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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1991-01-01 · No. 55 (1991) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1991
Issue
No. 55 (1991)
Date
1991-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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DIE FEHLENDEN SCHEIBEN Von HEINZWERNER GOLDSTEIN Es ist nicht immer leicht, einem Neueinwanderer die Bedingungen des Landes zu erklären. Wie schwer hatten es die, die vor mehr als einem halben Jahrhundert in das Land kamen, aus Ländern, in denen sie ganz andere Bedingungen und einen anderen Lebensstandard gewohnt waren. Als sie die Küste des Landes erreichten — wie man damals noch deklamieren konnte, die heutigen Einwanderer werden ihre Erinnerungen mit „Vom Himmel hoch, da kam ich her“ beginnen — musste man sie mit den politischen Gruppen, aber noch mehr mit den „ideologischen Strömungen“ innerhalb dieser „Parteien“ vertraut machen. Dinge, die im Mandatsland nur eine untergeordnete Rolle spielten, da die jüdische Selbstverwaltung sehr beschränkt gewesen ist. Den damaligen Neueinwanderern, die man nicht immer freudig begrüsste und noch weniger ihnen zur Einordnung half, erzählte man, und sie erzählten unter sich eine Geschichte, die, auch wenn sie vielleicht nicht auf voller Wahrheit beruht hat, gut erfunden war, und beinahe möglich, die ideologischen Haarspaltereien zu erklären. Den „Höhepunkt“ erreichten die „ideologischen“ Auseinandersetzungen Anfang der fünfziger Jahre, als die „Strömungen“ hochgespielt wurden. In einigen Gemeinschaftssiedlungen — Kibbutzim — deren Mitglieder offiziell einer bestimmten Partei angehören, mussten die Speiseräume wie sanitären Anlagen, die seinerzeit noch gemeinsam waren, geteilt wurden. ★ Die Geschichte lässt der Volksmund in Chedera spielen. Sie hätte in andere Orte versetzt werden können, sogar nach Affula, aber Chedera, 1890 gegründet, galt damals schon als „alte" Siedlung. Aus der Moschawa ist eine Stadt geworden, ihr äusserliches Bild hat sich geändert. Die Autostrasse, die es seinerzeit nicht gah, verhindert, dass sich Hotels dort etablieren. Nicht oder wenig geändert hat sich die Parteiengestaltung im Lande. Immer wieder werden „ideologische“ Schlagworte vorgegeben, auch wenn es sich um Geltungsbedürfnis einiger handelt, — aber darüber will man nicht sprechen. ★ In jenen Tagen übernachten im Gasthof des Dorfes zwei Mitglieder verschiedener Kibbutzim im gleichen Zimmer. In den Pioniertagen wurden Belten vermietet und nicht Zimmer. Beide gehören zufällig der gleichen Partei an, aber verschiedener Untergruppen, seinerzeit „Si’a Aleph“ und „Si’a Bet“ genannt, Bevor sie sich niederlegen, beginnt eine weltanschauliche Diskussion, ob es im Sinne ihrer Gruppenideologie gesünder sei, bei offenem oder geschlossenem Fenster zu schlafen. Man ereifert sich über die grundlegende Frage, zitiert Marx und Engels, Brenner und Borochow..., ohne zu einer Verständigung zu kommen. Nach Mitternacht beschweren sich die anderen Gäste beim Wirt über die lautstarke Diskussion, die ihnen den Schlaf raubt. Der, scheinbar ein Angehöriger der seinerzeit als „bürgerlich“ verschrieenen Gruppe einer „kapitalistischen“ Partei des kleinen Mittelstandes, betritt energisch das Zimmer, um nach der Ursache des Lärms zu forschen. Beide Gäste tragen ihr ideologisches Gelämmer vor. und wie sie sich in dieser doch so grundlegenden weltanschaulichen Frage nicht einigen können, ob es nach ihrer Überzeugung vereinbar sei, bei offenem oder geschlossenem Fenster zu schlafen.,.? Der Wirt fordert Ruhe. Es geht ihm um den Ruf seines Gasthauses, verschämt Hotel genannt. Er wolle, lange nach Mitternacht, nichts von ideologischen Prinzipien hören. Er versucht die streitbaren Gäste zu beruhigen. Ihre geistigen wie intellektuellen Anstrengungen seien wirklich wertlos, die Einnahmen' des Gasthofs haben noch nicht ermöglicht, Scheiben für die Fensterrahmen zu beschaffen..., vielleicht, wenn sie in einem Jahre wieder kommen, werden Scheiben vorhanden sein! Gesucht wird Material über die Jüdische Gemeinde Sonia und Bernd Bloss Deutsch-Ossig-Ring 10 D—(03—8902 Görlitz Bundesrepublik Deutschland Wenden sich an die Mitglieder unseres Verbandes: Wir sind Lehrer für Geschichte und Philosophie und befassen uns seit einiger Zeit mit der Geschichte der ehemaligen Jüdischen Gemeinde unserer Stadt. Wir glauben, dass uns die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands eine besondere Verantwortung auferlegt, dafür zu sorgen, dass das beispiellose Schicksal der Juden in Deutschland nicht in Vergessenheit gerät und dass alle verfügbaren Kräfte dafür mobilisiert werden, die Wiederausbreitung des Antisemitismus zu verhindern. Dieses Ziel kann nach unserer Ansicht nur dadurch erreicht werden, dass die Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland so konkret und detailliert wie möglich ergründet, je am Einzelschicksal dokumentiert und damit erfahrbar wird. Zu diesem Zweck wollen wir zusammen mit unseren Schülern die noch erreichbaren Quellen auswerten und die Ergebnisse in geeigneter Form publizieren. Die Suche nach Personen und nach Archivalien, die über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Görlitz Auskunft geben können, ist ausserordentlich kompliziert. Wir bemühen uns deshalb, auch solche Informationsquellen zu erschliessen, die mit unserem Ziel nur mittelbar in Beziehung stehen. Die Bedeutung, die Görlitz neben Breslau in Schlesien zukam, lässt uns vermuten, dass sich die Beziehungen beider Städte auch im Leben ihrer jüdischen Gemeinden und Einwohner niederschlugen. Wer kann Auskunft geben über: 1) Dokumente oder Informationen über Dokumente, die sich auf die ehemalige Jüdische Gemeinde zu Görlitz oder auf einzelne ihrer Mitglieder beziehen. 2) Wer keont Forschungsarbeiten und Publikationen, welche die Geschichte der Juden in Schlesien zum Gegenstand haben und die sich nicht in Bibliotheken in Deutschland befinden? 3} Gibt es Verbände und Organisationen in europäischen und aussereuropäischen Ländern, insbesondere in den U.S.A., denen ehemals in Schlesien lebende Juden oder deren Nachkommen angehören? Wir suchen Herrn Dr. G. BAR-! JOSEPH, ehemals Mitglied der i Görlitzer Jüdischen Gemeinde;! derzeit in Haifa wohnhaft. Wir danken auch für jeden weiteren Hinweis, der für die Aufklärung der Geschichte der ehemaligen Jüdischen Gemeinde zu Görlitz bedeutsam ist. Antworten werden an obige Adresse erbeten. „BLAU-WEISS-BLAETTER”.,, (Fortsetzung von Seite 11) Das Heft schliesst mit einer Polemik, die wir heute vielleicht ernster sehen als die jugendlichen Schwärmer 1916. In der „Wandervogei-Führerzeitung, Heft 9, Scheidung 1916“ — nach dem Lexikon ist das September — wird eine Begegnung mit jüdischen Wanderern geschildert, die mit „Schalorn“ eingeleitet wird und mit „Heil“ endet. Ein Ernst Glaser bemüht sich, mit dem Schreiber und dem Geschreibe abzurechnen: „Kennst du einen Juden? Hast du je versucht, der jüdischen Seele nahe zu sein?“ So sprach die Generation der Kriegsteilnehmer, in der deutschen und österreichischen Armee... Wäre diese Polemik in den zwanziger Jahren und später noch bekannt gewesen, hätte die Judenheit — mindestens in den deutschsprachigen Länder — gewarnt sein müssen. Aber wer hat schon eine Bundeszeitung von 1916 zehn Jahre später noch gelesen, als die damaligen „Wanderer“ Familienväter geworden sind, und sich nicht immer gerne an die Jugendideale erinnerten, und nicht darauf geachtet haben, als das unglücksvolle Wort „Heil“ begann Schlagzeilen zu machen... Heinzwerner Goldstein I MITGLIEDSBEITRAG FUER DAS JAHR 19911 I Angesichts der ständig steigenden Unkosten j hat der Vorstand, vorbehaltlich der Genehmi- | gung durch die Generalversammlung beschlos- I sen, den Beitrag für 1991 auf 50.— NS festzü- ■ ■ setzen. Diesen Betrag bitten wir, uns baldmög- | I liehst zukommen zu lassen. I | DER VORSTAND j Druck „DAF-RAZ“, Tel Aviv, Wolfson 48 16

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