Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2004
- Issue
- No. 76 (2004)
- Date
- 2004-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7506414-7412094-7491877--538-7412097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
3 ,X«X'X»X’:OX'X'X»X»X'X»X,X>X‘X'X»XlX>X,X'X,X,X‘Xj:‘X'i'i*X‘X‘X‘:‘X‘XlX‘X-X': (Fortsetzung von Seite 2) ganzen Orientverkehr beherrschen wird und ein Anreiz für industrielle Anlagen ist. Dazu hat Haifa genügend jüdisches Hinterland durch das Emek, an dessen Eingang es liegt und kann bequem ernährt werden, besonders noch, da gute Bahnlinien schon jetzt dort münden. Auch als Luftkurort wird es aufgesucht, da der Karmel ein prächtiges, gesundes Klima hat, die Leute von Haifa sind stolz auf ihre "Karmelluft". Als wir dann im Auto saßen und der Wind vom Gebirge kam, fragte der Chauffeur: "Merken Sie nicht die Karmelluft?" - Wir fuhren zunächst nach Bath-Galim, einem westlichen Ausläufer der Stadt, wo die reichen Leute ihre Villen hingesetzt haben und wo sich auch das Einwandererlager der zionistischen Organisation "Beth Haolim" befindet. Man sieht von hier aus ganz besonders schön die Karmelecke, d.h. die Stelle, wo das Gebirge an das Meer herantritt und wo auf der Höhe ein französisches Kloster, ein praächtiger Bau, steht. Auf halber Höhe des Berges ist die sogenannte Eiliashöhle, wo sich der Prophet vor seinen Verfolgern verborgen haben soll. Das Volk schreibt der Höhle deshalb geheime Kräfte zu, und Kranke lassen sich dort nachts einschließen, damit sie durch den Schlaf in der Höhle gesunden. - Im Beth-Haolim ließen wir uns bei dem Leiter des Einwanderungslagers melden, und da gerade kein "Betrieb" war, (erst für nachmittags war ein Schiff mit 200 Chaluzim angemeldet) führte er uns persönlich durch das Lager. Wir sahen die Schlafsäle mit weißen Betten und von peinlicher Sauberkeit und fragten erstaunt, ob das vielleicht ein Paradesaal für die Besucher sei. Der Mann lächelte zufrieden und sagte: "Wir können uns Paradezimmer nicht leisten, jedes Plätzchen wird bei uns ausgenutzt, und auch hier haben bis vor 3 Stunden die Leute geschlafen. Sie sehen aber außer den Betten kein Möbelstück oder Gepäck,dafür sind Aufbewahrungsräume da,die jederzeit zugänglich sind, und sofort nach dem Aufräumen wird der Schlafsaal abgeschlossen. Aufenthalt ist hier nicht gestattet. Wenn wir nicht so strenge Ordnung hielten, würde das nicht so einladend aussehen." In der großen Küche sah ebenfalls alles blitzsauber aus (die Wirtschaft wird koscher geführt, wie in allen Institutionen der zionistischen Organisation) und ebenso in den Aufenthaltsräumen, Gepäckräumen und Zelten, die als Reserve für großen Besuch aufgebaut sind. Eine mustergültige Anlage! Hierher kommen die Chaluzim, nachdem sie vom Schiff herunter und durch die Quarantäne gegangen sind und werden von hier aus ins Land verschickt. Einige Tage dauert der Aufenthalt, währenddessen sich der Einwanderer an das Klima und die veränderten Lebensbedingungen gewöhnen soll, auch für kleinere Arbeiten in der Nähe des Lagers in Anspruch genommen wird. Mädchen werden noch etwas länger dort behalten, man will sie schonen und sie nicht ins Ungewisse hinausschicken. Das Einwanderungslager steht mit den einzelnen Arbeitsämtern in Verbindung, und der Chaluz muß gehen, wohin man ihn schickt, ohne Rücksicht auf persönliche Wünsche. Solange bis er passende Arbeit gefunden hat, muß er sich mit den 2 Ps. durchhelfen, die jeder bei seinem Abschied von der Organisation auf den Weg mitbekommt, und die eigentlich später zurückgezahlt werden sollen. Bis jetzt hat kaum einer das Geld wiedergegeben, wahrscheinlich nicht aus Übermut! Nämlich augenblicklich sind die Arbeitsverhältnisse schlecht, trotzdem das Land Arbeit braucht, kann man aus Mangel an Geld wenig Arbeiten in Angriff nehmen. "Gewiss, sagte uns der Direktor, es ist wahr, wir haben jetzt 3000 Arbeitslose, und unsere Gegner schreien Zetermordio, man soll die Leute von Palästina fernhalten; sie sagen aber niemand, daß wir im letzten Jahr 38.000 Einwanderer hatten, von denen doch also 35,000 Arbeit gefunden haben und sesshaft geworden sind. Sehen Sie, das ist unser Werk, und wir wissen, was wir tun und weshalb wir es tun. Ich habe Ihnen alles hier gezeigt, ohne zu wissen, wie Sie zu uns stehen und wie Sie das Gesehene dann in der Welt wiedererzählen werden. Aber wir kümmern uns nicht um Lob oder Tadel, wenn jemand Gutes in den Zeitungen schreibt, ist es uns angenehm, schreibt er Schlechtes, so lassen wir ihn ruhig schreiben, unsere Arbeit wird davon nicht beeinflußt." Er sagte das so schlicht und ohne jedes Pathos, daß man den Eindruck hatte, dieser hier will nicht überzeugen, er ist kein Redner, sondern ein Arbeiter! - Wir kehrten darauf in die Stadt zurück und fuhren zum "Hadar Hacarmel" herauf, d.i. der neue Stadtteil, der sich am Gebirge emporbaut, wo auch das Technikum und die Realschule liegen. Wenn man vor dem Technikum steht, hat man einen herrlichen Blick über die Bucht und sieht in der Ferne Akko liegen. Man konnte sogar die Austos verfolgen, die von Haifa nach Akko mangels eines richtigen Weges unmittelbar am Strande, mitunter sogar mit einem Rade im Wasser fahren müssen und wie Ameisen entlangkrochen. Der Bau des Technikums war uns aus dem Film schon lange bekannt, und das Innere entsprach durchaus dem schönen Äußeren. Wir gingen durch weite Säle mit physikalischen, chemischen, mathematischen Instrumenten von größter Vollständigkeit und modernster Vollkommenheit. Es ist vorläufig nur der Anfang eines Technikums, man hat bis jetzt zwei Semester und baut von unten nach. Der Unterbau für diese Hochschule ist die seitlich liegende Realschule, wo unser Führer Lehrer war und sich ganz in seinem Reiche fühlte. Er zeigte uns die großen, luftigen Klassenzimmer, das von den Schülern angelegte zoologische, botanische und mineralogische Museum und die Werkstätten für Tischlerei und Metallbearbeitung. Diese Fächer sind nicht etwa Beschäftigung für Erholungstunden, sondern werden als Haupt- und Pflichtfächer bewertet. Das Erziehungsideal eines palästinensischen Bürgers, sagte uns der Lehrer, besteht eben darin, neben Geisteswissenschaften auch praktische Dinge zu beherrschen. Die Schule ist sehr besucht, es sind Kinder aus aller Welt, aus Amerika und Australien, da, für diese ist ein Internat angegliedert, und wir konnten ca. 40 solcher Jungens unten im Garten bei Fuß- und Schlagball beobachten. Sie verbrachten die Ferienzeit in der Anstalt, während das große Schulgebäude still und verwaist dalag. Wir nahmen nun von Haifa Abschied, obgleich wir noch gern den Karmel besucht hätten. Oben sollen große Sanatorien und die Villen der oberen Zehntausend, der "Bourgeois", wie sie der Arbeiter des Emek geringschätzig nennt, liegen. Aber unsere Zeit drängte, wir wollten gern so schnell wie möglich ins Emek hinein; dort liegt das Zentrum der neuen Kolonisation, die Keimzelle der jüdischen Zukunft. Der reine Hauch dieses Tales muß alle Zweifler und Zagende erfrischen und heilen. Am Eingang des Emek, ganz nahe bei Haifa, fuhren wir an der Zementfabrik "Nesher" vorbei, einem der größten industriellen Unternehmungen des Landes. Die Fabrik ist ca. 2 Jahre alt und arbeitet seit einem halben Jahr. Wir sahen im langsamen Vorbeifahren schöne Gebäude links am Wege und zur Rechten die Stelle des Gebirges, wo die Erde, respektive der Stein gebrochen wird, der zur Zementbereitung dient und auch eine vorzügliche Qualität Zement liefert. Die Araber luden damit kleine Wagen voll, die selbsttätig das Geleise entlang unter dem Fahrwege hinweg in die Fabrik fuhren. Unter den Arbeitern waren auch einige Araber, wie man sagt, "Renommieraraber", damit die Fabrik, die in größtem Maßstabe angelegt ist, auch bei Arabern Absatz findet. Das Unternehmen soll schon heute mit 100% Gewinn arbeiten und beschäftigt ca. 300 Arbeiter. Bisher mußte man den Zement aus Polen und der Tschechoslowakei einführen, den die heimische Erde bereithielt und für ein wenig Mühe hergibt. "Es gibt überhaupt alles hier in Erez-Israel", sagte uns mal ein junger Jude, ganz bestimmt liegt hier im Lande auch irgendwo Kohle, Petroleum, Eisen und wer weiß was noch alles, es war nur noch niemand da, der richtig gesucht hat. Engländer werden kommen und graben und alles wegholen, weil sie mehr Energie, mehr Geduld und Geld haben." Rührend ist dieser Glaube an das Land, an die gütige Mutter, die nur darauf wartet, daß sich ihr die Kinder mit Liebe nähern sollen, damit sie sie beschenken kann.