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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1991-01-01 · No. 55 (1991) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1991
Issue
No. 55 (1991)
Date
1991-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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RABBINER ALFRED FABIAN v*. Wir erhalten die traurige Nachricht, das unser Freund und Kollege Dr. Alfred Fabian von uns gegangen ist. Wir studierten zusammen am Breslauer Rabbiner-Seminar. Und waren beide Mitglieder des Bundes deutsch-jüdischer Jugend. Im Bund und im Seminar waren wir durch viele Stunden geistiger Auseinandersetzung verbunden. Sein Vater war Rabbiner Leo Fabian s.A., der ebenso am Breslauer Seminar studierte. Sein Sohn Dr. Fabian ist 1910 in Breslau geboren. Nach dem Besuch der Schule studierte er die Rechtswissenschaften. Von 1935— 1939 bereitete er sich für seinen Beruf als Rabbiner vor. Während seiner Studienzeit stand er — wie auch der Verfasser dieser Zeilen — dem Kreis um Rabb. Dr. Vogelstein s.A. nahe. Nach Beendigung seines Studiums musste er wie viele von uns auswandern. In Breslau heiratete er Ilse Sternberg. Das junge Paar konnte nicht zusammen auswandern. Fabian ging zunächst nach Shanghai. Als seine junge Frau das Permit nach Australien erhielt, konnte er im Dezember 1940 nach Sydney reisen. 2 Tage später konnten sie zusammen nach Adelaide reisen. Zunächs hattet er noch keine feste Anstellung. Er gab Bar-Mitzwa-Unterricht, amtierte bei Hochzeiten und bei Beerdigungen und suchte Abo- AUF DER SUCHE... (Fortsetzung von Seite 8) Die deutschsprachige Enzyklopädia Judaica führt drei weitere von Rabbiner Gabriel Cohn veröffentlichte Bücher an: ’Deroschot Gawre' (32 Predigten), Frankfurt a.d.O., 1826; 'Teschuvot Gawre' (37 Responden, Antworten auf religiöse Fragen), Frankfurt a.d.O., 1826 und ’Peduth Israel' (Kommentar zum Buch Ruth) Krötoschin, 1853. Diese drei Werke sowie die oben erwähnte Haggada Interpretation sind in der israelischen Nationalbibliothek auf dem Givat Ram-Campus in Jerusalem zu finden. Gabriel Cohn war fraglos eine aussergewöhnliche Persönlichkeit seiner Zeit. Er schrieb hebräische Bücher, kämpfte mit dem Problem des Übergangs zur deutschen Sprache, hielt in der Auseinandersetzung mit der Reformbewegung an den jüdischen Traditionen fest und beeinflusste zahlreiche jüdische Gelehrte. Die oben erwähnte Haggada enthält ein hebräisches Gedicht von einem Schüler Gabriel Cohns, Zwi Hirsch Guttentag, das die Weisheit und Menschlichkeit von Gabriel Cohn würdigt. In ihm wird Gabriel Cohn mit dem Titel „Hagaon Hagadol“ (grosses Genie, weiser Gelehrter) addressiert und die Worte meiner Mutter, an denen ich zu Unrecht gezweifelt hatte, werden bestätigt. Dr. Emil Kronheim, der inzwischen in New York verstorben ist, hat mir das Exemplar der hebräischen Haggada hinterlassen, weil er sicher sein wollte, dass es sich in Händen von Nachkommen in Israel befindet, die Hebräisch lesen und es als Legat zu schätzen wissen. Emil war Arzt und Sohn von Louis Kronheim, einem Kommerzienrat. Für ihn bedeutete die Tatsache, dass wir einen grossen Ahnen in der Familie hatten, eine Verpflichtung: Noblesse oblige. ,,Was wir sind, das sind wir anderen schuldig. Der Erbstrom des Rav Gabriel mag noch manches Interessante in unserem Kindeskindern hervorbringen“, schrieb Emil. Ich hoffe, er wird recht behalten. nennten für jüdischen Zeitungen. Im Dezember wurde er von der Gemeinde in Adelaide (Südaustralien) berufen als der Hauptrabbiner der Stadt. Dort /blieb das junge Paar bis 1947. Der Beginn war nicht einfach. Die Gemeinden in Australien sind verschieden von denen in Zentraleuropa. Sie wurden zuerst als “enemy alliens" angesehen und später als “Friendly alliens”. Während des Weltkrieges kamen viele Soldaten nach Adelaide. Viele von ihnen fanden bei dem Ehepaar Fabian ein gastfreies Haus. Dr. Fabian besuchte im Süden Australiens “Camps". Am Anfang wohnten in ihnen jüdische Emigranten. Als sie später ihre Freiheit erreichen sollten, setzte sich der Rabbiner vor dem „tribunals“ für sie ein. Er war in vielen Organisationen tätig, auch im Radio und wurde zu vielen offiziellen Empfängen eingeladen — zum Beispiel — zum “Governor” — dem Vertreter des englischen Königs und später der Königin. 1947 wurde er nach Brisbaine (Queensland) berufen. Dort war er in der zionistischen Organisation, im Orden B'ne Brith, im Rotary usw. tätig. Er wurde auch Präsident des jüdischen Nationalfonds. 1962 wurde Dr. Fabian “Senior Jewish Chaplain". Bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1980 gehörte er zu der höchsten religiösen Beratungs- Das gesamte Material unseres Familienstammbaumes, das ich zusammen mit einer Grosscousine, Barbara Algaze aus Los Angeles, gesammelt habe, übergab ich der Genealogischen Abteilung des Tel- Aviver Diaspora-Museums. Die nachweisbare Grossfamilie umfasst jetzt 250 Personen. Eine Schlussbemerkung sei hier noch erlaubt. Lange habe ich mich mit der Frage beschäftigt, warum der grosse Ahne in meiner Familie in Vergessenheit geraten ist. Es handelte sich um den Vater meines Urgrossvaters und meine Geschwister, meine zahlreichen Cousinen und Cousins sowie der letzte damals noch lebende Onkel wussten absolut nichts von der Existenz dieses Mannes. Wie war es möglich, diesen Nestor, Altmeister und Gelehrten in der eigenen Familie zu vergessen? Eine wirkliche Antwort besitze ich nicht, dies ist nur ein Versuch. Die Welt meiner Eltern und die meiner Generation war der Denkweise dieses religiös-jüdischen Vorfahren so fern, dass sie ein Rabbiner mehr oder weniger kaum interessierte. Vielleicht schämte man sich dieses Vorfahren sogar, der der neuen Entwicklung fremd blieb. Der Prozess der Assimilation und der Religionsreform vollzog sich schnell. Selbst unsere Familie, die zwar nicht antireligiös war und für die das Judentum eine Selbstverständlichkeit bedeutete, war es ungewöhnlich, dass jemand in der Familie hebräische Bücher schrieb, religiöse Traktate herausgab und als Gaon angesehen wurde. Dies besass für sie keine Wichtigkeit mehr. Meine Mutter, die einige Zeit in Samter lebte, hatte noch einen leichten Abglanz der Vergangenheit gespürt. Aber nur jemand, der in Israel lebt, für den Hebräisch zur Umgangssprache geworden ist und der die jüdische und hebräische Tradition und ihr Kulturgut zu schätzen weiss, kann das besondere dieses Mannes beurteilen. Dieser Raw hat Hebräisch geschrieben, jüdische Werte bewahrt und ist in einer Epoche des völligen Umbruchs im jüdischen Leben ein Zeichen für die Zukunft geblieben. In diesem Sinne kann ich mich mrt ihm Identifizieren. konferenz, verantwortlich für "Army, Navy und Air Force". Er schloss auch Freundschaft mit den anderen christlichen Geistlichen. Er wurde “Jewish Chaplain" des Bezirks, der die Ostküste einschliesst. In dieser Eigenschaft reiste er nach Canberra, um an der Zusammenkunft der “Chaplain Conference“ teilzunehmen. Dezember 1962 wurde er nach Sydney berufen. Diese Synagoge war von Emigranten gegründet worden. Ihr schlossen sich später viele englische Nachkriegsemigranten an. In Sydney war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1976 tätig. In dieser grössten Stadt Australiens hatte er nicht nur Gelegenheit in seiner Gemeinde tätig zu sein, sondern auch im Jischuw von Sydney. Dort bestehen 15 voneinander unabhängige Synagogen. Unter ihnen besteht ein enger Zusammenhang. Dr. Fabian veröffentlichte viele Artikel. Er war ein aktiver Teilnehmer der “Jewish Historical Society". Er war ihr Vizepräsident viele Jahre. Auch nach seiner Pensionierung gelang es ihm nicht, sich vollokmmen von den zahlreichen Tätigkeiten zurückzuziehen. Unser Freund und Kollege Fredy Fabian war — und dies aus eigener Kenntnis seiner Persönlichkeit — einer von denen, die es verstanden mit jedem Menschen in Kontakt zu kommen. Sein Ableben ist nicht nur ein unersetzlicher Verlust für seine Gattin Ilse, seine Töchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder, sondern auch für die Wenigen, die am Leben sind und die mit ihm vor mehr als 50 Jahren am Breslauer Rabbinerseminar Fränkel’scher Stiftung gelernt haben. Egon Israel Loewenstein SUCHANZEIGEN Joseph Koppel, Apartment 5K—128 Fort Washington Ave, New-York, NY 10032 sucht die Schwester seiner verslorbenen Frau. Der Name der Schwester ist Traute Lachmann, geb. 7,10.1922 in Breslau. 1) Wer kann etwas über Grabow in Posen berichten? 2) Suche Familie, die mit Oberkantor Rosenthal von Breslau verwandt ist. Zu wenden an: BERNT SCHULTZ Maximilian-Kolbe-Weg 6b 4950 Minden Wer weiss Bescheid über das Schicksal von Regina Nürnberger, früher in Breslau (Jahrgang 1922)? Nachrichten erbeten an Herbert Ritter, Remez 26A, Kiriat Ata 28000. Dr. Joachim Mugdan, Eupener Weg 14, D 4400 Münster, arbeitet an einer Geschichte der Familie Mugdan, Inhaber des bekannten Seidenhauses A. J. Mugdan in Breslau, und bittet um folgende Informationen: 1. Anschrift von Angehörigen der verstorbenen Julius und Anni Löwenstein s.A., 2. Anschrift von Frau Marga Blechstein (Kontakte mit anderen ehemaligen Kempenern willkommen). 3. Erinnerungen an die Familien Kauffmann (Meyer Kauffmann Textilwerke), Priebatsch, Schaff, Schuftan (Chemiker Dr. Georg Schuftan und Else, geb. Mugdan), Staub (Sanitätsrat Dr. Alfred Staub und Alice, geb. Mugdan, Tochter: Alice) und Widawer, sowie die Firma A. J. Mugdan und andere Familienangehörige. 13

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