Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2003
- Issue
- No. 74 (2003)
- Date
- 2003-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 (Fortseirung von Seite 10) Lernbegierigkeit und in Grenzen ein kulturelles Leben geherrscht hätten. Zwischen den Insassen des "kleinen", des lettischen Ghettos und den deutschen Juden entstanden vielerlei Freundschaften. Das alles fand sein Ende mit der im Spätsommer 1943 beginnenden Räumung des Ghettos und der Überführung der Insassen in das seit dem Frühjahr entstandene Konzentrationslagers Riga- Kaiserwald. Nicht ganz 8000 lettische und deutsche Juden wurden in das von Kapos aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen organisierte Lager Kaiserwald gebracht. Es war dies die Folge des von Himmler am 21. Juni 1943 gegebenen Befehls, die noch im Osten vorhandenen Juden in Konzentrationslagern oder geschlossenen Arbeitslagern unterzubringen. Alle Juden, die sich noch im Ghetto befanden und nicht mit den Arbeitskommandos am Morgen weggegangen waren, wurden am 2. November 1943 zusammengetrieben und nach Auschwitz- Birkenau zur Vernichtung gebracht. Es war das gleiche Datum, zu dem im Distrikt Lublin der "Aktion Erntefest" über 42.000 Juden in Majdanek, Poniatowa und Trawniki zum Opfer fielen. Auch wenn die überwiegende Zahl der Arbeitskräfte weiterhin in den Kasernierungen der Betriebe4ebte, war das Konzentrationslager Kaiserwald die "Schaltstelle" für die jüdischen Häftlinge. Alle Unmenschlichkeiten, die mit dieser Institution verbunden waren, ereigneten sich hier: medizinische Versuche, willkürliche Erschießungen, Selektionen usw. Ende April 1944 wurden in einer alle Kasernierungen umfassenden Aktion alle noch vorhandenen Kinder fortgeschafft und umgebracht. Ende Juli 1944 selektierte der Konzentrationslagerarzt Dr. Eduard Krebsbach in einer umfassenden Aktion alle arbeitsunfähig erscheinenden Juden und ließ sie zu den Erschießungsstätten bringen. Angesichts der drohenden Räumung der Lager schien es der Versuch zu sein, nur mit "arbeitsfähigen" Juden den Rückzug antreten zu wollen. Mit der Annäherung der Front 1944 begannen SS und Polizei mit der systematischen Rückführung der in den baltischen Staaten noch lebenden jüdischen Häftlinge nach Westen. Die Wege teilten sich dabei. Einige Betriebe versuchten, ihre Arbeitskräfte zusammenzuhalten. Ein Teil gelangte mit der Bahn nach Thorn, die Mehrzahl zunächst nach Li bau und dann per Schiff in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig. Hier wurden sie den gleichen barbarischen Praktiken wie beim Eintreffen im KL Riga-Kaiserwald unterzogen. Die von der Reise geschwächten und den Strapazen in Stutthof nicht gewachsenen Menschen wurden vergast. Andere gelangten in umliegende Dörfer. Gerda Gottschalk gelang es von hier aus, Verbindung zu Freunden in Leipzig aufzunehmen und konnte dem Lager der SS entkommen. (Geschildert in ihrem Buch "Der letzte Weg".) Im Januar 1945 versuchte die Führung des Konzentrationslagers in einer Reihe von Marschbefehlen den weiteren Rückzug zu organisieren. Er endete jedoch im vollendeten Chaos, dem viele noch zum Opfer fielen. Ein Teil wurde bei den Rückmärschen von der Roten Armee befreit, die nicht immer erkannte, was für Menschen sie vor sich hatte und sie daher wie die Deutschen behandelte. Ein anderer Teil gelangte mit dem Schiff nach Westen und über Hamburg nach Kiel, wo sie mit Hilfe des Schwedischen Roten Kreuzes nach Schweden gelangten. Andere wiederum wurden nach Buchenwald und in andere Konzentrationslager gebracht. Einige, die von Theresienstadt aus deportiert worden waren, kamen am Ende des Krieges an den Ausgangsort zurück. Die Männer, die nach Bergen-Belsen gebracht wurden, fielen zum großen Teil den dort herrschenden Krankheiten zum Opfer. Überlebt haben nach den heutigen Erkenntnissen 1135 Menschen diese schreckliche Zeit. ("Die Mahnung", 1.2.2002) Ordentliche Generalversammlung des V.E.B.I. Am 7. Oktober 2002 fand die ordentliche Generalversammlung des V.E.B.I. statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Mosche Goldstein, eröffnete das Treffen. Er berichtete über die Tätigkeit des Verbandes. Eine der wichtigsten Arbeiten ist die Herausgabe der Zeitung. Sie ist oft das einzige Bindeglied zwischen Mitgliedern im vorgeschrittenen Alter, und das dank der großen Bemühungen von Herrn Hauschner, die Zeitung interessant zu gestalten und sie pünktlich erscheinen zu lassen. Auch Universitäten und andere akademische Institutionen sind sehr an unserer Zeitung interessiert. Der Verband steht auch mit der jetzigen jüdischen Gemeinde Breslau und ihrem Vorsitzenden, Herr Kichler, in Verbindung. Professer Konieczny von der Universität Wroclaw sandte uns Listen von nach Theresienstadt und Auschwitz Vertriebenen. Danach unterbreitete Dr. Hoffmann, als Vorsitzender der Versammlung, den Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes. Die Zahl unserer Mitglieder schrumpft immer mehr zusammen, infolge von Überalterung und anderer Todesursachen. Dann berichtete Dr. Hoffmann über seinen Besuch in Breslau. Der Friedhof Cosel ist immer noch in einem katastrophalen Zustand. Zwar wurde ein Zaun errichtet, aber der Friedhof selbst gleicht einem Urwald. Die jüdische Gemeinde unterhält jetzt eine Schule von ca. 80 Schülern. Die Gemeinde sucht Zeugen in Bezug auf "Stiftungen" (wie wir es in unserer letzten Zeitung veröffentlichten). Die Gemeindemitglieder sind alle aus Polen zugewanderte Juden. Darauf folgte der finanzielle Bericht und Dr. Hoffmann dankte der Prüfungskommission für ihre Arbeit. Sie bestätigte auch die Berichte und sowohl der Vorstand wie auch die Prüfungskommission wurden wiedergewählt. Danach referierte der Presseattache der deutschen Botschaft in Israel, Herr Dr. Reinhard Wiemer, über "Die deutschen Medien und der Nah-Ost-Konflikt". Der Referent definierte die verschiedenen Aufgaben der Journalisten: Sowohl Nachrichten wie auch Artikel über Israel und seine Probleme in den diversen Zeitungen und Sendern zu übermitteln, wie auch Interesse an Deutschland und seinen Problemen zu erwecken. Dr. Wiemer bestätigte, daß die Berichte von Israel nicht immer ausgeglichen sind, aber im allgemeinen doch ein objektives Bild geben. Dr. Wiemer antwortete auf verschiedene Fragen der Teilnehmer. Die Versammlung endete mit einem gemütlichen Zusammensein bei Kaffee, Tee und Kuchen. D.R.