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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1991-01-01 · No. 55 (1991) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1991
Issue
No. 55 (1991)
Date
1991-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Die Staatsverträge Von HEINZWERNER GOLDSTEIN Moderne Leitartikler geben sich Mühe, Staatöverträge zu kommentieren, nach ihrer persönlichen Einstellung wie der Gruppe, die sie vertreten. Wir haben es leichter und können über Abkommen berichten, das die Staatsmänner eines kleinen Landes mit denen einer Grossmacht ihrer Epoche abschliessen. ★ Chanuka gehört zu den Festen, die man überall begeht. Die Aufzeichnungen kennen wir nur aus den Makkabäerbüchern, die nicht in den Bibelkodex gehören. Es bestehen Annahmen für die Ablehnung. In der griechischen Übersetzung sind sie als „Ketuwim Achronim“, als letzte Schriften aufgenommen, und als „Apokryphen“ bezeichnet, Verborgene Schriften. Durch sie lernen wir etwas von dem Geschehen in den Tagen der Makkabäer, oder Hasmonäer, wie sie sich nennen. ★ Der Aufstand gegen Antiochus IV., mit dem Beinamen Epiphanes, ist mehr oder weniger aus der jüdischen Geschichte bekannt. Er verläuft nicht immer erfolgreich). Militärische wie politische Rückschläge. Oft ist es nur der weltpolitischen Situation und ihrer strategischen Konstallierung zu verdanken, dass das kleine Juda durchhalten kann, hundert Jahre, und dass sich die Herrscher der dritten Generation, im Jahre 105 B.C.E., den Königstitel zulegen. ★ Im zweiten Jahrhundert v.d.Zeitr. beherrscht Rom die damalige Welt, es kann Karthago vernichten, das Mittelmeer zu einem römischen See machen. Im Osien, zwischen dem Euphrat und dem Hindus, herrschen die Parther. Nachfahren persischer Dynastien. Dazwischen liegen die Diadochenreiche der Ptolemäer wie der Seleukiden, nach dem Tode Alexanders entstanden, die sich gegenseitig bekämpfen und gemeinsam die Bedrohungen der Parther abwehren müssen. Der Aufstand der Hasmonier und die Erfolge sind nur von diesem Hintergrund zu erklären, aber auch ihr Ende, als es Rom gelingt, die Levanteländer und Ägypten zu besetzen, und kein Bedarf mehr für ein unabhängiges Juda besteht, Pompejus wird Statthalter, Hyrkanes vom König zum Ethnarch degradiert, 63 B.C.E. ★ Als es nach den ersten Erfolge Judas gegen Nikanor zu einem Waffenstillstand kommt, welss der Hasmonäer, dass es keine Ruhe im Lande gibt. In der Weltmacht des Westens, Rom, sieht er die Macht, die an dem geopolitischen Raum interessiert ist. Er schickt Diplomaten. Warum er sich so entscheidet, wissen wir nicht, es haben andere Möglichkeiten bestanden. Aber als 120 Jahre später, Antigonos, der letzte der Hasmonäer, 40 B.C.E., versucht, den Thron mit Hilfe der Parther zu halten, reagiert Rom verärgert, im Jahre 37 setzen sie Herodos mit Hilfe ihrer Legionen als König ein. Im 1. Buch der Makkabäer lesen wir, Kap. 8: „Es hörte aber Judas von den Römern, dass sie sehr mächtig wären, und fremde Völker gerne In 12 Schutz nehmen“. Nach einem Lobe auf die guten Taten der Römer wird berichtet, dass ein Eupolemus und ein Jason nach Rom fahren, „mit den Römern Freundschaft und einen Bund zu schliessen, dass sie ihnen helfen, dass Israel nicht unterdrückt würde von dem Königreich der Griechen“. „Das gefiel den Römern, und sie Messen den Bund auf eherne Tafeln schreiben, und schickten die Abschrift gen Jerusalem“. Wie alle Staatsverträge beginnt er, ungefähr im Jahre 160 v.d.Zeitr. aufgezeichnet, mit einer Präambel: „Mögen die Römer und die Juden Glück und Frieden haben zu Land und zu Wasser, und behütet bleiben vor Krieg und Feinden ewiglich“. Dann heisst es, dass die Juden den Römern, wenn sie in Kriege verwickelt werden, „getreulich Hil'te tun“, ein Embargo gegen die Feinde Roms verhängen, „und sollen der Römer A bissei Schlaesch... Wer war der wirkliche Schlesier in der I jüdischen Gemeinschaft in Breslau? Die „Zu- I gezogenen“ waren es sicher nicht, sie hat- I ten genug mit dem akzentlosen Deutsch fer- I tig zu werden — denn die klare, genaue Sprache, die jedenfalls am Rhedigerplatz ge- I lehrt wurde, unterschied sich gewaltig von z.B. der Frankfurter Mundart, des „Schwae- I belns“, der saechsischen völlig entstellten ' Vokale und der Berliner Schnauze mit ihrer I saloppen Behandlung der Grammatik und der | Verschmelzung von mindestens zwei Wör- I tern in eins. Andererseits — da waren die in Breslau Geborenen, deren Eltern und Grosseltern schon Breslauer Bürger waren, und die in * ent- oder gespannten Gemütsverfassungen I sich des schlesischen Dialekts geläufig be- ' dienten. Dieser war ebenso malerisch als auch phonetisch ansprechend, wenn auch 1 nicht leicht von dem Aussenseiter zu ver- | stehen, was auch seine Vorteile hatte. I Wenn man die durch den Lehrer vermit- | telten Kenntnisse in der Schule als „labrich“ | bezeichnete, so hatte dieser seinen Beruf ■ falsch gewählt; „mootsch nich so“ war viel eindrucksvoller als „sei doch nicht so langsam“. „Iberkandidelt“ war besser als überge- ’ schnappt, und „miesepetrig“, knerglich oder I triebetimplich oder bedepst gab dem Zuhö- I rer genaues Bild der Gemütsverfassung des I Sprechenden. Wenn as kalt war trug man zuhause „Pootschen“, im Sommer — offene „Laatschen“, und wer im Regen durch eine I Louge laatschte hatte erstens nasse Fisse und zweitens Krach zu Hause zu erwarten. I Niemand wohnte gegenüber, sondern viesa- I vie, Brei war „Pampe“, und eine Nudelkulle I benutzte man entweder zur Selbstverteidi- I gung oder zum Ausrollen von Teig. Der „Zutabarg“ hiess auch Zobten, und Rübezahl war immer gegenwärtig. Wer liefert weitere Betröge? I_ Feinde nicht Speise, Waffen, Geld, Schiffe und andere Dinge zuschicken. Dieses fordern die Römer von den Juden, solche Stücke treulich zu halten, ohne allen Betrug“. Rom verpflichtet sich, seinerseits „ohne Betrug“ das gleiche einzuhalten gegen die Feinde der Juden. Beiden Partner stehe es frei, im späteren Übereinkommen, „mehr Stücke dazuzusetzen“. Das Schicksal will es, dass der „ewige Friede“ kein Jahr anhält, Juda hat die Rückkehr der Botschafter mit dem Staatsvertrag nicht mehr erlebt. Sein Nachfolger, Jonatan, erinnert die Römer an das Bündnis, 1. Makk. 12. „Da nun die Boten nach Rom kamen, gingen sie vor den Rat und sprachen: Jonatan, der Hohepriester, und das jüdische Volk haben uns gesandt, den Bund, zwischen uns vormals gemacht, wiederum zu erneuern“. Die Römer empfangen sie freundlich, „Gaben ihnen Briefe und Geleit, dass sie sicher wieder heimzögen“. Wir lesen, dass sie Sparta besuchen, um ein persönliches Schreiben Jonatans zu überreichen, indem an eine frühere Korrespondenz erinnert wird, mit dem Hohen Priester Onasis, in der es heisst, „dass Sparta und die Juden Brüder sind“. Es bleibt unklar, was dieser Höflichkeitsbesuch, der ohne polilische Folgen bleibt, bedeutet. Einige Jahre später, nach der Ermordung Jonatans, erinnert sich Simon der Freundschaft mit Rom. 1. Makk. 14, 16—19; „Da erneuerten sie den Bund, den sie zuvor mit Juda und Jonatan, seinen Brüdern, gemacht hatten, und schrieben ihn auf eherne Tafeln“. Den Inhalt verliest man öffentlich in Jerusalem, so wie heute Regierungschefs Staatsverträge im Radio und im Fernsehen vortragen und kommentieren. Einmal greifen die Römer ein, nicht aus Liebe zum Staat der Hasmonäer, sondern um dessen Gegner nicht zu mächtig werden zu lassen. Als Antiochus IX. Jerusalem belagert, und Jochanan Hyrkanos, der Sohn Simons, sich die Aufhebung der Belagerung durch Übergabe der Hafenstädte erkaufen muss, und er sich hilfesuchend an Rom wendet, übt der Senat Druck aus, dass die Ortschaften gegen Tributzahlungen zurückgegeben werden. ★ Die Frage über die Richtigkeit der Politik der ersten Generationen der Hasmonäer sich bedingungslos mit der westlichen Grossmacht jener Periode zu verbinden, und nicht auch — vielleicht gleichzeitig — mit dem Osten, den Parthem, zu verhandeln, ist nach zwei Tausend Jahren hinfällig. Politische Schicksale sind nicht immer von solchen Entscheidungen abhängig. Die Bemühungen müssen in die weltpolitische Konstellation passen. Im zweiten Jahrhundert werden die Schritte der Hasmonäer durch die politische Situation in dem Raum begünstigt. Sie erreichen ihre politischen Ziele trotz ihrermilitärischen Schwäche. Hundert Jahre spater setzt Pompejus, 65 B.C.E., den letzten der Seleukidenkönige, Antiochus XIII., ohne Widerstand ab. Der Hasmonäerstaat verliert für Rom an Bedeutung. Zwei Jahre später besetzen römische Legionen Jerusalem, — damit hört das Land auf, ein selbständiger Staat zu sein. Das ist das Schicksal der Staatsverträge, die Weltreiche mit schwachen Ländern, abschliessen. Sie verhandeln mit ihnen, solange sie an den Einflusszonen interessiert sind, schon um zu vermeiden, dass die andere Seite Einfluss gewinnt.

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