Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 1750)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Benjamin Benno Adler: Esra Die Geschichte eines orthodox^üdischen ]ugendhundes zur Zeit der Weimarer Republik {-jüdische Kultur, Studien zur Geistesgeschichte, Religion und Literatur, Band 8) Wiesbaden 2001, Harassowitz Verlag. Der Autor dieses Buches weiß, wovon er schreibt, denn der heute in Jerusalem Lebende war Mitglied des von ihm untersuchten Jugendbundes "Esra". Die Darstellung ist eine Art Dokumentation, in der zeitgenössische Texte mit dem Ziel, die Geschichte des "Esra" zu verstehen, diskutiert werden. Um die Geschichte der Entstehung des "Esra" verstehen zu können, werden zunächst die historischen Hintergründe dargestellt: Die Gründung der deutschen Jugendbewegungen im Allgemeinen und die des jüdisch-orthodoxen Jugendbundes im Besonderen. Es ist nicht mit Sicherheit zu klären, wie, wo, wann und durch wen "Esra" gegründet wurde. Es ist aber wohl nicht falsch, wenn man sagt, dass der Jugendbund 1918 in Würzburg entstanden ist. In dieser Zeit existierten in Deutschland mehrere Gruppen, die sich später vereinten. Der Bund sah sich als "Bollwerk gegen den reißenden Strom der Assimilation". Die Mitglieder entstammen überwiegend deutsch-jüdischen Familien neoorthodoxer Prägung. Die Jugendgemeinschaft bewegte sich - analog zu der deutschen Jugendbewegung in der Weimarer Republik - zwischen den Polen Jugendpflege, Jugendbewegung und Jugendorganisation. Über die Wege und Ziele gab es viele konkurrierende Meinungen. Eine davon wird beispielhaft durch das folgend Zitat über die Entwicklung des "Esra" aus dem Jahre 1925 ausgedrückt: "Er war ein von bereits abgeklärten jüdischen Menschen aus pädagogischen Gründen geschaffener Jugenderziehungsverein. Die Absicht der Gründer war im wesentlichen eine Möglichkeit zu schaffen, die ältere Schuljugend neben und außer Haus und Schule thoratreu zu erziehen. Das Bild hat sich geändert. Aus dem Erziehungsverein für die Schuljugend wurde der Esra zu einer Gemeinschaft junger Menschen". Die Auseinandersetzung zwischen dem internen Jugendleben und der Außenwelt erforderte eine Klärung der Haltung zum Zionismus, zu dem letztendlich die Hinwendung erfolgte und damit die Propagierung der Auswanderung nach Palästina, Erez-Israel. Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der deutschen Jugendbewegung war unvermeidlich. Das Ringen um eine eigne Ideologie dauerte die ganze Zeit seines Bestehens an. Anfangs wurde eine hündische Haltung betont und jede politische Tätigkeit abgelehnt. Aber es gab eine fortdauernde Spannung zwischen Leuten, die einen völlig unabhängigen Bund wollten, und anderen, die eine politisch beeinflusste und inspirierte Jugendorganisation anstrebten. Die Auseinandersetzungen wurden auf Tagungen und in der Publizistik ausgetragen, aber sie betrafen wohl nur die erwachsenen Führungspersonen. Sie ähnelten denen anderer - jüdischer wie nichtjüdischer - Jugendgruppen. Über die im "Esra" organisierten Jugendlichen ist leider wenig zu erfahren. Die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Positionen und den sie vertretenden Personen eskalierten bis 1932 so stark, dass der "Esra" völlig auseinander fiel. Einige Gruppen schlossen sich anderen Jugendgruppen an. Das interessante Buch basiert auf der Auswertung zeitgenössischer und wissenschaftlicher Veröffentlichungen, eigenen Erinnerungen des Autors und Interviews. Es ist ein Gewinn, denn über die Organisationen für Jugendliche im orthodoxen Judentum war bisher viel zu wenig bekannt. Nachzutragen ist: Der in Beuthen geborene Autor studierte nach der Volksschule an polnischen Talmudschulen und entschloss sich als Sechzehnjähriger, zur zionistischen Pionierarbeit nach Palästina zu ziehen. Er verließ einen Tag nach dem Novemberpogrom 1938 Deutschland. Während seiner Arbeit als Landarbeiter, Hydrotechniker und Manager bildete er sich zum Rabbiner aus und erwarb 1992 mit der Studie über den "Esra" den Doktortitel. Kurt Schilde "Die Mahnung" 1.6.2003