Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2002
- Issue
- No. 73 (2002)
- Date
- 2002-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 1698)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Glücksspiel der Wöchnerinnen ln der frühen Neuzeit war das Glücksspiel, vielfach belegt, bei den aschkenasischen Juden eine ebenso verbreitete, alltägliche Gewohnheit, wie unter der christlichen Bevölkerung. Zumindest in Deutschland war es Teil einer generellen Wirtshaus- und Trinkkultur. Nicht nur die Männer spielten, auch die Frauen, und das keineswegs nur getrennt. Es ist nicht verwunderlich, dass laut Jechiel Epstein der, dem die Sitte der Wöchnerinnen, mit ihren Besucherinnen und Besuchern im Bett um Geld Karten zu spielen, am meisten Freude bereitet, der Satan ist. Doch zeigt sich Epstein kompromissbereit: Er empfiehlt, zumindest die [ Dauer des Spiels auf ein, zwei Stunden am Tag zu beschränken. Außerdem solle die Wöchnerin nicht mit Männern spielen, jedenfalls dann nicht, wenn in der örtlichen Gemeinde ein Bann dagegen bestehe. Dem Mann rät der Brant spigl, er solle, statt mit Fremden zu trinken und zu spielen, beides lieber zu Hause mit Weib, Kindern und dem Gesinde tun. Auf diese Weise käme das Geld, das ihm dabei durch die Finger rinne, wenigstens der Familie zugute. Und sollte er allzu sehr dem Wein zusprechen, so könne er im Familienkreis auf verständnisvolle Behandlung hoffen, statt sich durch einen Vollrausch in der Öffentlichkeit zu blamieren. Versuche der Gemeinden, das Spiel um Geld durch Verbote oder Beschränkungen einzudämmen und damit die für viele Familien ruinösen Folgen zu verhindern, richteten genauso wenig aus, wie es vergleichbare Erlasse der christlichen Obrigkeiten für ihre Klientel vermochten. Das Glücksspiel war nie nur ein Laster der einfachen Bevölkerung. Es war in den Kreisen Wohlhabender und religiös Gebildeter nicht weniger verbreitet; diente es doch auch der sozialen Kontaktpflege unter Geschäftsleuten. Leon Modena (1571-1648), ein bekannter Talmudist, Prediger und Dichter im Italien seiner Zeit, der sich mittels Bibel- und Talmudunterricht, Predigerverträgen und dem Schreiben von religiösen Büchern ernährte, verfasste auch einen Lobpreis des Glücksspiels. Seine Autobiographie berichtet wieder und wieder von der eigenen, kaum kontrollierbaren «I Spielleidenschaft. Mehrfach bringt er sich und seine Familie damit an den Rand des Ruins. Tanzlehrer und Toragelehrter Ein Schwiegersohn Leons übrigens ist Tanz- und Musiklehrer. Zugleich aber ist er Toragelehrter; ab Herbst 1625 hält er im Wechsel mit seinem Schwiegervater die Sabbatpredigt in der großen Synagoge von Venedig. Der keineswegs ungewöhnliche Beruf des Tanzlehrers wurde augenscheinlich nicht als ungehörig oder eines Predigers für unwürdig erachtet. Tanzlehrer war ein geradezu "typisch" jüdischer Beruf, wie allgemein musikalische Berufe jeder Art bei den italienischen Juden der Renaissance sehr verbreitet waren. In Venedig gibt es aus dem 15. Jahrhundert die ersten Berichte über eigne jüdische Tanz- und Musikschulen, die auch von Christn frequentiert wurden. Leon Modena selbst war ab 1629 "Kapellmeister" des Orchesters der jüdischen "accademia di musica" und noch in anderen Funktionen aktiv am musikalischen Leben der Stadt beteiligt. Jüdische Musikanten waren vom 16. Jahrhundert an auch in Deutschland und angrenzenden Gebieten eine häufige Erscheinung. Berühmt waren die jüdischen Kapellen Böhmens, denen 1641 der Prager Erzbischof bestätigte, dass sie auch auf christlichen Hochzeiten spielen durften. Sowohl in Italien als in Deutschland führte die rege Anteilnahme der Juden an den musikalischen Entwicklungen der Zeit zu einer weitgehenden Umgestaltung der synagogalen Musik entsprechend dem neuen Geschmack und den neuen Möglichkeiten. Professionell gespielte Musik wurde, außer bei konzertanten Vorführungen, auch zur Unterhaltung bei festlichen Mahlzeiten, selbst solchen in engerem Kreis und ohne herausragenden Anlass, gern eingesetzt. Erst recht durften Musiker und Spielleute nicht fehlen, wenn es Größeres, wie etwa eine Hochzeit, zu feiern gab. Generell wurde bei Festlichkeiten, wenn man es sich irgend leisten konnte, auch für das leibliche Wohl der Geladenen ein enormer Aufwand getrieben. Das ging so weit, dass Gemeinden sich veranlasst sahen, die Größe, Häufigkeit und Ausstattung von Festen zu beschränken aus der Sorge, die Familien könnten sich ruiniren. Wiederum taten es die jüdischen Gemeinden hierin den christlichen Obrigkeiten gleich, die in vielen Städten solche den Luxus einschränkende Ordnungen erließen. Der Kontrast zwischen den strengen sexualmoralischen Vorstellungen der Schriftsteller und dem freizügigeren Verhalten der Bevölkerung wird im Laufe der Neuzeit schärfer. Seligmann Günzburg bringt in seinem jüdisch-deutschen Zucht spigl (Hanau 1610), für die moralische Unterweisung von "Frauen und Maiden" gedacht, noch unverblümt sexuelle Anspielungen unter, offenbar, um den Unterhaltungswert der sabbatlichen Lektüre seines Werkes zu steigern. Ein Beispiel von vielen: "ain alt weib von 60 johren [ist genauso] / als ain maid von 6 johren geboren / si lusst [gelüstet] von ganzem herzen / zu singen und zu scherzen / und si [ist] so gern bei aller freud / als die schönst junge maid / ich glaub auch [dass] si gern manen haben wolen / als ni kein bessule [=Jungfrau] ain jungen geselen / mich wundert as [=dass] ihr nit vergeht der scherz / frag man drum ihr herz / was si oft begehrt / im somer einer [einen] der ihr di fügen wehrt / dass übrig will ich nit schreiben / ich los [=lasse es] bei dem gemeinen Sprichwort bleiben / alte küh di da geben weder milch noch schmalz / die leken auch gern salz." Kalonymos, 5. Jahrgang 2002, Heft 1 Unsere Leser schreiben Glauben Sie bitte einem alten Mann, der Ihnen versichert, daß sein Herz schneller klopft, wenn er die "Mitteilungen" aus dem Briefkasten "herausfischt"! Ich "komme immer auf meine Kosten" und kann Ihnen nur ein großes Dankschön sagen. Seit etlichen Jahren bin ich nun treuer Leser und kann mich gut an die Aera ErichLewin s.A. erinnern, der meine Eltern gut kannte. Weiterhin möcht ich Sie darüber informieren, daß ich dank eines Artikels der "Mitteilungen" im Jahre 1999 die hilfliche Bekanntschaft eines Lehrers aus Berlin machte, Herr Eckhard Rieke, der jedes Jahr mit seinen Schülern nach Breslau fährt, um den jüdischen Friedhof in der Lohestraße in Ordnung zu bringen. Ich schrieb ihm damals einen Dankesbrief, denn dort ist, als Einziger unserer Familie, mein Vater begraben. Herr Mag. Lagiewski hat das Grab schön restauriert. Seit 1999 korrespondiere ich jedes Jahr wenigstens einmal mit Herrn Rieke. Ich schätze seine Arbeit sehr. Anbei sein vorletzter Brief mit 3 Fotos vom Friedhof. Deutschland hat gewiß seine Neonazis, wir hier in Frankreich haben aber außer der "Front National" von Le Pen vor allem eine Menge aufgehetzter (junger) Araber, die vor nichts zurückschrecken: Brandstiftung von Synagogen und jüdischen Schulen, Angriffe auf Autobusse mit jüdischen Schülern usw. Die ursprüngliche Hetze gegen Israel und besonders gegen Scharon hat sich sehr schnell in einen allgemeinen Antisemitismus gewandelt. Ich glaube, Sie sind auf dem Laufenden. Ihr F. Meyer (88 Jahre) F-74940 Annecy Le Vieux r 'S Die Ronald Lauder-Etz Chaim; Grundschule der jüdischen Gemeinde in Wroclaw benötigt dringend hebräische Kinderbücher. Großeltern oder Eltern, deren Enkel oder Kinder in irgend welchen Schubladen noch solche Bücher haben, werden gebeten, sie an die Jewish Congregation of Wroclaw ul. Wlodkowica 9 50 072 Wroclaw, Poland zu senden.