Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 1746)
- Language
- German
- Belongs to
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13 (Fortsetzung von Seite 12) Gewand und mit scheinbar "wertfreien" Argumenten betrieben wird. Heute, so Benz, gewinnt man den Eindruck, der Antisemitismus werde bewusster eingesetzt - Konsequenzen brauche man nämlich kaum zu fürchten. 20 Jahre ZfA 1978, als eine Welle neonazistischer Aktionen die Bundesrepublik überrollte, wurde die Idee geboren, sich wissenschaftlich mit dem Antisemitismus zu befassen. Damals suchte Heinz Galinski als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Westberlin Verbündete. Galinski und der damalige Präsident der TU, Rolf Berger, waren sich bald einig und wandten sich an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Dietrich Stobbe. In seiner Ansprache zum 40. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 kündigte Stobbe die Gründung eines Instituts für Antisemitismusforschung an der TU Berlin an. Ein Jahr später gab es grünes Licht: Nach Gesprächen zwischen dem inzwischen neu gewählten TU- Präsidenten Jürgen Starnick, Heinz Galinski und dem Berliner Wissenschaftssenator Peter Glotz stimmte das Kuratorium der Universität im Mai 1 979 der Institutsgründung zu, zunächst noch in Verbindung mit dem Institut für Geschichtswissenschaften. Reinhard Rürup, Leiter des Instituts und Experte für die Geschichte des Antisemitismus und der Juden in Deutschland, gab der Forschungs- und Lehrstätte erste Konturen und war als Gründungsdirektor des Zentrums vorgesehen. Er zog sich jedoch wegen verschiedener Verfahrensfragen zurück. Es dauerte bis 1982, ehe das ZfA im neunten Stock eines Hochhauses nahe dem Zentrum Westberlins als eigenständige Einrichtung des Fachbereichs I (Kommunikations- und Geschichtswissenschaften) seine Arbeit aufnehmen konnte: Im November 1982 hielt Gründungsleiter Herbert A. Strauss seine programmatische Antrittsvorlesung "Antisemitismusforschung als Wissenschaft". 1918 in Würzburg als Spross einer alteingesessenen jüdischen Familie geboren, studierte Strauss von 1939 bis 1 942 am Rabbiner-Seminar der "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin. Ab Januar 1942 musste er in Berlin Zwangsarbeit leisten. Als er im Herbst des Jahres von seiner bevorstehenden Deportation erfuhr, beschloss er "unterzutauchen". Von Oktober 1942 bis Juni 1943 gelang es ihm, im Untergrund zu überleben. Nach der Verhaftung durch die Gestapo floh er mit Hilfe seiner späteren Frau im Juni 1943 in die Schweiz. Sein Vater und die Schwiegereltern wurden von den Nazis ermordet, seine Mutter überlebte die NS- Zeit. Herbert Strauss und seine Frau gingen 1946 in die USA, wo er seine Studien an der Columbia University und der New School of Social Research fortsetzte. Seine akademische Laufbahn begann er an der Juilliard School, seit 1960 unterrichtete Strauss am City Collge New York. 1972 gründete er die "Research Foundation for Jewish Immigration" in New York. Mit 64 Jahren wagte Herbert Strauss noch einmal einen Neuanfang in Berlin, der Stadt, aus der er fast 40 Jahre zuvor hatte fliehen müssen. So begann im Herbst 1982 in vorerst kleinem Rahmen der Seminarbetrieb für Studenten. Über Drittmittel wurden verschiedene Projekte realisiert. Als erste Forschergruppe nahmen 1984 vier junge Wissenschaftler ihre Arbeit auf. Ihr Thema: "Das Bild von Juden und Judentum in der deutschen Volkskultur" (1815-1850). 1985 ging es um den "Holocaust im Lichte der Wissenschaften". Schlagzeilen machte das ZfA 1988 mit einer von der Anti Defamation League des B'nai Brith (New York) finanzierten repräsentativen Meinungsumfrage, die es gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach realisierte. 2.300 Personen wurden zum Thema "Ausmaß und Formen des heutigen Antisemitusmus in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Die Ergebnisse: knapp acht Prozent der Bundesbürger über 16 Jahre waren demnach "vehement antisemitisch", weitere sieben Prozent zeigten deutliche antijüdische Vorurteile. Die Studie ergab zudem eine weit verbreitete "Schlussstrich- Mentalität" unter den Befragten, die nicht mehr an den Genozid an den Juden erinnert werden wollten. Die Entwicklung seit Ende der 1990er hat gezeigt, wie stabil diese Einstellungen sind. Aus den USA brachte Strauss die Idee der "Lerntage" mit: Dem ersten Lerntag des ZfA am 25. September 1983, einer Veranstaltung mit Vorträgen von Experten und intensiven Diskussionen über den "Antisemitismus und seine Abwehr" folgten in jährlichem Abstand sechs weitere Lerntage, unter anderem 1985 über "Asylrecht und Asylpraxis 1933 bis 1985". Herbert Strauss beendete am 31. März 1990 seine Tätigkeit als Institutsleiter; mit seinen Aktivitäten blieb er dem ZfA weiterhin verbunden. Dort präsentierten er und seine Frau einige Jahre später ihre Autobiographien. Im Mai 1991 wurde Strauss in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied der TU ernannt. In die Amtszeit von Herbert Strauss fiel im Oktober 1986 die Besetzung der zweiten Professur mit Wolfgang Scheffler. Der Politologe und Historiker, Jahrgang 1929, war von 1956 bis 1959 Mitglied der "Forschungsgruppe Deutscher Widerstand" beim Berliner Innensenator. Er unterrichtete mehrere Jahre am Otto-Suhl-Institut der FU Berlin und an der University of Sussex. Seit 1965 war er als Gutachter bei NS- Prozessen tätig. Ende des Sommersemesters 1994 wurde Wolfgang Scheffler emeritiert. Die Stelle wurde erst im Juni 1999 wieder besetzt, nun mit dem Soziologen Werner Bergmann. Er ist Spezialist für Antisemitismus- und Vorurteilsforschung und war bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent von 1984 bis 1996 am ZfA tätig, zudem seit 1996 als Privatdozent. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen - zusammen mit Wolfgang Benz - "Vorurteil und Völkermord, Entwicklungslinien des Völkermords" (1997), und "Geschichte des Antisemitismus" (2002). Aufgaben und Leistungen Mit zwei Professoren, einer wissenschaftlichen Assistentenstelle und einem Stab von rund 20 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das ZfA zurzeit aktiv. Seit 1982 haben Mitarbeiter des Zentrums etwa 500 Bücher, Aufsätze und Beiträge für Fachzeitschriften publiziert. 39 Dissertationsvorhaben, die in einem inhaltlichen Zusammenhang mit denForschungen des Zentrums stehen, müssen betreut, Workshops, Konferenzen, Lesungen und Exkursionen vorbereitet und begleitet werden. Die Vorlesungen und Seminare werden nicht nur vom Fachpublikum besucht. International ist das Zentrum mit zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzt. So gibt es seit 1 994 jährlich wissenschaftiche Exkursionen zu Zentren jüdischen Lebens vor der Schoah und Stätten der Verfolgung. Von 1999 bis 2001 unterrichteten im Rahmen der dreijährigen Holocaust-Gastprofessur mit finanzieller Unterstützung mehrerer Banken für jeweils ein Semester international renommierte Wissenschaftler am Institut, u.a. Feliks (Fortsetzung auf Seite 14)