Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 75 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 1735)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Eine jüdische Odyssee * November 1946 Von Cpt. Reuven Yatir-Hirsch Vorwort Als meine Oma mit ihrem (süssen) Enkel um den Teich im Südpark spazieren ging, jaulte der vielleicht 5-jährige - das war ich! - "Oma, ich will mit Dir rudern-. Ich will Kapitän sein, beziehungsweise werden, wenn ich gross binll" So fing meine Karriere zur See an. Die Wochenende verbrachten wir im jüdischen Ruderklub. Das Ende war, als "Kielschwein" mit den Sportlern in ihren Booten zu trampen. Ab Februar 1925, als ich erstmals die wonnige Welt von außen erblickte, war und blieb ich der Ältere der zwei Söhne von Kurt und Else Hirsch, geb. Horn, ein glückliches Kind, wuchs in einem warmen kulturellen, sekulären Heim auf, hatte Freunde, besuchte die Christliche "Sadova-Schule" in den ersten vier Schuljahren,wurde 1936 zum jüdischen Gymnasium am Rhedigerplatz umgeschult. Die jüdischen Themen, mit den immer länger werdenden Schatten der Nazi-Ära im Hintergrund meiner immer unfreundlicher werdenden Heimat, regten meine Fantasie und Glauben an Zionismus an. Der zionistische jugendbund "Werkleute" strebte Verwirklichung der Kibbuzidee in Eretz Israel an. Das war meine "Kragenweite (!)" Ich war dabei. Meine Eltern Hessen sich von Verwandten überreden, 1936 ein Zertifikat für Palästina zu beantragen. Meine Erinnerungen an unser Familienleben während der 30igerjahre verbleichen heutzutage. Außergewöhnliche, den Zeiten entsprechende Geschehnisse blieben uns erspart. Das Geschäft litt, doch der gewohnte Stil schien mir nicht beeinträchtigt. Darum, als uns das Zertifikat Anfang 1938 zugestellt wurde, zögerten meine Eltern zuerst. Sie wollten Hitler auf längere Sicht nicht wahr haben, bezwangen jedoch die nagenden Zweifel und entschieden für die Auswanderung nach Palästina. Ein fremdes Land für sie. Für uns Söhne wird Traum zu Wirklichkeit. Fünf Wochen vor der "Kristallnacht" landeten wir in Haifa. (26. September 1938). "Also, was willst Du werden, junge?" So mein Vater. "Seemann", war meine spontane Antwort. 1942 wurden erstmals Ausmaße der jüdischen Tragödie in Nazi-Europa bekannt. Die jugendbünde wurden aufgefordert, jungens zur Marineausbildung zu voluntieren, im weiteren Hinblick auf die Rettungspläne per Schiff, für die Überlebenden nach dem Sieg der Alliierten. Das machte ich mir zur Aufgabe. 1943 arbeitete ich im Kibbuz Sdot Yam als Küstenfischer. 1944 meldete ich mich zum Palmach, Marine PalYam. Wurde in Kursen und in der Navigationsschule - Haifa für die zu erwartenden Aufgaben ausgebildet. 1945 kamen die ersten "illegalen Schiffe" an. Wir, PalYam, debarkierten sie und verteilten sie in den Kibbuzim. 1946 wurde ich, unter anderem, nach Griechenland geschickt, um "Dakar" in jugoslawien über See zu erreichen. "Mein" Schiff wird Ende Herbst mit ca. 4000 Refugees nach Palästina abfahren. Was auch tatsächlich geschah. Das kleine Städtchen "Bakar" liegt in einer, von den Dalmatischen Bergen umgebenen Bucht. Südlich von Rijeka, Jugoslawien. Dort lebt man von Landwirtschaft, Seefahrt und Holzhandel. Der Bürgermeister, ein imposanter Riese, war einer der nächsten Kameraden bei Tito und den Partisanen während des Krieges. Unsere Sage hat hier ihren Anfang, 2. - 3. November 1946. Die Narben der Kriegsjahre sind noch lange nicht verheilt. An den Quais liegen die Küstenschiffe, eine Fähre und ein großer, schwarzer, hässlicher Dampfer. Keine Flagge am Heck, kein Name oder Heimatshafen bezeugt dessen Identität. Bei Lloyds Register wäre er wahrscheinlich folgendermaßen registriert: Ein kohlegefeuerter Frachter. Zirka 3500 Tonnen. Name: "Anna Lochita". Baujahr 1 900. 4 Laderäume, dampfbetriebene Cargowinden, Generatoren, Pumpen usw. Um 5 Knoten (8 km/Stunde) zu erreichen, müssen die Maschinenkesel mit zirka 12 Tonnen Kohle täglich gespeist werden. Dieser Dampfer hatte seit Kriegsende an der "Schrott-Ecke" von Piräus gelegen und verrostete. Eines Tages staunten die Landratten im Hafen, als schwarzer Rauch durch dessen potthässlichen Schornstein puffte. Seeleute arbeiteten rege an Deck, nichts besonderes oder auffallendes. Bis sie die Leinen losmachten und langsam bei der Hafenaufsicht vorbei auf die offene See stampften. Die Hafenkontrolle konnte den Dampfer nicht identifizieren. Umsonst blätterten sie in ihren Abfahrtserlaubnis - Freipass - Listen oder Makleradressen herum. Sie befahlen dem Kapitän, sofort zu stoppen. Der winkte ihnen jedoch mit einem freundlichen Lächeln "Auf Wiedersehen" zu. Er verstand kein Englisch. Es dauerte nicht allzu lange bis die damals dort noch herrschenden Engländer merkten, dass ihnen ein jüdisches, illegales Immigrantenschiff durch die Finger geglitten war und zu einem, ihnen unbekannten Ziel unterwegs war. Das Ziel war Jugoslawien, der Hafen "Bakar". Die Aufgabe: Das Schiff für den Transport von zirka 4000 illegalen Einwanderern vorzubereiten. Das Endziel: Die den Engländern und der jüdischen Einwanderungsorganisation schon geläufige Routine von kleineren Immigrantenschiffen zu brechen. Diesen Schiffen gelang es manchmal, trotz britischer Blockade, die Küste von Palästina zu erreichen und die Immigranten an Land zu bringen. Die Mehrzahl dieser Schiffe wurde allerdings von der mächtigen Royal Navy aufgebracht, die Immigranten nach (Fortsetzung auf Seite 3)