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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 76 (2004) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 76 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 16) religiösen Strömungen in jeweils eigenen Vereinigungen ermöglichte, garantierten die Vereine andererseits einen jenseits des traditionellen Zwangsgebildes "Gemeinde" liegenden Zusammenhalt, der sich deutlich an den im Verlaufe der Aufklärung herausbildenden neuen Formen sozialer Organisation orientierte. Der Verein wurde so zur wohl wichtigsten Institution der sich im Prozeß der religiösen Pluralisierung formierenden modernen deutsch-jüdischen Öffentlichkeit. Die institutioneilen Strukturen dieser Öffentlichkeit hatten sich bereits in den wenigen Jahrzehnten um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert herausgebildet; ihre volle Wirksam - und Funktionsfähigkeit jedoch entwickelte sich erst in den folgenden Jahrzehnten. IV. Eine einschneidende Zäsur in der Geschichte der deutschen Juden, die sich auch und gerade im Bereich des jüdischen Vereins- und Organisationswesens niederschlug, stellten die siebziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts dar. Zu diesem Zeitpunkt formierte sich in Deutschland - ähnlich wie in anderen mitteleuropäischen Staaten - die Bewegung des modernen Antisemitismus, die vor allem gegen die erreichte Gleichstellung und Integration der Juden agitierte und mobilisierte. Das Aufkommen dieser Bewegung war einer der zentralen auslösenden Faktoren dafür, daß ein wachsender Teil der deutschen Juden einen grundlegenden Orientierungswandel vollzog. Hatte sich im Verlauf des lang andauernden Emanzipationsprozesses eine Auffassung vom Judentum als einer Konfession herausgebildet, so wurde dieses von weiten Teilen der deutschen Juden geteilte Selbstverständnis seit den achtziger Jahren in mehrfacher Hinsicht in Frage gestellt. Zum einen waren viele deutsche Juden zu diesem Zeitpunkt säkularisiert, d.h. Religion und Glauben spielten in ihrer Lebensführung und in ihrem Weltbild keine oder eine nur noch untergeordnete Rolle. Zum anderen wurde durch die umfangreiche Einwanderung osteuropäischer Juden das Konzept einer weitgehenden Assimilation und Akkulturation in Frage gestellt, verkörperten sie doch einerseits eine längst für überwunden gehaltene Vergangenheit, andererseits aber auch eine Alternative zum Weg des vollständigen Aufgehens in der Kultur der Mehrheitsgesellschaft. Die Folge dieser Entwicklungen war eine Neuorientierung in der Auseinandersetzung um das eigene Selbstverständnis, die vor allem an dem sich in dieser Zeit vollziehenden Wechsel der für die Definition (en) von Judentum relevanten Themen erkennbar wird. Nicht mehr die Frage der religiösen Orientierung bildete, wie in den ersten zwei Dritteln des 19. Jahrhunderts, den Kern der innerjüdischen Auseinandersetzungen, sondern die Frage nach der nationalen und kulturellen Identität rückte zunehmend in das Zentrum der Debatten. Entlang der unterschiedlichen Positionen, die hierzu eingenommen wurden, vollzogen sich nunmehr die Grenzziehungen zwischen den verschiedenen Lagern und Strömungen innerhalb der jüdischen Öffentlichkeit. Damit einher ging eine sich allmählich verändernde Sichtweise auf den Emanzipationsprozeß bzw. die damit verbundenen Erwartungen und Hoffnungen. Charakteristisch für die Debatte um die Emanzipation der deutschen Juden war das Prinzip des quid pro quo - d.h. die Gleichstellung in in Aussicht gestellte Integration waren geknüpft an die Bedingung, kulturelle, religiöse und soziale Eigenarten abzulegen und die Normen, Werte und Verhaltensweisen der Mehrheitsgesellschaft zu übernehmen. Assimilation und Akkulturation waren im Verlaufe des Emanzipationsprozesses von weiten Teilen der Juden als Zielvorstellungen akzeptiert und übernommen worden in der Hoffnung, hierdurch die angestrebte Gleichstellung zu erlangen. Durch den seit den siebziger Jahren virulenten Antisemitismus wurde dieses Prinzip des quid pro quo in den Augen vieler Juden jedoch in Frage gestellt. Akkulturation und der Wunsch nach vollständiger Integration blieben vor diesem Hintergrund zwar weiterhin handlungsleitende Vorstellungen für die Mehrheit der deutschen Juden; hinzu trat aber seit den achtziger Jahren als neues Element ein verstärktes Interesse an der Geschichte und Kultur des Judentums. Anders als in der Zeit der lang anhaltenden Debatten um die Emanzipation wurden jetzt wieder stärker Momente einer partikularen jüdischen Identität betont. Zeitgenössische Schlagworte wie die von der "Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins" oder der "jüdischen Renaissance" sind beredter Ausdruck dieser Entwicklung, die eine "organisational renaissance" der deutschen Juden im Kaiserreich zeitigte. Wesentlich in dieser Periode bildete sich eine zunehmend komplexer strukturierte eigenständige jüdische Öffentlichkeit in Form zahlreicher Vereine, Organiationen und Zeitschriften heraus, in der Juden sich als Juden vergemeinschafteten, gemeinsame Traditionen erfanden, über sie debattierten, sie umdeuteten und tradierten. Die Anfänge dieser Entwicklung sind bereits, wie das Beispiel Breslau zeigt, in den frühen achtziger Jahren zu erkennen und nicht erst, wie es in der Literatur häufig geschieht, in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Gemeinhin gelten die Gründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV), der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur und der ersten zionistischen Organisationen in Deutschand, die alle in den neunziger Jahren ins Leben gerufen wurden, als markante Indikatoren dieser Entwicklung. Übersehen wird hierbei, daß es bereits ein Jahrzehnt früher Gründungen neuer (Fortsetzung auf Seite 18) ZZvZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZj K8J ZZvZvZZZZZZZZ.

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