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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 75 (2003) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 75 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 5 (sequence 1738)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 4) Die Navigationswachen, oben auf der Kommandobrücke, besonders bei Nacht, plazieren mich im Mittelpunkt eines riesigen Kreises, der sich bis zum Horizont erstreckt, wo das Panorama wild - schön bis ungeheuerlich, romantisch bei Mondschein und scharf klarem Mittelmeer-Firmament, bis dämonisch wirkt, wenn der Sturm die Elemente aufpeitscht und Wolkenbrüche mit dem Schaum der Wellen vereint über die Decks rasen. Unser Dampfer erkämpft die Gipfel der hohen Wellen und fällt dann steil herab, rollt und stampft, quietscht an seinen eigentlich längst ausgedienten Fugen. Die Sinne sind geschärft, empfinden jedes Abeichen von der Ansicht, von der eintönigen Idylle. Die Phantasie braucht sich an keine Grenzen zu binden, als auch Erinnerungen, Gedanken und Hoffnungen. Das ist Freiheit. Da erschienen in meinem Bereich zwei junge Mädchen. Auch sie sind Immigranten. Sie sind nicht 2 von 4000, die meiner / unserer Obhut unterliegen, sondern Yehudit mit Kameradin. Ich sehe sie in der stillen Dunkelheit. Sehnsucht nach etwas vom "ich" übermannt meine schweifenden Betrachtungen. Eine Art ritterliches Streben hatte mich auf dieser Fahrt begleitet und hätte sich auf die Eine bezogen, die erst kürzlich dem Inferno entkommen war. Die ich von dem grauen verwüsteten Europa in eine neue sonnige Heimat gebracht hätte, dort, wo ich schon mein Heim gefunden habe, dort, wo ich mir die Ehre erwerben konnte, meinen Teil zu diesem R ett u n gs p rog ram m auf See beizutragen. Ich vertehe nicht ungarisch. Wer bist Du, Yehudit? Woher, wohin?? Ich selbst war ja auch ... Entschuldige bitte, ich muss zurück in die Welt, auf die hohe See, zu den 4000 zusammengepferchten, seekranken Menschen... Nördlich von Zypern sichtete uns der erste britische Flieger. Wir versuchten uns in der Iskanderun Bucht bei Nacht zu "verstecken": Lichter aus, dann entlang der syrischen Küste bis ... Vielleicht schaffen wir es, die Briten zu hintergehen, Nordpalästina zu erreichen und dort das Schiff zu stranden. Es war aussichtslos. Am nächsten Morgen, bei Beirut, waren wir, der miserabele, überfüllte Rostpot von einer wirklich eindrucksvollen Flotte der Royal Navy umzingelt. - Wir wurden von unserer Jerusalemer Zentrale angewiesen, die Haifabucht anzulaufen, bei der territorialen Grenze zu stoppen und eine kleine britische Einheit an Bord zu erlauben. Im Falle , dass die Briten versuchen sollten, uns, d.h. die 4000 Immigranten auf ihre alten Gefängnisschiffe für die Fahrt nach Zypern zu transferieren, werden die Kampfvorbereitungen zu einer ernsten scharfen HITNAGDUT Aufstand gegen die britische Immigrationspolitik, Widerstand gegen die ausführenden Personen (Militär). Mittags. 26. November, stoppten wir, in Sicht des Carmeis. Die Briten kamen an Bord, verteilten sich auf dem Schiff, Marineoffiziere kamen auf die Brücke, fragten nach dem Kapitän, verlangten die im allgemeinen relevanten Dokumente. Der "Kapitän" war schon unter den Immigranten untergetaucht. Auf der Kommandobrücke "wachte" Yehudit, niemand sonst. Ihr hatte ich das Steuerrad mit Kursanweisungen übergeben. Sie lachte den Engländern ins Gesicht, verstand weder Englisch noch was diese verlangten. Die Maschine wurde mit Sand sabotiert. Die Hafenschlepper zogen uns an den Anlagequai. (Haifa Port Cargo jetty). S.S. "Anna Lochita", alias "K n e s s et Israel" war zu Hause angekommen. Gegenüber lagen die drei Gefängnisse - Liberties. Drei Stunden dauerte der bittere Widerstand. Die Stadt Haifa demonstrierte. Ein Jahr sollte vergehen bis auch meine 4000 von Zypern nach dem gerade entstehenden Israel transportiert wurden. Sie bildeten das bürgerliche Fundament. Sie kämpften im 1948iger Unabhängigkeitskrieg, sie gründeten Gemeinschaftssiedlungen, belebten Politik, Industrie, empfingen die nächsten neuen Einwanderer. Wir, die Palmach-Mitglieder, schmuggelten uns aus den Lagern heraus, erreichten Palästina und setzten bald unsere Tätigkeit fort. Nach Mai 1948 räumten die Briten die Lager in Zypern. Der jüdische Staat war gegründet, musste sich zusammen mit meinen 4000 und weiteren 80.000 illegalen Immigranten gegen die Angriffe der arabischen Nachbarländer verteidigen und sie schließlich, im Frühling 1949 besiegen. Epilog Die oben aufgezählten Ereignisse entsprechen den Tatsachen. So war es, November 1 946. Deren Zusammenstellung beruht auf meinen höchst persönlichen Eindrücken. Es ist kein "Report". Ein solcher existiert in den Hagana-Archiven und "Beth Hapalmach". Anfangs übermannten mich in den 80iger Jahren Erinnerungen und der Wunsch, diese schriftlich niederzulegen (for no particular reason). Die deutsche Version war für ein Interview mit Ursula Höntsch, sel.A. - bestimmt, wurde schließlich von ihrer Tochter, Nadja Harendt, übernommen. Über Näheres - siehe Professor Karol Jonca. Als die englischen Offiziere das Kommmando meines Schiffes übernahmen, - sie kletterten zur Brücke auf den Steuerbord - rechten - Treppen, schlängelte ich mich, verkleidet als Ma'apil über die Backbord - linken Treppen herunter. Unten am Deck erwartete mich Sari, die mich während der Einschiffung so komisch fand. "Ich bin Dein Weib", erklärte sie mir.- Wir Israelis glaubten, dass wir als anständige, bürgerliche “Familienväter" es bei den britischen Lagerbehörden in Zypern leichter haben werden, als auch bei den selbstverständlichen Fluchtgedanken. Zu diesem Zweck wurden die Kibbuzim kurz vor Ankunft gebeten, je eine Chavera für die drei Palmachniks zu "mobilisieren" - Sari, heute Yael, wurde 1948 meine echte und liebe Frau. R.Y. 30. Juni 2003

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