Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1991
- Issue
- No. 55 (1991)
- Date
- 1991-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Edgar Freund Edgar Freund, geboren in Breslau im Jahre 1908, welcher 1986 in Jerusalem das Zeitliche segnete, war einer der markantesten Persönlichkeiten der chaluzischen Bewegung. Zu seinem Andenken gab seine langjährige Lebensgefährtin Elly, geborene Rzczewski aus Breslau ein Gedenkbuch (in Iwrith und Englisch) heraus, welches u.a. ein interessantes Kapitel über Breslau in den dreissiger Jahren enthält. Edgars hündische Wurzeln waren in den „Kameraden“. Die „Kameraden“ waren eine jüdische Jugendbewegung, welche sich als nicht-zionistisch definierte, im Gegensatz zur „Blau-Weiss“-Bewegung, welche zionistisch orientiert war. Aber das Jahr 1930 war der Wendepunkt der jüdischen Jugend in Deutschland. Das Aufkommen der Nazi- Partei und mit ihr der Antisemitismus, brachten grosse Teile der jüdischen Jugend dazu, ihre Orientierung zu revidieren. Immer mehr Jugendliche wandten sich jüdischen Werten zu. Franz Rosenzweig schreibt in einem seiner Briefe über die Mitglieder der „Kameraden“ in Frankfurt, welche schon in den zwanziger Jahren, im jüdischen Lehrhaus in Frankfurt ihr jüdisches Wissen erweitern und vertiefen wollten. Auch Edgar Freund kam zu der Überzeugung, dass die jüdische Jugend sich die Werte der jüdischen Kultur zu eigen machen muss. Edgar selbst unterbrach im Jahre 1930 sein Studium in Breslau, um für eine bestimmte Zeit an die Hebräische Universität in Jerusalem zu gehen. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1931, widmete er sich der Jugenderziehung mit dem Ziel die Jugend für ihre Alija vorzubereiten. Über seine Arbeit im Hechaluz in Breslau schreibt in dem Gedenkbuch Schlomo Markowitz : „Im Januar 1933 wandte sich Edgar an mich und bat mich ihm als Hechaluzseki etär n Breslau zu helfen. Der Chawer (Herman Müller), welcher vorher als solcher tätig war, musste sich aus Gesundheitsgründen zurückziehen... Noch bevor Hitler zur Regierung gelangte, kam Edgar zu dem Entschluss, dass das Ziel der „Kameraden“ zu ändern sei. Edgar schloss sich der zionistischen Bewegung an und wurde gewählt in Breslau an der Spitze der „Habonim“ und des „Hechaluz“ zu stehen... Im Jahr 1933 wuchs die Zähl der eingeschriebenen Chawerim von 40 bis 1000. Edgar organisierte die Chawerim in Gruppen von 20-^25 mit einem Madrich. Diese Gruppen trafen sich einmal in der Woche, lernien mit Dr. Reznikoff Iwrith und hörten Vorträge über Zionismus und jüdische Geschichte. Die Gestapo wusste von der Organisation. Wir mussten jede Woche genauen Bericht über unsere Treffen erstatten; das genaue Datum und das Thema. Der Begriff Sozialismus, zum Beispiel, durfte nicht erwähnt werden. Nicht einmal wurden wir von einem Besuch der Gestapoleute' überrascht. Unser Büro war in der Viktoriastrasse in der Wohnung von Dr. Podschubski, welcher schon zeitig nach Erez-Israel ging. Edgar organisierte mit grossem Erfolg verschiedene Aufführungen. Damals hatten wir noch die Erlaubnis solche in einem grossen Kinosaal zu veranstalten. Diese Veranstaltungen hatten ein grosses kulturelles Niveau und Migtlieder aller jüdischen Jugendbünde beteiligten sich daran. Edgar organisierte s.A. Chor und Orchester und er selbst dirigierte. So auch Sprechchöre. Er hielt Vorträge, welche einen grossen Eindruck hinteliessen und die Folge ,v f Auf einem Äbfallplatz findet ein junger Mensch eine Broschüre. Da sie in deutschre Schrift ist, bringt er sie uns. „Blau-Weiss-Blätter, Chanuka, 5677, Dezember 1916. Monatsschrift für jüdisches Jugendwandern. Jahrgang IV, Heft IV“. Das 40 Seiten umfassende Heft, in Berlin gedruckt, in gotischer Schrift, ist das “Gemeinsame Organ des Blau-Weiss, Bund für jüdisches Jugendwandern in Deutschland“, „wie des „Jüdischen Wanderbundes Blau-W'eiss Prag und Teplitz-Schönau“. Auf der Innenseite des blauen Einbanddeckels stehen die Adressen. ★ Die Erinnerungen an das Gestern, Vorgestern, haben durch die Entwicklung einen Kurzschluss erhalten. Es ist geschichtlich gesehen, gar nicht solange her, dass das, was sich Jugendbewegung nannte, einen beinahe revolutionären Ausdruck einer jungen Generation darstellte. Es begann in Deutschland 1899 mit dem „Wandervogel“, fand den Höhepunkt am „Hohen Meissner“, einem Berg bei Kassel, 1913, als die Jugend die Forderungen formulierte: Selbstverantwortung, eine Lebensform der Natürlichkeit, die im Wandern, Volkstanz, Volksl;ed, ihren Ausdruck fand. „Aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben zu gestalten“. Gemäss der deutschen Mentalität war es kaum zu vermeiden, das sich schnell völkische Tendenzen einschlichen. Aber auch die jüdische Jugend wurde von der Idee ergriffen; 1898 würden die ersten Turnvereine geschaffen, im Jahre 1912 entstand der ,,Blau-Weiss“. Die Gruppen in Deutschland vereinigten sich 1926 davon war, dass sich viele neue Menschen im Hechaluz organisierten... Edgar redigierte auch ein Mitteilungsblatt für alle Chawerim aus Breslau, welche damals schon in vielen Hachscharazentren zerstreut waren — in Deutschland, aber auch in Holland, Italien und anderen Ländern. Ausserdem schickten wir unseren Chawerim Broschüren, welche Fritz Lichtenstein (heute Perez Leschem) im Aufträge der Leitung des Hechaluz, Berlin, Meineckeslrasse 10, herausgab...“ Ausser seiner Arbeit für „Habonim“ und „Hechaluz“ war Edgar als Lehrer an der jüdischen Schule in Breslau tätig. Im Dezember 1935 konnte er noch sein Diplom als Doktor phil. erhalten. Nachdem er seine Dissertation eingereicht hatte, ging er nach Berlin, um dort bei der Organisierung der Jugendalijah zu helfen. 1937 wurde er berufen zusammen mil Georg Josephtal (Giora Joseph-Tal) die Mittleren Hachscharah in Eilgut zu leiten. Im Jahre 1938 kam er mit seiner Frau Elly nach Erez- Israel. Hier war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1969 als . Lehrer und Pädagoge tätig. Zuerst als Leiter des Jugendalijah-Internats in Nord-Talpiot, Jerusalem, dann in der Ludwig Tietz-Berufsschule in Kibbutz Jagur und von 1947 bis zu seiner Pensionierung 1969 als Leiter der Brandeis-Berufsschule in Jerusalem. Edgar Freund war ein vielseitiger Mensch. Er war auf dem Gebiet der Mathematik und Physik ebenso zu Hause wie auf dem der Philosophie. Alle die ihm kannten werden seiner Immer gedenken. mit dem später gegründeten „Bund jüdischer Pfadfinder“ zur „Kadima“, in der Tschechoslowakei nannten sie sich nach 1919 „Tchelet Lawan“ und waren bis 1939 aktiv. ★ Das Schmökern in den vergilbten Blättern gibt einen Begriff des Lebens einer jungen Generation, die um die Jahrhundertwende geboren wurde. Der „Leitartikel“ ist Chanuka gewidmet, aus der Feder von Moses Calwari, Crossen/Oder, später im Lande ein bekannter Erzieher. In „Beiträgen der Prager Führerschaft“ werden Sagen und Legenden aus Prag berichtet, vcn der Altneuschul und den jüdischen Zünfien. Ein Lehrer des hebräischen Gymnasiums in Tel Aviv berichtet von einem „Chanukaausflug nach Moriaim“, den die Schüler jährlich unternehmen, man fährt mit der Eisenbahn bis Lod, und wandert weiter über Ben Schemen. Es folgen kurzen Aufsätze über Worms und Köln. Man hat auf den ersten Seiten nicht den Eindruck, dass das Heft im dritten Kriegsjahr herausgegeben wurde, aber dann folgen erschütternde Nachrufe auf gefallene Wanderkameraden. Martin Plessner, Breslau, später Lehrer im Lande, erbittet den Austausch von Liederblättern. In den „Berichten“ aus den Ortsgruppen wird auf Führormangel hingewiesen, viele sind eingezogen. Aus Berlin heisst es „die Zahl der männlichen Führer wird immer kleiner“. Wanderer werden zu „Probenhilfsführern“ ernannt. Hamburg meldet „unsere Lage beginnt allmählich recht schwierig zu werden“. (Fortsetzung auf Seite 16) „Blau-Weiss-Blätter’ Dezember, 1916 11