Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1991
- Issue
- No. 55 (1991)
- Date
- 1991-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE „ILLEGALE" EINWANDERUNG FUENFZIG JAHRE NACH DER P A T R I A - K A T A S T R O P H E Ein nicht zu vergessener Eindruck: die jüdischen Bewohner Haifas, die in der Mandatszeit fast alle auf dem Hadar Hacarmel wohnten, der Stadtteil an den Hängen des Carmeis, oberhalb der Alt- oder besser alten Stadt. Viele konnten aus den Fenstern der oberen Stockwerke die Vorgänge im Hafen beobachten. Das französische Passagierschiff, einige Zeit an der Mole des Hafenbeckens verankert, legt sich in wenigen Minuten zu Seite... Das Geschehen, zuerst in wenigen Einzelheiten bekannt, wurde zum Gesprächsthema an diesem 25. November 1940 und auch noch später. Die Vorgänge auf und mit der „Patria“ stellen einen der tragischen wie dramatischen Höhepunkte in dem Bemühen dar, auch noch nach Ausbruch des Krieges Juden aus Europa herauszubringen, sie zu retten. Die britischen Mandatsbehörden, unter Befehl der Londoner Regierung, waren rücksichtslos auf die Durchführung ihres im Mai 1939 veröffentlichten „Weisbuches“ bedacht, nachdem die jährliche Einwanderung auf 10.000 beschränkt wird. Es ist im Geist der Chamberlain-Regierung am Vorabend des Krieges veröffentlicht, um dem Einfluss der italienischen Propaganda im Nahen Osten entgegenzutreten. England fürchtete sich, von den lautstarken Italienern, die Abessinien besetzt hatten, in Nordafrika in die Zange genommen zu werden. ★ Fünf Jahrzehnte sind eine lange geschichtliche Periode, fast zwei Generationen, die Heutigen kennen wenig von der „Alija Bet“, der zweiten Einwanderung, für die Behörden die „Illegale“. Begriffe, die in den dreissiger Jahren geprägt wurden; seit Ende 1938 unterhielt die Hagana, die Verteidigungsorganisation, eine besondere Abteilung, „Mossad l'Alija Bet“, die Institution, die für diese Gruppen zuständig wird. Schwierigkeiten mit Einwanderungsvisen, später Certifikate genannt, bestehen seit den Tagen der 1. Alijawelle, 1882, als der Begriff Zionismus noch nicht geprägt war. Die türkischen Behörden erteilten nur Wenigen geregelte Aufenthaltserlaubnisse. Nach den Sportspielen, der 1. wie der 2. Makkabia, 1932 und 1935, bleiben Turner und Begleiter im Lande. Tausende, die als „Touristen“ kommen, werden zu „illegalen“ Einwanderern. Dann werden die fiktiven Ehen „erfunden“, Certifikatsinhsber und Junggesellen im Lande schliessen Ehen, um Frauen legal einreisen zu lassen. (Im Jahre 1935 bat man im Jugendklub den Schreiber dieser Zeilen, „Trauzeuge“ zu sein. Als die junge Frau nicht mit dem neuen Namen unterschreiben konnte, den sie einfach nicht wusste, fragte der Standesbeamte naiv, noch einer vom alten System, ob sie denn nie Liebesbriefe geschrieben hatten...?). ★ Das, was man mit „Alija Bet“ bezeichnet, beginnt im Jahre 1934. Der polnische Hechalutz stellt eine Gruppe von 350 Menschen zusammen und chartet ein griechisches Schiff, „Velos“, seinerzeit gegen die Ansichten und Absichten der zionistischen Funktionäre, die noch immer hofften, eine gewisse Elastizität in der Haltung der britischen Behörden zu erreichen. Die revisionistischen Gruppen, deren Leiter Wladimir Jabotinsky damals 4 Von HEINZWERNER GOLDSTEIN schon die schnelle Abwanderung aus Osteuropa propagierte, schicken ihr erstes Schiff „Union“ im August des gleichen Jahres. Dann tritt eine Pause ein. In Deutschland beruhigte sich der Antisemitismus vor und während der Olympischen Spiele 1936, und aus den Ostländern beeilte man sich nicht mit der Auswanderung. 1937 kommt die „Illegale“ Alija wieder in die Schlagzeilen. Die Revisionisten wie die Hagana stellen bis September 1939, bis Ausbruch des Krieges, je 16 Schiffe zusammen, andere elf werden von verschiedenen Gruppen organisiert, zusammen 43 Schiffen mit ungefähr 15.000 Einwanderern, von denen zwei zurückgeschickt werden, und zwei gesunken sind. Die 26 Schiffe, nach Kriegsausbruch von Rumänien über Istanbul auf den Weg gebracht, werden alle von den Briten aufgebracht, die Passagiere interniert; Fünf sind gesunken, darunter der tragische Fall der „Struma“, die die Türken im Februar 1942 zum Auslaufen zwingen, wissend, dass sie nicht seetüchtig war, und die dann bombardiert wurde — bis heute weiss man nicht vom wem — was zum Verlust aller 769 Passagiere, bis auf einen, führte. ★ Im November 1940 bringt die britische Flotte drei mit Menschen überladene Lastschiffe in die Bucht von Haifa, die „Milos“, und „Pazifik“, zusammen 1771 Flüchtlinge, wie die „Atlantik“ mit 1580 Menschen, die auf der gecharterten „Patria“ auf die Insel Mauritius gebracht werden sollten. Die Überführung der Passagiere beginnt am Morgen des 25. November 1940; auf den beiden erstgenannten Schiffen befinden sich bereits 130 auf der „Patria“, als eine Bombe das Unglück auslöst. Der Plan sah vor, die Maschinen zu beschädigen, und dass im schlimmsten Fall das Schiff in dem nicht tiefen Hafenbecken langsam sinken werde, und so sich die Menschen auf die oberen Decks retten können. Irgendetwas lief schief und nicht nach Plan, das Schiff rollte innerhalb von 15 Minuten zur Seite. Das Unglück forderte ungefähr 260 Opfer. (209 Tote wurden gefunden). Die Überlebenden und die, die sich noch auf der Milos und Pazifik befinden werden in Atlit interniert, von 1941 an werden monatlich kleine Gruppen freigelassen. Die 1580 Flüchtlinge auf der „Atlantic“, darunter Menschen aus östererich, Danzig, Tschechoslowakei, kommen nach Mauritius, wo die Männer in einem ehemaligen Gefängnis, die Frauen in Hütten bis Ende 1945 leben müssen. ★ Als nach dem Ende des Weltkrieges Einzelheiten über das Geschehen in Europa bekannt werden, über die Scho'a, Holocaust, verstärken sich die Bemühungen zur Rettung der wenigen überlebenden auf der einen Seite, wie das Verhärten der britischen Politik, insbesondere des Aussenministers der Labour Party, Bevin, der scheinbar mit einer patalogischen Belastung gegen die Überlebenden verhindern will, sie nach Erez Israel zu bringen. Für die britische Marine stellte es kein Problem dar, durch Radar und Aufklärungsflugzeuge, alle Schiffe aufzubringen, und deren Passagiere in die 1946 errichteten Internierungslager in Cypern zu überführen. Im Sommer 1947 werden die 4515 Passagiere der „Exodus“ auf drei Transporter umgeladen, die nach der Weigerung Frankreichs, sie in ihren Hafen landen zu lassen, in Lager bei Hamburg kommen. Ende des gleichen Jahres werden zwei wirklich seetüchtige Schiffe erworben, Pan York und Pan Crecent mit zusammen 15,000 Passagieren, die direkt nach Cypern umgeleitet werden. Monatlich durften 750 in das Land einwandern, die anderen erst nach Gründung des Staates, Mai 1948 bis Februar 1949. ★ Damit endet die heldenhafte, leider oft auch tragische, Epoche der „Alija Bet“, die von den Ausführenden wirklichen Mut erforderte. Diese seinerzeit jungen Menschen, haben in Europa auch noch nach Ausbruch des Krieges Gruppen zusammengestellt, und diese fast alle seeuntüchtigen Schiffe, die man chartern oder kaufen konnte, teilweise sogar bemannt, um sich nicht nur auf die angeheuerten Seeleute zu verlassen, die ja in diesen Tagen wirkliche Abenteurer waren. Seit dem ersten Boot, der „Velos“, 1934, bis zur Staatsgründung, Mal 1948, sind ungefähr 115.000 Menschen auf diesen Wegen in das Land gebracht worden, eine Zahl, die bei der Grösse der damaligen jüdischen Bevölkerung, — die Schätzung der Mandatsbehörden von 1946 spricht von 600,000 jüdischen Bewohnern — recht bedeutend gewesen ist. DAS VOLK ISRAEL LEBT Zweitausend Jahre ohne Land unterm Schwert hielten sie ihre Erntefesttage; ohne Weinberg im Brand feierten sie die Traubenlese; in lichtlosen Stuben lehrten sie ihre Kinder das Fest der jungen Bäume zu begehen. Sie werden bestehen. Aus Stella Rotenberg „GEDICHTE“, Edition Olamenu, Tel-Aviv