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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 74 (2003) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 74 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Das Zwielicht wird immer greller Die Schweiz und die Nazizeit Es begann mit der eidgenössischen Flüchtlingspolitik. Warum, wurde in den 70er Jahren gefragt, wurden Flüchtlinge rigoros ins "Dritte Reich" zurückgeschickt, selbst wenn ihnen dort der Tod drohte? Und warum wurden Polizisten und Diplomaten bestraft, die trotz der unbarmherzigen Politik Flüchtlinge heimlich ins Land ließen oder ihnen zu Visa verhalten? Die Antworten aus Basel und Zürich lauteten übereinstimmend: Das Boot war voll. Die Diskussion schlief danach ein. In den 80er Jahren gerieten Schweizer Versicherungen ins Visier. Wo, so wurde gefragt, sind die Vermögen von vor allem jüdischen NS- Opfern? Nach langem Zögern folgten Ausreden: Man wisse das nicht, könne alte Unterlagen nicht finden, bitte um Hilfe möglicher Anspruchsberechtigter. Die meldeten sich, und der Skandal wurde öffentlich. Große Versicherungen hatten das Geld der Toten schlicht einbehalten. Nun war die Lawine nicht mehr aufzuhalten. Die großen Banken mussten glänzende Geschäfte mit den Nazis einräumen. Es wurde schließlich eine unabhängige Kommission eingesetzt, die grundsätzlich klären sollte, wie die Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und den Nazis gewesen sind. Nun steht die neben Versicherungen und Banken besonders einflussreiche Baseler Chemiebranche am Pranger. Nach den Erkenntnissen der Kommission haben die Auslandsniederlassungen der Firmen Geigy, Ciba, Sandoz und Roche den Nazis immer wieder Konzessionen gemacht, um ins Geschäft zu kommen oder im Geschäft zu bleiben. Es wurden jüdische Aktionäre hinausgeworfen oder ausgezahlt. Zwangsarbeiter eingestellt - je nach dem was verlangt wurde. Alles begann bereits unmittelbasr nach der politischen Wende Ende Januar 1933. Der Verwaltungsrat und kaufmännische Direktor der Firma Geigy, Carl Koechlin, war An fang Mai 1933 in Berlin, um herauszubekommen, wie es mit dem Zweigwerk in Grenzach weitergehen werde. Koechlin berichtete, man solle Verständnis dafür haben, dass die neuen Machthaber bei den Staatsverwaltungen hatten "durchgreifen" müssen. Dort seien es die führenden Sozialdemokraten und Kommunisten gewesen, die Juden "nachgezogen" hätten. Ähnlich sei es in der Wissenschaft und bei den Studenten gewesen. Bilanz: Nun habe man "überall das Gefühl der unbedingten Sicherheit, Ruhe und Entschlossenheit. Auch scheint das ganze Volk von einer Depression befreit zu sein. Dies macht sich in der ganzen Haltung und im Aussehen bemerkbar." Mit keiner Silbe erwähnt der Industrielle, dass während seines Berlin-Aufenthalts auf dem Opernplatz 25.000 Bücher jüdischer und linker Autoren verbrannt und die freien Gewerkschaften zerschlagen worden sind. Nach Basel zurückgekehrt, wurden die geknüpften Kontakte zu Berlin sorgsam gepflegt. Im Dezember 1933 folgte die Bitte "um Genehmigung für Herstellung von Farbstoffen für die Bekleidung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei." Voraussetzung dafür war der "Ahnennachweis", den die Firmenzentrale in Basel prompt lieferte. Danach liefen die Geschäfte Ciba, ebenfalls Basel, hatte sich u.a. auf Medikamente spezialisiert in einem großen Zweigbetrieb im polnischen Lodz. Nach dem Überfall auf Polen vom 1. September 1939 berichtete die polnische Filiale regelmäßig nach Basel und zwar auch über das Ghetto, das dort kurz nach der Besetzung eingerichtet worden war. Dass die Baseler Zentrale auch die Pensionskasse der polnischen Filiale der "Deutschen Arbeitsfront" der Nazis auslieferte, ist erst jetzt herausgekommen. Bei Sandoz gehört zur Firmengeschichte die enge Zusammenarbeit mit dem Mordprogramm der Nazis an Kranken: dem "Euthanasieprogramm". Obwohl die Firma von den Massenmorden wusste, ließ sie in zwei deutschen Kliniken ein Epilepsie-Medikament testen. Dabei war der Firma bekannt, dass die Versuchsopfer anschließend umgebracht wurden. Ciba kannte die Versuche im Frauen-KZ Ravensbrück. Dennoch nutzte sie 1942 die Chance, zwei Sulfonamide an Häftlingen zu erproben, u.a. mit Gasbrandbakterien. Die Experimente verliefen oft tödlich. Auch Zwangsarbeiter sind bei Schweizer Chemieunternehmen beschäftigt worden. Die Kommission hat inzwischen sieben Berichte veröffentlicht. Weitere werden folgen. Die Eidgenossen kommen nicht zur Ruhe. Heiner Lichtenstein ("Die Mahnung", 1.11./1.12.2001)

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