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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 75 (2003) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 75 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 4 (sequence 1737)
Language
German
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Eine jüdische Odyssee - November 1946 (Fortsetzung von Seite 3) nach Piräus. Ich führte das Schiff mit einem von mir darauf vorbereiteten Team noch weitere 4 Tage. Mit mir war mein Freund, der Funker, Joash Tziddon und der Transportleiter, Jossi Hamburger - Harel. Von da an wich ich nicht mehr von der Kommandobrücke, blieb fern vom zerrenden Leben an Deck und in den Luken. Meine "Instant" Matrosen, Maschinisten und Kohlenschipper sorgten für Ordnung und minimale Hygiene an Deck, hielten ihre 4stündigen Wachen im Maschinenraum. Die Kohlenschipper arbeiteten je 15 Minuten, durften dann abgelöst werden und bekamen als besonderen Bonus ein Glas Wasser!! Unter den 4000 gab es alles, was Medizin nur erdenken konnte. Den Ärzten unter den Immigranten teilten wir ein Lazarett in einem der Zwischendecks zu und auch unsere paar Offizierskammern, die wir zu diesem Zweck abgaben. 12 Babies wurden dort in den 3 Wochen der Überfahrt geboren. Eine technische Übersicht war 24 Stunden in Bereitschaft, Reparaturen überall und zu jeder Zeit auszuführen. - Wir waren in ständigem Funkkontakt mit unseren Vorgesetzten, Mossad - in Palästina. Diesem Transport, der größte seit Anfang der illegalen Immigrationsaktionen war auch ein politisch demonstratives Drama zugedacht: Die nur vor kurzem von der Nazihölle befreiten Überlebenden werden sich gegen jegliche Internierung durch die Briten wehren. Auf jeden Fall werden sie sich nicht freiwilig in die Lager in Zypern deportieren lassen. Sollte das Schiff, wie zu erwarten war, von der Royal Navy aufgebracht werden, dann wird gekämpft! Die Vorbereitungen, Organisation und "Kampfmittel" - das werden Konservenbüchsen sein, Drahtseile, Dampfschläuche. Die Strategien wurden von unserem Transportkommandanten geplant und realisiert. Jedoch den Menschen muss das erstmals vorgetragen werden. Man kann die ganze Masse nirgendwo an Bord zusammenbringen. So wurden also die Organisationen, Gruppen, Kibbuzgemeinschaften, jeweils an Deck, vor der Kommandobrücke versammelt. Ganz oben stand der Kommandant, mit ihm war ein Akkordeonspieler (Shmuel Katz) und ein Geiger (Meno). Zunächst wandte er sich an das jeweilige Publikum in Hebräisch, bald darauf dolmetschte, meistens der jeweilige Gruppenführer, in deren Muttersprache und im zionistischen Geist, die 2 Musikanten spielten, das Publikum sang, die Hymnen schlossen das Ereignis ab. Man ging an die Arbeit! Bald konnte die nächste Gruppe an Deck kommen und die Aufführung wiederholte sich. - Aber das kam später. Wir hatten die Straße von Otranto passiert und waren in das bewegte Ionische Meer gelangt. Der November- Sturm peitschte die schäumenden Wellen, der Dampfer neigte und rollte, stampfte, ächzte und stöhnte in allen seinen rostigen Fugen. Die Immigranten litten fürchterlich in den Luken. Der Gestank der Seekrankheit schwirrte bis zu uns auf der Brücke. Da standen wir im Ruderhaus auf der Kommandobrücke, gespannt und konzentriert. Es ist still. Ab und zu Anweisung zum Steuermann, kurzer Wortwechsel. Kaffee und Zigaretten. Zuweilen kommen Reporte von der "Technischen Abteilung" zu mir. Eine hölzerne Treppe klappte zusammen. An dem Wassertank entstehen gerade die ersten Risse, das kostbare Wasser könnte auslaufen. Eine Toilette am Deck wurde von den Seen weggewaschen. Ein Arzt kämpft gegen Sturm und Regen, kommt auf die Brücke und berichtet über eine gerade geglückte Geburt. Die Maschineningenieure klagen über den Propeller, der aus seinem Element vom Wasser heraus, beim Stampfen gegen die hohen Wellen in der Luft sich wie ein Propeller dreht, das Schiff erzittern läßt, die Lager überhitzt, - wir da oben, sollen doch gefälligst den Kurs wechseln! Nebenan, im Funkraum ist Hochbetrieb. Dort ist es warm, dort ist es gemütlich, die paar Berichte sind schon raus. Wer kann bei solchem Wetter an Schlaf denken. Unser Kollege, der Kommandant inspiziert die Luken, besucht die leidenden Immigranten, tröstet, hilft, wo er kann und geht weiter, herunter die Treppen, durch Gänge, ruft ein paar Jungens auf, vielleicht würden sie sauber machen und den "Technischen" helfen. Weiter herauf, über das stürmische Deck in die nächste Luke. Auch er kommt zu mir ins Ruderhaus, wir beraten uns, er ruht ein wenig, die Nacht ist noch jung. Vielleicht wird sich das Wetter legen. Unter all den 4000 war eine Gruppe von Waisenkindern / Jugendlichen, die auf wunderbare Art und Weise in Ungarn von den jüdischen Untergrundbünden gerettet wurden und von neutralen Konsulaten unter Schutz vor den ungarischen Faschisten und der Gestapo genommen wurden. Sie wurden seit Antritt ihrer Odyssee von Älteren ihrer Bewegung geführt und betreut. Hinter der Kommandobrücke ragte der Schornstein, dürr, hoch und hässlich, über den Deckaufbauten. Mondschein brach manchmal durch die rasenden Sturmwolken und leuchtete auf diesen glitzernden schwarzen Finger, wie er sich mit dem Rollen des Schiffes von rechts nach links, nach rechts und wieder weiter von Himmel und Wolken abhob als ob er mir drohte? Jedoch die zwei Mädels von dieser ungarischen Gruppe, die sich an den warmen Schornstein fesselten, dort allein und fern von den Massen unter ihren Decken saßen, sich gegenseitig gegen die rollenden Schrägen des Decks stützten, zeichneten sich wie unwahrscheinliche Silouetten ab. Sie zitterten vor Kälte und Nässe. Wir brachten sie zu uns in das Ruderhaus. Hier war es warm, bei heissem Kaffee und Herz. Langsam tauten sie auf, ruhig und gefasst saßen sie da. (Fortsetzung auf Seite 5)

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