Hörern, die ihm willig folgten, nicht nur seine Liebe zum Orient und zur Wissenschaft mitzuteilen, sondern auch jedem seine wissenschaftliche Aufgabe zu zuweisen, die ihm gemäss war. In Speyer, der von der Realschule der Frankfurter Religionsgesellschaft gute hebräische Kenntnisse mitgebracht und als Primaner und Student die reiche Gelegenheit judaistischer Fortbildung, die seine Vaterstadt bot, methodisch genutzt hatte, glaubte er (Horovitz) den rechten Mann für die Lösung eines wichtigen Teilproblems dieses Grenzgebiets gefunden zu haben. Die Frage, was Mohamed dem Judentum verdankt, hatte bereits Abraham Geiger behandelt... So regte Horovitz Speyer an, über die biblischen Erzährungen im Koran zu arbeiten und sie vor allem auf die jüdischen Quellen zu untersuchen.. Den ersten Teil der Arbeit reichte Speyer als Dissertation ein. Ihrem Ausbau widmete er sich unablässig, zunächst einige Jahre (auf Horovitz Empfehlung) als Mitarbeiter der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, in deren Korrespondenzblatt er 1923 einige Ergebnisse der Arbeit veröffentlichte, alsdann in der freien Zeit, die seine Lehrämter ihm liessen in der „Monatsschrift“. 1925 folgte er einem Ruf an die jüdische höhere Schule in Breslau. Hier hat er acht Jahre lang, vorübergehend auch als Leiter, gewirkt. Er fasste sein Amt durchaus nicht nur von der sprachlichen Seite auf. Wohl wusste er den Schülern seine eigene Liebe für das Hebräische, die Sprache der Bibel wie die der Gegenwart mitzuteilen und mit Hilfe hebräischer Fragen und Antworten den Unterricht höchst lebendig zu gestalten... Wenn ein sehr grosser Teil der Schüler der höheren Schule der jüdischen Überlieferung treu geblieben ist, so ist das wesentlich sein Verdienst. Aber trotz dieser Erfolge fühlte er sich im Lehramt nicht wohl... 1935 schied im Sommer Prof. Michael Guttmann aus dem Lehrkörper des Breslauer Seminars aus. Die von Dr. Israel Rabin (der nach Erez Israel auswanderte) gehaltenen Vorlesungen über die Bibelwissenschaft wurden im Winter 1933/34 Speyer 'übertragen. Zunächst vertretungsweise. Aber sein Lehrerfolg war derartig durchschlagend, dass das Seminar ihm zu Beginn des Sommersemesters eine volle Dozentur übertrug. Ausser Bibelwissenschaft hatte er jüdische Geschichte des Altertums und auch orientalische Sprachen zu lehren, um den Studenten für die ihnen versagte Universitätsvorlesungen vollen Ersatz zu bieten. Im akademischen Lehramt, kamen alle Vorzüge seiner wissenschaftlichen Ausbildung wie seines Wesens zur Geltung. Es gab keine orientalische Sprache, die er nicht kannte... Er kannte die jüdischen Kommentare des Mittelalters mit besonderem Interesse für den mystischen Einschlag in ihrem Denken, wie auch die neuere bibelwissenschaftliche Literatur. Auch die Philosophie der Gegenwart war ihm nicht fremd... Durchweg hatten die Höhrer das Gefühl unser Lehrer schöpft aus dem Vollen und arbeitet auch da, wo er eigentümlich jüdische Positionen vertritt, mit rein wissenschaftlichen Methoden. Wenn er sich mit der neueren Bibelkritik auseinandersetzte, so berief er sich auf Keilschrifttexte zum Beweis dafür, dass ein Wellhausen das Bild der Moseszeit zu primitiv gezeichnet hatte, anderseits auf methodische Bedenken, die bereits sein Lehrer Horovitz, derder Tradition viel ferner stand als Speyer, geltend gemacht hatte. Er lehnte nicht jede Abweichung der neueren Wissenschaft von der jüdischen Überlieferung grundsätzlich ab. Manches schien ihm wissenschaftlich haltbar und auch mit einem überlieferungstreuen Judentum vereinbar. tr gehörte der Orthodoxen Akademiker-Organisation (VJA) noch ln Breslau an. Er wirkte nicht nur ihm Seminar lehrend. Weite Kreise der Gemeinde, insbesondere der Logen, aber auch die Besucher der Lehrgänge unser Volkshochschule kannten ihn als Redner, der mit gründlicher Sachkunde eine Klarheit der Darstellung und eine zündende Beredsamkeit zu verbinden wusste, wie selten einer. Daneben hat er dem Vorstand der Gemeinde angehört, wie auch als Vertrauensmann des Misrachi. Das herrlichste Erlebnis eines Lehrers, die gegenseitige Befruchtung am Schreibtisch und in lebendiger Aussprache mit jüngeren Fachgenossen, hat er in der kurzen Zeit seiner Dozentur genossen. In der Beilage zum Jahresbericht des Jahres 1934 des Breslauer Rabbinerseminars erschien von 'ihm: „Der Feiertag der Propheten“ mit umfassender Sachkenntnis, philologischer Gewissenhaftigkeit und kulturgeschichtlicher Schulung. Gleichzeitig wurde ihm ermöglicht den Druck seines Buch über die biblischen Erzählungen im Koran zu beginnen. Er hoffte noch in diesem Kalenderjahr den Druck vollenden zu können. Es war ihm nicht mehr vergönnt. Nicht einmal das 40. Lebensjahr ererichte er. Der wissenschaftlichen Welt werden seine Arbeiten erhalten bleiben. Egon Israel Loewenstein, Jerusalem 7

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