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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 76 (2004) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 76 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 •x-:-w-:vK::-x-:-:-:-:-:wÄ:^SSiSSSifS (Fortsetzung von Seite 6) das 19. Jahrhundert hinein üblich, da für diese Ämter nur wohlhabende und durch ihren frommen Lebenswandel bekannte Gemindemitglieder zugelassen wurden. Dem hohen sozialen Ansehen, das die Chewrot aufgrund der genannten Faktorengenossen, entsprach das Bestreben, intern für eine soziale Exklusivität bei der Mitgliederaufnahme, eine ausgeprägte Hierarchisierung und Festlegung der Beziehungen der Mitglieder untereinander und nicht zuletzt für die Kontrolle des Lebenswandels ihrer Mitglieder zu sorgen. Die Zahl der Mitglieder war in der Regel von vornherein beschränkt; darüber hinaus waren die Aufnahmebestimmungen häufig sehr exklusiv und hielten auf diese Art die Zahl ihrer Mitglieder entsprechend niedrig. In Breslau beispielsweise waren 1783 von schätzungsweise 400 Gemeindemitgliedern lediglich 76 Mitglied der Chewra. In ihrer Organisationsform, Binnenstruktur und ihren Aktivitäten wiesen die traditionallen Chewrot zahlreiche Parallelen zu den mittelalterlichen Gilden auf. Diese reichten von der Existenz einer internen autonomen Rechtssprechung in beszug auf die Kontrolle und Sanktionierung der Lebensführung aller Mitglieder, der Existenz unterschiedlicher Kategorien von Mitgliedern bzw. des Durchlaufens verschiedener Stufen der Mitgliedschaft bis hin zum Aufbau einer inneren Verwaltung mit einem ausgeklügeltem System von Vorstehern, Monatsvorstehern, mehreren, einer gegenseitigen Kontrolle unterworfenen Kassierern usw. Auch die soziale Exklusivität war ein Merkmal, das die Chewrot mit den meisten Gilden teilten. Vor allem in ihrer Ausrichtung an einer "ganzheitlichen" Vorstellung von sozialer Bindung, die den Menschen sowohl in den verschiedenen Lebensbereichen als auch in den verschiedenen Lebensphasen zu erfassen sucht, erwiesen sich die traditionellen Chewrot als ein Teil und Abbild der nach dem Prinzip ständischer, zünftischer oder konfessioneller Zugehörigkeit organisierten Gesellschaft des Ancien Regime. II. Im ausgehenden 18. Jahrhundert geriet die tradierte Rolle der Chewrot innerhalb der jüdischen Gemeinden in eine Krise, die längerfristig entweder einen einschneidenden Autoritäts- und Bedeutungsverlust der Vereinigungen bis hin zu ihrer Auflösung oder aber eine schrittweise Säkularisierung und allmähliche Umwandlung in Vereine modernen Typs zur Folge hatte. Ausgelöst wurde diese Krise zum einen durch verstärkte staatliche Eingriffe in die gemeindlichen Selbstverwaltungsstrukturen, zum anderen durch das Auftreten der modernen jüdischen Aufklärungsbewegung, der Haskala. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts schuf in Deutschland eine Generation von jüdischen Aufklärern (Maskilim) Vereinigungen und Institutionen, die sich am Vorbild der allgemeinen Aufklärung orientierten. Die ersten Zeitschriften (Hameassef, Sulamith) entstanden, in verschiedenen Gemeinden bildeten sich eigene Vereine, und schließlich wurden auch reformorientierte jüdische Schulen gegründet, die die Vermittlung säkularen Wissens zum Ziel hatten. Diese Neugründungen waren - David Sorkin zufolge - Ausdruck einer Radikalisierung und Politisierung der Haskala, zielten die Aktivitäten der Maskilim doch auf eine Erneuerung jüdischen Lebens durch praktische Veränderungen des traditionellen Gemeindelebens. Zu ihren zentralen Zielen gehörte die Reform des Gottesdienstes sowie der Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, wodurch sie - wie Jacob Toury hervorgehoben hat - "selbst auf dem Gebiet des eigentlich Sakralen eine oppositionelle Stellung zum Traditionalismus der Gesamtgemeinde" entwickelten. Zu den bekanntesten Vereinsgründungen dieser Art gehörten die 1 783 in Königsberg gegründete "Gesellschaft zur Förderung der hebräischen Sprache", die wenig später die Zeitschrift Hameasef ins Leben rief, die 1792 in Berlin zusammengetretene "Gesellschaft der Freunde", die bald darauf eine Zweiggesellschaft in Königsberg errichtete, oder die in Prag im Jahre 1802 errichtete "Gesellschaft junger Hebräer". Eine der frühesten Gründungen dieser Art war die 1780 in Breslau zusammengetretene und seit 1791 die Bezeichnung "Gesellschaft der Brüder" tragende Vereingung, in der sich vor allem einige der in der Stadt lebenden generalprivilegierten Juden, führende Vertreter der jüdischen Gemeinde und jüdische Ärzte zusammenfanden, um ihre Vorstellungen von einer sozialen und kulturellen Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden zu realisieren. Die Reform des Gottesdienstes gehörte zu den zentralen Zielen der Gesellschaft, die sie durch die Eröffnung einer eigenen Synagoge schon kurze Zeit nach ihrer Gründung umzusetzen suchte. Sehr bald jedoch wandten sich die Gesellschaften auch anderen Kultusfragen zu, so auch dem Beerdigungswesen. Die Initiative hierzu ging von der Berliner "Gesellschaft der Freunde" aus, die sich eine Reform des jüdischen Beerdiungswesens schon kurz nach ihrer Gründung zu eigen gemacht hatte. In Breslau entwickelte sich - ähnlich wie auch in den beiden anderen Zentren der Haskala, Berlin und Königsberg - in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts eine Auseinandersetzung um die Praxis der frühen Beerdigung, die von den Mitgliedern der neu gegründeten Vereinigungen scharf kritisiert, von den Beerdigungsbruderschaften hingegen verteidigt wurde. Mit staatlicher Unterstützung schließlich gelang es den Anhängern der Haskala, ein Verbot der über Jahrhunderte gepflegten Praxis, einen Toten möglichst rasch nach Eintritt des Todes zu beerdigen, durchzusetzen. Faktisch bedeutete dies den Verlust des Monopols und der Autorität, die die Chewrot für das Beerdigungs- und - in eingeschränktem Maße - auch im Wohlfahrtsesen besessen hatten. Deutlich erkennbar wird dies vor allem daran, daß sich bereits auf dem Höhepunkt des Beerdigungsstreits in Breslau 1798 zwei weitere Beerdigungsgesellschaften konstituierten, deren Zweck es nicht nur war, "die frühe Beerdigung der Scheintoten zu verhindern, sondern auch dahin sich erstreckt, daß das Verfahren mit der Leiche von Sterbezeit an, bis solche zu Grabe getragen wird, auf eine anständigere und dem Hauptendzweck angemessene Art geschehen solle, als solches bis jetzt bei unserer hiesigen Gemeinde zu geschehen pflegte". Es waren solche Initiativen von Anhängern der Haskala, die zu einer zunehmenden Polarisierung der Gemeindemitglieder entlang ihrem unterschiedlichen Verhältnis zur jüdischen Tradition führten. Der Beerdigungsstreit ist hierfür nur ein Beispiel, das sich leicht um weitere - wie etwa die Errichtung von Reformschulen oder Veränderungen im Gottesdienst - ergänzen ließe. Lehnten die einen, und dies war wohl bis weit in das 19. Jahrhundert hinein die Mehrheit der Gemeindemitglieder, jegliche Veränderungen im Gottesdienst und Kultus ab, plädierte ein anderer Teil mit der Zielvorstellung einer soziokulturellen Annäherung und Akkulturation der Juden an die nichtjüdische Gesellschaft für mehr oder weniger weitreichende Eingriffe in die überlieferte Kultuspraxis. Die Radikalität, mit der ein Teil der Maskilim ihre Ziele durchzusetzen suchten, hat diese Polarisierung ebenso beschleunigt wie die (Fortsetzung auf Seite 8)!,!,W!sX,X'>Äv!<wXWv!,MwXwiX'X .v.v.v.vw.'.v, X,X,XvX'X‘X'X,x''X,X,X,X,X,X,X,X,XvX,X‘X,X*^XvX\vX,X,X‘i‘X‘X*Xs*i‘r'X*i*i*i'Xi*X\-XXvX,X-!-X,‘wX'X-X!' X,!wXwX*X,!'X,Xv!vX,!'',X,X'!,Xv!vX'!,M'!vX

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