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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 73 (2002) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 73 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 13 (sequence 1700)
Language
German
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13 Ein Visum fürs Leben Diplomaten die Juden retteten Am 14. Januar wurde im Lichthof des Auswärtigen Amtes eine Ausstellung eröffnet, die leider nur bis zum 4. Februar zu sehen war. Es handelte sich aber um eine sehr aufschlußreiche Ausstellung, da sie Auskunft gab über eine Hilfsaktion, die in dunkelster Zeit einen Hoffnungsschimmer bot. Nur wenige Diplomaten, die in den Ländern, in denen sie akkreditiert waren, einen privilegierten Status besaßen, nutzten diesen Vorteil, um Menschen zu helfen, die vom NS-Regime verfolgt wurden. In fast allen Fällen widersetzten sie sich damit den Anweisungen ihrer Regierungen und hatten in der Folge mit der Gefährdung ihrer eigenen Karriere zu rechnen. Yad Vashem hat zwanzig ehemalige Diplomaten in den Kreis der "Gerechten der Völker" aufgenommen; denn in den meisten Fällen handelte es sich bei den verfolgten Opfern um jüdische Menschen, die von Deportation und Ermordung bedroht waren. Die Hilfe für die Verfolgten bestand in der Ausstellung von "Schutzpässen", die sie unter die Obhut der betreffenden Staaten stellten, oder von Transitvisa, die ihnen die Ausreise aus den von den Deutschen besetzten Gebieten gestattete. Auf übersichtlichen Tafeln wurde über das Leben des Diplomaten, seine Hilfsaktion und ihre Folgen, die es für den Helfer und seine Laufbahn hatte, berichtet. Fotos der einzalnen Diplomaten, der hilfreichen Dokumente und von der jeweiligen Verfolgungssituation in den betreffenden Ländern ergänzten die Texttafeln. An erster Stelle sei hier der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg genannt, der in Budapest u.a. fast 15.000 Juden in 30 "Protektoratshäusern" unterbrachte und alle Möglichkeiten für ihre Rettung ausnützte. Nach der Befreiung von Budapest von den Sowjets gefangen genommen, ist sein weiteres Schicksal bis heute nicht völlig aufgeklärt. Unterstützt wurde Wallenberg von seinem Kollegen Per Anger, der aber seine Karriere als schwedischer Diplomat nach Kriegsende fortsetzen konnte und als Leiter der Raoul-Wallenberg-Gesellschaft um die Aufklärung über das Schicksal seines Kollegen bemüht ist. Ebenfalls in Budapest tätig - und zwar in spanischen Diensten - war der Italiener Giorgio Perlasca; auch er stellte verfolgten Juden "Schutzpässe" aus. Ein besonders tragisches Schicksal hatte der Portugiese Aristides de Sousa Mendes, der als Generalkonsul in Bordeaux gegen die Anweisung seines Außenministeriums mit Zehntausenden illegaler Visen Juden zur Flucht verhalt. Er wurde nicht nur aus dem Dienst entlassen, sondern verlor alle finanziellen Ansprüche und konnte später nur durch die Unterstützung der jüdischen Gemeinde überleben. Erst 1988 wurde Mendes vom portugiesischen Außenministerium rehabilitiert - M Jahre nach seinem Tod in Krankheit und Armut. Der geschäftsführende Konsul der Niederlande, Jan Zwartendijk in Litauen half Tausenden von Juden durch fiktive Pässe für die unter niederländischer Souveränität stehenden Territorien von Surinam und Curacao. Der chinesische Konsul Feng Shan Ho in Wien rettete österreichische Juden nach dem sogenannten "Anschluß" durch Visa, mit denen sie nach Shanghai gelangen konnten. Gegen die offizielle Haltung seiner Vorgesetzten verhalt der amerikanische Vizekonsul in Marseille, Hiram (Harry) Bingham IV. vielen Flüchtlingen nach der Niederlage von Frankreich 1940 durch Visa zur Ausreise; er wurde jedoch bald nach Argentinien versetzt und schied 1945 aus dem diplomatischen Dienst aus. Der Schweizer Diplomat Carl (Charles) Lutz kam 1942 nach Budapest, wo er die Interessen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und 14 anderer Staaten vertrat. Er war sogar einer der Ersten, der durch Schutzpässe und Protektoratshäuser jüdische Verfolgte rettete. Der japanische Konsul Chiune (Sempo) Sugihara in Kovno stellte 1940 Tausende von Pässen aus und bewahrte damit litauische Juden vor der Vernichtung. Er selber wurde wegen seiner "Auflehnung" 1947 aus dem diplomatischen Dienst entlassen. Aufgenommen in diese Reihe ist auch der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz, dem es gelang, durch seine Tätigkeit die Flucht der Mehrzahl der dänischen Juden nach Schweden vor der bevorstehenden Deportation zu ermöglichen. Er wurde später u.a. Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kopenhagen. Weitere zehn Diplomaten, die in Yad Vashem als "Gerechte der Völker" anerkannt wurden, sind der Schweizer Friedrich Born, der türkische Generalkonsul Selahattin Ulkumen, der spanische Gesandte Angel Saens-Briz, der päpstliche Nuntius in Budapest, Monsignore Angelo Rotta, der schwedische Gesandte Carl Ivan Danielson, die Mitarbeiterin des brasilianischen Botschafters in Berlin, Sra. Aracy de Carvalho- Guimareas Rosa, der Schweizer Generalkonsul Ernst Podolliet, der Schwede Waldemar Langlet, der spanische Landwirtschaftsattache in Berlin Jose Santaella und der schwedische Attache Lars Berg. Über sie wird noch informatives und fotografisches Material gesammelt. Alle genannen Vertreter im diplomatischen Dienst sind Beispiele für persönlichen Mut und menschliches Handeln ohne Rücksicht auf berufliche oder finanzielle Nachteile. Ihr vorbildliches Tun sollte nicht in Vergessenheit geraten. Waltraud Rehfeld "Die Mahnung", 1.3.2002 Frauen im Holocaust Hg. Barbara Distel Bleicher Verlag 2001 Barbara Distel, langjährige Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau und Mitherausgeberin der Dachauer Hefte, hat eine Reihe von Berichten von Häftlingen gesammelt, die der Shoa durch Flucht und Exil entkommen sind, die in Ghettos und Konzentrationslagern überlebten, die im Untergrund und Verstecken durchhielten, die Widerstand leisteten oder gar Täterinnen wurden, die über ihre Erlebnisse nach der Befreiung, Heimkehr berichten, eine reichhaltige, schreckliche Sammlung von Stimmen jüdischer Frauen in den Jahren der Vernichtung (1940-1945), der nur wenige entkamen, und den Jahren nach 1945, die zu wenige erlebten. Frauen wurden lange Zeit weder im Eichmann-Prozess 1961 noch im Frankfurter Auschwitz-Prozess 1965 als spezielle Opfergruppe wahrgenommen. Erst im Majdanek-Prozess zwischen 1975 und 1980 wurden Frauen als Täter und Opfer ernst genommen. Die durchlebten Schrecken der mindestens 250 000 Toten und die quälenden Erinnerungen der wenigen Überlebenden wurden stärker wahrgenommen. Insbesondere die geschlechtsspezifischen Erfahrungen wurden erst im Laufe der Jahrzehnte stärker wahrgenommen. Das beginnt schon mit den Frauen die ihre Eltern nicht in Deutschland zwischen 1935 und 1940 allein zurücklassen wollten, während die Männer den Weg ins Exil vorangingen, was dann plötzlich nicht mehr möglich war. Die Familien waren getrennt. Einige Männer waren frei - ihre Frauen wurden mit den Eltern verschleppt, die Eltern ermordet, die jungen Frauen als Zwangsarbeiter versklavt. Schon Flucht und Exil sind für junge Frauen schwieriger als für Männer, am Rande des Existenzminimums ohne Sozialversicherung oder Krankenkasse, ohne Rentenanspruch. Aber die nun folgenden Berichte über das Leben und Sterben in den verschiedensten Lagern, etwa über Gurs in Frankreich als "Vorhölle von Auschwitz": Mehr als 75 000 Juden und Jüdinnen wurden von Frankreich aus in die östlichen Vernichtungslager deportiert. Ungarische Jüdinnen wurden noch 1944 über Auschwitz in das Frauenlager Peterswaiden bei Groß-Rosen (Schlesien) zur Zwangsarbeit gebracht. Diese Sklavenarbeiter wurden "nach rechts" geschickt, durften erst einmal überleben, während "nach links" die sofortige Vergasung bedeutete. Weitere Berichte von jeweils neuen Verfasserinnen und auch einzelnen Verfassern (Franzosen, Polen, Griechen, Australier, Deutsche) vielfach überlebende Häftlinge (Frauen), die oft inzwischen verstorben sind: - "Die Odyssee der Frauen von Rhodos" wird von vier überlebenden Frauen beschrieben. Frauen dürfen ihren alten Eltern helfen, wenn sie mit SS-Leuten.... Diese über Auschwitz, wo die meisten umgebracht werden, nach Dachau führende Odyssee ist ein einziger Weg des Schreckens. - Auch zum Teil sogar erfolgreicher Widerstand durch jüdische Widerstandskämpferinnen gemeinsam mit Franzosen oder von jüdischen Frauen in Weiß-Rußland, die mit Partisanen kämpften und überlebten, einige wenige. Die "Bielski Gruppe" der Partisanen nahm alle Frauen auf, während die russischen Partisanen nur Frauen auswählten und sich unterordneten. Die richtige Gruppe für den Widerstand zu finden, war nicht leicht. (Fortsetzung auf Seite 17)

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