Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 1736)
- Language
- German
- Belongs to
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3 (Fortsetzung von Seite 2) Zypern deportiert und dort inerniert. Knapp 3 Monate dauerten die Arbeiten in Bakar bis das Schiff aufnahmebereit und "seetüchtig" (!?) für die Überfahrt von 4000 (!) Menschen - von Bakar nach Palästina - war. Die Anzahl der Immigranten wurde laut einer einfachen Formel berechnet: Das Gesamtvolum aller Laderäume, geteilt durch das durchschnittliche Volumen einer Person. Plus x, y Prozent für die Konstruktionen, Lazarett usw. Monatelang sammelten sich die Transporte aus Rumänien und Ungarn in einem Überganglager in Zagreb an und erwarteten die Einschiffung. Monatelang und bis Anfang November lebten sie unter harten Bedingungen, die auch von den Nachkriegsjugoslawen beim besten Willen nicht gemildert werden konnten. Sie wurden von israelischen Palmach-Mitgliedern für die organisatorischen Notwendigkeiten bei der zu erwartenden unwahrscheinlichen Enge an Bord vorbereitet. Kindern wurde sogar Schulunterricht gegeben, die Jugendlichen wurden paramilitärisch trainiert, ältere Personen ordneten sich, je nach Zugehörigkeit in Gruppen an, ob politisch oder religiös, je nach Neigung des Einzelnen. Diese Einheiten bildeten dann an Bord die Basis für organisatorische Tätigkeiten. Eines Morgens, Anfang November, schlängelte sich ein langer Personenzug vom Kamm der umliegnden Berge, rings um die Bucht, verschwand in einem Tunnel, erschien bald wieder im klaren winterlichen Sonnenlicht und dampfte langsam in Bakars Hafen, kam langsam am Quai unseres Schiffes zum Halt. Aus den Waggonfenstern lehnten sich Hunderte Gesichter heraus. Sie sangen die Hymnen, sie brüllten die beliebten Lieder, der Erwartung und Hoffnung auf einen neuen Anfang. Heraus springen die feurigen Jugendlichen. Die Erwachsenen, meistens Familien, steigen aus dem Zug, schauen der Zukunft eher mit Ernst und Sorge entgegen. Den Alten hilft man, Kranke werden betreut. Fröhliche Kindergruppen schmücken die Massen, die sich am Quai ansammeln. Ich bin betäubt. Das erste Mal seit meiner Auswanderung (zur rechten Zeit) treffe ich die, die das Unglaubliche überlebt haben. Wir, alle Israelis, haben teure Menschen in Nazi-Europa seinerzeit verlassen oder verloren, wir fühlen uns persönlich verwickelt bei unserer Bestimmung, diese Menschenmasse heil, gesund und frohen Mutes nach Palästina zu bringen. - Ich bin stolz darauf, dass ich bei dieser Aufgabe mitwirken kann. Meine Freunde und Kameraden von Haifa, haben sich der Kibbuzbewegung und ihren nicht minder noblen Aufgaben gewidmet. Normalerweise hätte ich da meine Aspirationen, laut Kibbuzbeschluss wahr machen sollen... Im Rahmen unserer Bewegung unterlagen u.a. national bedingte Jobs, wie z.B. Wehrdienst, illegale Einwanderung usw. einer Zuteilung, die vom Kibbuz-Kollektiv bestimmt wurde. Ich jedoch ergriff eigene Initiative. Mein Ziel war Seefahrt, im Dienst der zionistischen Anforderungen. Wir trennten uns. Ich bin hier! Jetzt ist keine Zeit für nostalgisches Grübeln. Die ersten Einwanderer steigen auf der Landungsbrücke an Bord. Eine kicherte mit ihrer Freundin und lachte sich über das komische dürre Gesicht aus. Das war ich! Die wurde meine Frau. Am vorigen Abend war ich nach einer schweren und abenteuerlichen Seereise in Bakar angekommen. Ich war müde, hungrig und verwahrlost wie ein Strolch. Das an Bord kletternde Volk dagegen sah gar nicht so schlecht aus. Die Einschiffung dauerte 2 Tage. Mit 2000 Menschen an Bord war das Schiff voll. 1500 Einwanderer warteten noch am Quai, wurden aber schließlich mit mehr oder weniger sanftem Druck in den Luken einquartiert. Weitere 500 wurden auf ein kleines Schiff (MS "Anastasia") embarkiert. Wir 2 Schiffe sollten zusammen fahren, sollten einen Tag vor der Ankunft in Haifa ihre 500 Passagiere zu meinen 3500 übertragen, dann meine griechische Mannschaft übernehmen und zurück nach Europa fahren, um der unausbleiblichen Royal Navy in diesem Fall zu entgehen. Die Abfahrt von der wunderschönen Bakar Bucht wurde groß besungen, mit Flaggen und feurigen Reden. Dann kam der graue Alltag. Wegen Minengefahr dampften wir nur bei Tageslicht, zwischen den Dalmatischen Inseln. Nach zwei Tagen fiel die Maschine des kleinen Schiffes aus. Sie trieb bei Wind und Strom auf eine der vielen Inseln und sank. Alle konnten unbeschädigt an Land gehen, verloren allerdings ihre paar Gepäckstücke, wurden noch vor dem Abend von den Jugoslawen gerettet und an Land zum Übernachten untergebracht. Wir ankerten in der Nähe und machten natürlich Anstalten, diese 500 bei uns schon jetzt zu übernehmen! Bei 3500 Menschen waren wir weit überfüllt. Weitere 500 grenzten an das fast Unmögliche. Wir waren vier Israelis. Mitglieder der Palmach, unter Auftrag, dieses Schiff und die Immigranten von ihrer aufgelösten Heimat in Europa nach Palästina zu bringen. Das tagtägliche Leben an Bord, unter den horrenden Bedingungen bedingte Organisation und straffe Disziplin. Die knapp 4000 Menschen waren, wie schon angedeutet, in kleineren Gruppen, je nach politischen, religiösen, Alter oder Herkunft verbunden. Unterwegs hegten die Leiter dieser Verbände ständige Verbindung mit dem Palmach- Befehlshaber des Transportes. Ich hatte die Aufsicht über den griechischen Kapitän und Mannschaft. Später, im ägäischen Meer, setzten wir die griechische Mannschaft auf einem kleinen Fischerkutter ab, um unserer Organisation hohe bis übertriebene Heuerkosten zu ersparen. Ihre Forderungen bezogen sich auf die erwartende Internierung und Registrierung durch die britischen Behörden in Zypern. Einer von uns Vier - Ben Jerushalmi - begleitete sie zurück (Fortsetzung auf Seite 4)