Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 1749)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16 Unsere Leser schreiben | Rabbinische Responsen aus der Zeit der Shoah | ("Letters of Fire' (Buchstaben von Feuer) von Itamar levin, Verlag: Yedioth Achronot und Sifre Chetned) ... Ich möchte Ihnen bei dieser Gelegenheit sagen, dass mich der Artikel "Breslauer Erinnerungen" in der No. 72 Ausgabe interessiert hat. Die dort erwähnten Strassen sind mir alle bekannt, da unsere Familie auf der Wallstr. gewohnt hat. Dort befand sich auch die alte Storch-Synagoge und das Rabbiner-Seminar. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Seminar war Prof. Heinemann und ich erinnere mich, dass sogar Prof. Martin Buber nach Breslau kam und dort im Garten des Seminars, das an der Stadtgrabenpromenade gelegen war, Lehrkurse gab. Auf der Reuschestraße hatte mein Vater Oskar Epstein eine Fabrik für Damenkleider, Blusen, Röcke. Onkel Felix Epstein eine Damenmantelfabrik. Ich selbst hatte meine Barmitzwah in der Storch-Synagoge in Breslau im Jahre 1928 und Rabbiner Hoffmann hielt die Predigt und Oberkantor Weiss verschönte die Andacht mit seinem Gesang. Im März 1939 heiratete ich meine Frau Anni, die der Walk-Familie angehört und wir hatten unsere Hochzeitszeremonie in der Wochentagssynagoge der Storch-Synagoge, da diese bei der Kristallnacht im November 1938 teilweise zerstört war. Wir wurden von Rabbiner Lewin (Nachfolger von Rabbiner Vogelstein) und Kantor Wartenberger getraut und verliessen einige Monate später Breslau. Ich vergass noch zu erwähnen, dass ich ein Schüler der orthodoxen Religionsschule war, die ebenfalls im Komplex der Storch-Synagoge gelegen war. Meine Lehrer waren Herr Freier, Herr Graf, Rabbiner Hamburger und der Leiter der Religionsschule war Rabbiner Simonsohn.s.A. Se’ev Epstein, Ha’vradimstr. 46, Aschkalon 78437 SV. JeMBARni Z.W™KNA0etf Rudolf Waldemar Epstein ZUR CRiNNERUNGAN DEN 19.Mal 1928 DER VORSTAND 3, SyW&%!NGCMSJC/U BfMJ Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die wenigen Überlebenden der Schoah aus den Vernichtungslagern befreit wurden, und die "Untergetauchten" aus ihren Verstecken hervorkamen, entstand eine große Literatur, deren Thema das Leben und Leiden der Verfolgten in der Zeit des Naziregimes war. In den letzten Jahren erschienen Bücher von religiösen Verfassern, welche über das religiöse Leben in den Zeiten der Verfolgung berichteten. Das vor uns liegende Buch ist ein Werk von besonderer Prägung. Es ist eine Sammlung von rabbinischen Responsen (Antworten) von berühmten Rabbinern auf Fragen aktuellen Charakters, welche für religiöse jüdische Menschen lebenswichtig waren, Fragen, welche zeit- und ortsbedingt waren: in den Vernichtungslagern und in den Ghettos. Die Fragen, welche wir in diesem Buch finden und die darauf gegebenen Antworten sind wichtige Quellen für die Ereignisse in der damaligen Zeit. Das Buch enthält eine Einführung und 7 Kapitel: Das erste Kapitel: Antijüdische Verordnungen und Fragen an Rabbinate vor dem Hlocaust befasst sich mit der Lage der Juden von 1933 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Diese Zeitspanne behandelt hauptsächlich die Lage der Juden in Deutschland, welche die ersten waren, die unter dem Naziregime zu leiden hatten. Hier handelt es sich um Probleme, die mit dem von den Nazis verhängten Schächtverbot Zusammenhängen; das Zusammenschrumpfen und die Auflösung vieler Kleingemeinden, deren Synagogen nun leer standen, heilige Laden und Thorarollen hinterliessen; alte Friedhöfe, u.a.m. Im zweiten Kapitel finden wir Responsen, welche sich auf Situationen von Lebensgefahr und Möglichkeiten von Rettung beziehen. Diese Fragen und Antworten wurden von Juden, die im Ghetto lebten, aber auch in den verschiedenen Konzentrations- und Todeslagern an Rabbiner gerichtet, die mit ihren Gemeinden dorthin verschleppt worden waren. Oftmals waren diese Rabbiner in einer unmöglichen Situation; denn Leben und Tod hingen von ihren Entscheidungen ab. Das dritte und vierte Kapitel behandeln die alltäglichen Probleme innerhalb des Ghettos und auch außerhalb desselben. Im dritten Kapitel lesen wir über die Probleme der Schabbat-und Feiertagsheiligung. Insbesonders über die Verordnungen der ungarischen Regierung, die jüdischen Geschäfte und Werkstätten auch am Schabbat zu öffnen bzw. einen nichtjüdischen Sozius in das Geschäft zu nehmen. Dieses bezieht sich auf die Jahre bis 1942. Danach wurde die Lage immer schlimmer. Anfang 1944 marschierten die Deutschen in Ungarn ein und es fingen die Transporte in die Vernichtungslager an. Das vierte Kapitel befaßt sich mit den Problemen von Kaschrut, Familienleben und Gebet mit der Gemeinde. Aus den Fragen, die aus dem Ghetto, in das sie zur Zwangsarbeit gehen mußten, und angesichts der Gefahr, in die Vernichtungslager verschickt zu werden, an die verschiedenen Rabbanim gestellt wurden, sehen wir die Verbundenheit dieser Menschen mit der jüdischen Tradition auch in diesen Zeiten. Die Kapitel 5, 6 und 7 sind den Problemen der Nachkriegszeit gewidmet. Die wichtigsten Fragen beziehen sich auf den Familienstatus von überlebenden Männern und Frauen, welche nicht wissen, ob ihre Ehegatten umgekommen sind oder auch überlebt haben und so die Erlaubnis einer Wiederverheiratung in Frage gestellt ist. Die meisten der Rabbiner, deren Responsen in diesem Buch veröffentlicht werden, neigen zu großen Erleichterungen. Daneben lesen wir über Entscheidungen von Daten der Jahrzeit, Gedenktage und Überführungen von der Asche der ermordeten Opfer nach Erez Israel. Diese Responsen aus der Zeit des Holocaust sind heute ein integraler Teil der rabbinischen Responsenliteratur. Andererseits sind sie wichtige Dokumente dieser schrecklichen Zeit, welche für den Historiker unentbehrlich sind. M. E. Hauschner