Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 1744)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11 Lassalle - ein berühmter Breslauer Jude YerdinanafLassalle ^1825-1864) Als Lassalle 1825 in Breslau geboren wurde, war sein Vater ein begüterter Seidenhändler, der seinen begabten Sohn dann in Breslau und Berlin studieren lassen konnte. Er liess ihn auch nach Paris reisen, wo er sich mit Heinrich Heine anfreundete. In Berlin lernte Lassalle eine Gräfin Hatzfeld kennen, die ihn bat, ihre Scheidungsansprüche bei Gericht durchzufechten. Obwohl er kein Jurist war, gelang es ihm, nach achtjährigem Prozessieren ihren Besitz zurückzuerhalten. Als Dank erhielt er nun eine hohe jährliche Pension von ihr, die ihn finanziell unabhängig machte. Im Revolutionsjahr 1848 agitierte er für einen Steuerstreik, was ihm eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten einbrachte. In den nächsten Jahren befasste er sich hauptsählich mit wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten. Als Sozialist schloss er sich 1848 zunächst Marx an, jedoch später gerieten sie auseinander; Lassalle, als treuer Hegelianer, schrieb dem Staat eine wichtige Rolle zu, wenn die Sozialisten die Herrschaft erlangen, während Marx dann den Staat völlig beseitigen wollte. Lassalle trat sogar mit Bismark in engere Beziehungen, da beide für ein allgemeines Wahlrecht, für Sozialreformen durch den Staat und für eine deutsche Einheit kämpften. Im Jahre 1863 gründete Lassalle den "Allgemeinen Deutschen Arbeiter Verein, aus dem dann die Sozial- Demokratische Deutsche Arbeiterpartei (SPD) hervorging. Diese Partei war die erste reine Arbeiterpartei in Europa. Seinetwegen blieb dann selbst unter dem polnisch-kommunistischen Regime der jüdische Friedhof in Breslau, Lohestrasse, erhalten und wurde gepflegt, z.T. auch durch die deutsche demokratische Friedrich-Ebert-Stiftung. Mit 39 Jahren fand sein Leben ein tragisches Ende: Er verliebte sich in eine junge Adlige, die allerdings schon mit einem anderen Adligen verlobt war und deren Vater gegen eine Verbindung mit einem Juden war. Zum Schluss kam es zu einem Duell in Genf, wobei Lassalle schwer verletzt wurde und nach drei Tagen verstarb. Sie heiratete ihren Adligen, aber der Tod von Lassalle traf sie doch so schwer, dass sie sich nach einigen Jahren das Leben nahm. Lassalle selbst wurde auf dem jüdischen Friedhof in Breslau Lohestraße beerdigt. Er stand zwar dem Judentum ziemlich gleichgültig gegenüber, aber formell verliess er es nie. Nach dem Scheitern des marxistischen Sozialismus im 20. Jahrhundert werden die Gedanken von Lassalle heute viel mehr gewürdigt: nicht durch Revolution, sondern durch friedliche Eroberung der Parlamente soll der Staat die sozialen Bedingungen der Arbeiter und der anderen wirtschaftlich schwachen Schichten verbessern, was wir heute in allen entwickelten Staaten als "Wohlfahrtsstaat" kennen. Während der Weimarer Republik ehrte die Stadt Breslau ihren berühmten Sohn, indem sie den Karlsplatz - ein Zentrum jüdischen Lebens - in Lassalleplatz umbenannte. Gabriel Holzer Cf T;