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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 75 (2003) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 75 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 15 (sequence 1748)
Language
German
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15 (Fortsetzung von Seite 14) (1997). Die bisher sechs Publikationen der "Schriftenreihe des Zentrums für Antisemitismusforschung" befassen sich mit Judenfeindschaft und Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. Zwei Bände zur "Geschichte der Konzentrationslager", in der es um die ausführliche KZ- Historiographie geht, sind bereits publiziert. Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen des ZfA erscheint "Judenfeindschaft als Paradigma. Studien zur Vorurteilsforschung" mit Beiträgen von jetzigen und früheren Mitarbeitern zu allen Forschungsfeldern des Instituts. Die Tagung "Antisemitismus in den Wissenschaften" Zwei Jahrzehnte Antisemitismusforschung an der TU Berlin sind auch Anlass, eine Bilanz zu ziehen. Viele Disziplinen - von der Religionswissenschaft über die Kunstgeschichte bis zur Literaturwissenschaft - nehmen sich mittlerweile des Themas Antisemitismus an. Die Referenten boten ebenfalls ein breites Themenspektrum. Die Entwicklung der historischen Antisemitismusforschung schilderte Reinhard Rürup (Berlin). Er beklagte das Fehlen neuerer bahnbrechender Werke zur Antisemitismusforschung in jüngerer Zeit. Die historische Antisemitismusforschung zeichne sich zwar durch Solidität, aber auch durch eine gewisse Langweile aus. Sie sei notwendig interdisziplinär, die Anteile der Disziplinen seien jedoch unterschiedlich. Die Geschitswissenschaft, zweifellos die dominante Disziplin, habe sich in den letzten Jahren anderen Fachrichtungen relativ stark geöffnet. Große Fortschritte seien in der Erforschung des Antisemitismus in den letzten drei Jahrzehnten vor allem durch die Internationalisierung erzielt worden. Erstaunlicherweise, so Rürup, gebe es auch noch keine aus den Quellen gearbeiteten zusammenfassenden Darstellungen des Antisemitismus in der Weimarer Republik und für die Zeit der NS- Herrschaft. Werner Bergmann nannte sein Grundsatzreferat über Antisemitismusforschung in den Sozialwissenschaften aus gutem Grund "Starker Auftakt - schwach im Abgang". Als Reaktion auf den Aufstieg des Faschismus und des Nationalsozialismus entwickelte der amerikanische Systemtheoretiker Talcott Parsons bereits in den 1930ern die "Sociology of Antisemitismus". Zur gleichen Zeit erarbeiteten Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung unter der Leitung Max Horkheimers zusammen mit anderen emigrierten Kollegen aus Deutschland und Österreich sowie in Kooperation mit amerikanischen Sozialwissenschaftlern die "Studies of Prejudice", einen interdisziplinären Forschungsansatz zur Analyse des Antisemitismus als Teil eines autoritären Einstellungssyndroms. Aber die Antisemitismusforschung rezipiere neuere soziologische Theorien und Methoden im Grunde nicht. Zwei Referenten setzten sich aus theologischer Sicht mit dem Antisemitismus auseinander. Ekkehard Stegemann (Basel) sprach über den Umgang mit Judenfeindschaft in der Theologie. Der Soziologe und Psychoanalytiker Franz Maciejewski (Heidelberg) unternahm einen Vorstoß, den mutmaßlich religiös gefassten Ursprung des antiken Judenhasses mit den gedächtnisgeschichtlichen Mitteln der Psychoanalyse zu untersuchen. Die tieferen Motive des Judenhasses wurzelten,so Maciejewski, in der Eifersucht auf das Volk, das sich durch die Kulturleistung des Monotheismus über die anderen Völker erhoben habe. Christian Daxelmüller (Würzburg) differenzierte in seinem Vortrag über Antisemitismus in der seit 1919 an Universitäten vertretenen Volkskunde zwischen der systematischen Ignorierung der Juden und ihres Anteils an geistigen, kulturellen und sozialen Entwicklungen der Gesamtkultur bis zum Holocaust und offenen antisemitischen Theorien, Programmen und Äußerungen des Fachs: Die antisemitischen Traditionen des volkskundlichen Volks- und Nationalbegriffs verfolgte Daxelmüller bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Die eher zögerliche Annäherung des Fachs Kunstgeschichte an eine kritische Auseinandersetzung mit Antijudaismus und Antisemitismus schilderte Michaela Haibl. Hinweise auf antijüdische und später antisemitische Strömungen seien in der Kunst immer dort zu finden, wo sich Künstler von Totalitarismen und Ideologien benutzen ließen oder im Sinne ihrer Auftraggeber und Kundschaft arbeiteten. Auch die Verfolgung jüdischer und politisch missliebiger Kunsthistoriker in Deutschland ab 1933 sei noch immer ein Tabu-Thema der Zunft, ebenso Untersuchungen zum Antisemitismus von Kunsthistorikern und zur Vereinnahmung des Fachs während der NS-Zeit. Mit Judenrollen und Bühnenjuden im Theater beschäftigte sich Hans-Peter Bayerdörfer. In der Nachkriegszeit habe der "Bühnenjude" fortgelebt; insbesondere, wenn es in den 1960ern und 1970ern darum ging, einen "billigen Philosemitismus" herauszzufordern. Die Literaturwissenschaftlerin Mona Körte (Berlin) schilderte am Beispiel der Kontroverse zur "deutsch-jüdischen Literatur" die Formen literarischen Antisemitismus. Der Ausschluss von Juden aus der nationalen Kulturtradition und die Selbstdefinition der deutschen Philologie durch den Vergleich mit dem verhassten und diskreditierten "Fremden" habe zu einer nationalen Blickverengung in der Germanistik geführt. Weder Studien zu literarischen Judenbildern noch Analysen der Sprache von Judenfeindschaft und modernem Antisemitismus oder enzyklopädische Motivgeschichten zum Bild des Juden lieferten geeignete analytische Instrumentarien. Neue Impulse gingen jedoch von der interkulturellen Germanistik aus. . . . Ad Multos Annos Nach der erfolgreichen Jubiläums-Tagung kehren Wolfgang Benz und seine Mitstreiter wieder zurück in den arbeitsreichen Alltag: Vorläufig in der Schublade liegen bleiben müssen auf Grund finanzieller Engpässe Pläne, Schändungen jüdischer Friedhöfe seit dem 19. Jahrhundert bis in die jüngste Zeit zu untersuchen. Dies erstaunt, denn das Projekt könnte Aufschlüsse über die Hintergründe dieser - wenn man so will - "traditionsreichsten" antisemitisch motivierten Straftatbestände geben: Basierend auf einer Datenbank mit p r o t o t y p i s c h e n Fällen von Friedhofsschändungen sollen die Epochen Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, BRD, DDR und vereintes Deutschland untersucht werden. Nicht selten ist es der 1992 gegründete Freundeskreis des ZfA, der materielle und ideelle Hilfe leistet. Man habe, so Wolfgang Benz, weltweit Freunde in der Wissenschaft, den Medien und in der Politik gefunden. Natürlich auch in Berlin: Auf der Wunschliste, die Benz während des Jubileums dem TU- Präsidenten Kurt Kutzler präsentierte, waren unter anderem Mittel zur Besetzung der seit anderthalb Jahren vakanten zweiten Assistentenstlle. Allen Sparzwängen zum Trotz garantierte TU-Präsident Kutzler den Bestand des Zentrums und stellte die Besetzung der Stelle in Aussicht. "Tribüne", 41. Jahrgang, Heft 164, 4. Quartal 2002

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