Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 72 (2002) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 72 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/7506414-7412010-7491857--464-7412025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

ümmsim ^mssmssmmss&^sss^sssmmsmssmssssss^s^^^sm^sm^ssssßsmsssssssss^m^ss^m^mssmsmm. 15 Rebellen "Stille Rebellen- Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz" von Marion Schreiber Aufbau-Verlag, Berlin 2000 “Wer ein Menschenleben rettet, der rettet ein ganzes Volk". Marion Schreiber, langjährige "Spiegel"-Korrespondentin in Brüssel, schildert in ihrem Dokumentarroman, wie dieser Spruch aus dem Talmud für viele Belgier während der deutschen Besatzung zum Leitmotiv ihres Handelns gegen die deutsche Besatzung wurde. Im Zentrum des Buches steht der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz. Drei junge Männer, ehemalige Schulfreunde, führten diese spektakuläre Tat aus, die bewaffnete Partisanen als zu riskant verworfen hatten. Der Bericht über diese in der Geschichte des Widerstandes gegen das NS- Unrechtssystem einzigartige Aktion und ihre Vorgeschichte beruht auf privaten Dokumenten, Archivakten und Polizeiberichten, Recherchen und Interviews, darunter Gesprächen mit sechs Zeitzeugen, die aus dem 20. Konvoi fliehen konnten. Im April des Jahres 1943 stoppten drei junge Männer einen Zug, der über tausend Juden vom belgischen Sammellager Mechelen nach Auschwitz transportiert. Youra Livschitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau agieren wie bewaffnete Partisanen in einem Land, das seit drei Jahren von den Deutschen okkupiert ist. Siebzehn Männer und Frauen können sofort befreit werden - bis der Zug die deutsche Grenze erreicht, können über 200 Insassen fliehen. Der Uberfal auf den Deportationszug gehört in die quälende Leidensgeschichte der Juden, die seit 1933 quer durch Europa gejagt, verfolgt, gefoltert und ermordet worden sind. Aber, die von Marion Schreiber facettenreich recherchierte Geschichte beweist auch, wozu einzelne Menschen fähig waren, wenn sie nur die nötige Zivilcourage besaßen Im Vorwort des Buches schreibt Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, "... dass ich den Holocaust berlebt habe, verdanke ich belgischen Bügern, die den Mut besaßen, eine kleinen jüdischen Jungen aufzunehmen und vor den Nazis zu verstecken. Auch meine Mutter entging der Deportation, weil sie während der deutschen Besatzung bei einer Brüsseler Familie wohnte, die sie nicht nur beherbergte, sondern ihr immer wieder half, der Verfolgung durch die SS zu entgehen." Das Land Belgien ist auch heute noch Deutschlands weitgehend unbekannter Nachbar. Dies gilt in besonderem Maße für das historische Kapitel des belgischen Widerstandes und zivilen Ungehorsams gegen das Naziregime. Mehr als 4.000 jüdische Kinder überlebten unter falscher Identität in Familien, Internaten, Klöstern und Heimen den Holocaust. Sechzig Prozent der damals in Belgien lebenden Juden wurden nicht deportiert, weil sie sich durch die Hilfe von Nachbarn, Freunden und zivilcouragierten belgischen Bürgerinnen und Bürgern dem Zugriff der nationasozialistischen Rassenfanatiker entziehen konnten. Die Belgier riskierten bei dieser Hilfsaktion eine Gefängnisstrafe oder gar den Abtransport ins KZ. Denn sie verstießen gegen die von der deutschen Militärverwaltung erlassenen Gesetze, wonach jede Hilfe für die verfolgten Juden wie ein schweres Verbrechen zu ahnden waren. Marion Schreiber schildert ihre Geschichte vor dem Hintergrund der deutschen Okkupationszeit. Hierei porträtiert sie den SS-Judenreferenten Kurt Asche, einen exemplarischen Nazi-Kriminellen, der mit einer Unterschrift über Leben und Tod entschied, ebenso, wie den übervorsichtig agierenden deutschen Militärgouverneur in Belgien, Freiherrn Alexander von Falkenhausen, der als preußischer Adeliger zwar Hitler und seine Adlaten verachtete, aber dennoch passiv blieb, als es darum ging, Juden, Emigranten, Logenbrüder, Kommunisten und Andersdenkende vor den SS- Kommandos zu schützen. In allerletzter Konsequenz war es nur ein kleiner Zirkel linker Intellektueller, die zusammen mit kommunistischen Widerstandskämpfern den waghalsigen Überfall organisierte und ausführte. "Unsere Tat sollte eine Kampfansage gegen Egoismus und Gleichgültigkeit sein" so die Aussage von Hertz Jospa, einem der damaligen Partisanen. Die von Marion Schreiber packend erzählte Geschichte einer Gruppe junger, verantwortungsbewußter Menschen, die sich der NS-Barberei widersetzten, ist gleichermaßen ein Lehrstück in Sachen individueller Mut, Zivilcourage und des vielbeschworenen "aufrechten Gang". Gerade deshalb wünschen wir dem Buch viele junge Leserinnen und Leser. Marion Schreiber, geb. 1942 in Drossen bei Frankfurt/O., Studium der Germanistik, Romanistik und Publizistik in Freiburg, Göttingen und an der FU Berlin. Freie Journalistin in Berlin und Bonn. 1970 - 1986 Redakteurin beim "Spiegel" in Bonn, 1986 - 1988 "Spiegel"-Korrespondentin in Brüssel. Hans-Wilhelm Borisch, Dortmund AVS-lnformationsdienst, Nr. 2/3 Dezember 2001 ★ Richtigstellung In der letzten Nummer unserer "Mitteilungen" (Nr. 71) veröffentlichten wir einen Artikel "Da habe ich geweint", welcher vorher in der Zeitung "Die Mahnung" (1.1.2001) erschien. Als Reaktion auf diesen Artikel erhielten wir von der Staatsanwaltschaft Dresden folgendes Schreiben: "Die Staatsanwaltschaft Dresden hat das Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Todes des Joseph A. aus Sebnitz erneut eingestellt. Aufgrund der umfangreichen Ermittlungen kann ausgeschlossen werden, daß der Tod des Kindes durch Verschulden Dritter verursacht wurde. Vielmehr steht nach den rechtsmedizinischen Gutachten fest, daß von einem Badetod auszugehen ist. Bei einem Badetod kommt es aufgrund verschiedener Reaktionen durch den bloßen Kontakt mit kaltemn Wasser zu Herz-Rhythmus-Störungen bzw. zum tödlichen Herzstillstand. Der Herzstillstand war bei Joseph A durch dessen Herzerkrankung begünstigt worden. Im Ermittlungsverfahren wurden über 250 Zeugen vernommen. Keiner der Zeugen hat Beobachtungen gemacht, die auf strafrechtlich relevantes Verhalten schließen lassen... Aufgrund der Ermittlungen kann ausgeschlossen werden, daß dem Kind Giftstoffe oder Medikamente eingeflößt wurden. Weder Ritalin noch dessen Abbauprodukte konnten nachgwiesen werden. Das im Körper von Joseph A. festgestellte Lidocain ist im Rahmen der Wiederbelebungsversuche durch den Rettungssanitäter verabreicht worden." Wir möchten darauf hinweisen, daß die Veröffentlichungen der Zeitung der Verfolgten und Überlebenden des Naziregimes, "Die Mahnung", immer glaubwürdig und zuverlässig sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.