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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 73 (2002) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 73 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 18 (sequence 1705)
Language
German
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Eine Frau an seiner Seite - Ehefrauen in der SS-Sippengemeinschaft Am 28. April 1945 beobachtete ein Helfer des Schweizer Roten Kreuzes die Ränmung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Er sah Kolonnen von jeweils etwa 5000 weiblichen oder müannlichen Häftlingen, die von SS-Männern und SS-Aufseherinnen die Straße entlang Richtung Westen getrieben wurden. An der Spitze einer Kolonne bemerkte er einen kleinen Wagen, der von sechs zu Skeletten abgemagerten weiblichen Häftlingen gezogen wurde. Auf diesem mit Paketen beladenen Wagen saß eine gut genährte und gekleidete Frau. Nach Auskunft eines Kommandanten diese Zuges handelte es sich um die Ehefrau eines Ss- Fßhrers, die während der 'Flucht' an Magenverstimmung erkrankt sei, da sie zu viele Rosinen gegessen habe. Diese Frau, die sich wie eine Despotin von halbverhungerten Sklavinnen transportieren ließ, gehörte zur SS- Sippengemeinschaft, zum Orden der SS. Nur zörerlich wurde und wird wahrgenommen, was an sich eine Selbstverständlichkeit ist: die NS-Gesellschaft war auch eine Gemeinschaft von Frauen und Männern. SS-Ehefrauen standen zu Beginn des Forschungsprojektes "Verdrängte Täterinnen, Positionen von Frauen im Apparat der SS (1939- 1945) "nicht im Zentrum des Interesses der Historikerin Gudrun Schwarz, welche am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig ist. Auf der Grundlage von überwiegend Archivmaterial wollte die Autorin die Positionen bzw. Berufsfelder - wie weibliche Angestellte bei den SS- Einsatztruppen, SS-Nachrichten- und Stabshelferinnen, SS- Ärztinnen, etc. erforschen und ihren Beitrag an der Organisation des Völkermnordes feststellen. Nach der Sichtung von Quellen in in- und ausländischen Archiven kam die Autorin jedoch zu der Feststellung, dass eine Analyse dessen, was geschehen war und wie es geschehen konnte, nicht geleistet werden aknn, ohne die Ehefrauen der SS- Männer in die Untersuchung mit einzubeziehen. Die eingehende Betrachtung der Ehefrauen (und Kidner) am Einsatzort machte sichtbar, was bislang nicht gesehen werden sollte: ihre Anwesenheit schuf "eine Normalität im Grauen". Ferner wurde offenkundig, dass die SS-Ehefrauen ein wichtiger Teil des SS-Sippenordens waren und zwar besonders am Einsatzort ihrer Männer. Jedes Konzentrationslager hatte eine Siedlung, in der die SS- Familien lebten. In den besetzten Gebieten des Ostens lebten dieEhefrauen häufig in der Nähe der Ghettos in beschlagnahmten Villen, oder sie besuchten ihre Männer dort. Die Frauen hatten Gelegenheit, sich an den NS- Verbrechen zu beteiligen und nahmen sie wahr. Im Zentrum der rassistischen Ideologie Himmlers stand die Kohärenz von "positiver Auslese" und "negativer Auslese". Die SS-Sippengemeinschaft sollte den Traum von der Erschaffung eines neuen Deutschlands mittels "Menschenzüchtung" realisieren. Die SS-ldeologen hatten die nordischen Völker, groß, blond, blauäugig, an die Spitze ihrer Rassenhierarchie gestellt, in die sie die Menschheit aufgeteilt sahen. Die SS-Ehefrauen hatten diese rassistischen Denkmuster bereitwillig übernommen. Sie waren überzeugt, dass sie als arische Frau jedem jüdischen Mann überlegen und als "Bewahrerinnen der Art" auf dem "Schlachtfeld des Geburtenkrieges" dem Mann in seiner Bedeutung mindestens gleichgestellt seien. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass sie zusahen, wie Unrecht begangen wurde, sondern auch selbst Gewalt anwandten. Sie stellten sich freiwillig auf die Seite der Täter, waren aktive Komplizinnen und überall zu finden, woVerbrechen begangen wurden: als Zuschauerinnen, Mittäterinnen und Täterinnen. Wie "Rärberbräute" beteiligten siö sich an der Ausplünderung der jüdischen und nicht jüdischen Bevölkerung Osteuropas; als Berufskolleginnen trugen sie dafür Sorge, dass das System der Vernichtung in den Konzentrationslagern, den SS-Verwaltungsapparaten in Deutschland und den besetzten Gebieten, den zu Mordanstalten umfunktionierten Heil- und Pflegeanstalten nicht ins Stocken geriet. Als Hausfrauen sorgten siefür einen stabilen familiären Rahemn, in dem ihre Ehemänner Zuflucht vor und Kraft für ihre mörderische "Arbeit" fanden. Keine dieser Frauen, von denen einige Auschwitz als "Idylle" bezeichneten, wurde je von einem Gericht verurteilt. Hans-Wilhelm Borisch, Dortmund Gudrun Schwarz: "Eine Frau an seiner Seite - Ehefrauen in der 'SS-Sippengemeinschaft'", Aufbau-Taschenbuchverlag, Berlin 2000, 302 S. Dr. phil. Gudrun Schwarz ist Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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