Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 72 (2002) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 72 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/7506414-7412010-7491857--463-7412024
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 Uber das Treffen jüdischer Soldaten aus Erez-Israel mit den Überlebenden des Holocaust ("Die jüdische Brigade und die Überlebenden des Holocaust" von Aharon Hoter Ishay, Israel -1999) Dieses Buch ist nicht von einem Historiker verfaßt. Es ist geschrieben mit dem Herzblut eines jüdischen Offiziers der jüdischen Brigade im Rahmen des englischen Militärs, welcher nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mit den Überlebenden der von den Nazis errichteten Todeslager zusammentraf. Der erschütternde Eindruck, den diese Überlebenden auf den Verfasser machten und das Ziel, sie aus dem antisemitisch verseuchten Europa nach Erez-Israel zu bringen, sind die Grundpfeiler dieses Buches. Die ersten Abschnitte des Buches beschreiben das erste Treffen mit den überlebenden Juden in Deutschland und die Persönlichkeit des Kommandanten der jüdischen Brigade, Brigadier Benjamin. Darauf folgen sieben Erzählungen von Üerlebenden welche, wie durch ein Wunder, in der letzten Minute gerettet wurden. So die Erzählung von Lea, welche aus der Gaskammer gerettet wurde. Und alle diese Geretteten wurden dann immer von Gewissensbissen geplagt, warum gerade sie am Leben geblieben sind. Das zweite Kapitel behandelt das Problem der "Repatriazia", d.h. die jüdischen überlebenden der Todeslager in die Länder zurückzuschicken, aus welchen sie kamen. In der Zwischenzeit wurden in Übergangslager überführt, in welchen sie mit den nicht-jüdischen Flüchtlingen aus den von den Deutschen besetzten Gebieten Zusammenleben mußten. Diese nichtjüdischen Flüchtlinge waren Deutsche und solche, welche mit den Deutschen kollaborierten und viele waren antisemitisch verseuchte Banden, welche versuchten, die schwachen und kranken überlebenden Juden zu mißhandeln. Die Aufgabe der jüdischen Brigade und ihrer Vorgesetzten war es, die jüdischen Flüchtlinge aus den gemischten Blocks in getrennten jüdischen Lagern zu organisieren und für die Auswanderung nach Erez-Israel vorzubereiten. Sie stießen dabei auf Widerstand der alliierten Besatzungsbehörden in Deutschland. Der Verfasser des Buches, als Offizier der jüdischen Brigade, setzte alle Hebel in Bewegung, oft mit Hilfe von Feldrabbinern der alliierten Kräfte, um die jüdischen Menschen in besonderen Blocks unterzubringen. Zu diesem Kapitel gehören auch die Schilderungen der Zusammentreffen mit verschiedenen Offizieren der Besatzungsarmeen, welche nicht immer eine positive Einstellung für die jüdischen Forderungen hatten. Zu diesem Kapitel gehören auch die Begegnungen des Verfassers mit den Überlebenden des Holocausts, welche in verschiedenen Lagern zusammengefaßt waren. Hoter-Ishay fuhr von Lager zu Lager, um zu helfen, wo er nur konnte. Besonders interessant war die Begegnung mit den Überlebenden in Theresienstadt. Die meisten dieser Lager waren in den von den Westmächten besetzten Gebieten Deutschlands. Theresienstadt befand sich in der russischen Zone. Die Begegnung mit Überlebenden in Theresienstadt hinterließ einen besonderen Eindruck: Nach der Zeit der Furcht und des Schreckens unter dem Naziregime waren die noch Zurückgebliebenen in Theresienstadt unter der Verwaltung der russischen Besetzung. Die Unterhaltung dieser jüdischen Flüchtlinge mit dem Offizier und den Soldaten der jüdischen Brigade ging in einem leisen Flüsterton vor sich. Auf die Frage des Offiziers, warum sie so leise sprechen, antworteten sie, daß "die Wände Ohren haben" und die Spitzel der russischen N.K.W.D. überall sind, und so mancher, welcher eine unüberlegte antikommunistische Bemerkung machte, über Nacht spurlos verschwunden sei. Zwei Episoden in diesem Buch sind besonders bemerkenswert: Die bestialische Rohheit der litauischen SS-Kollaborateure, welche Säuglinge aus den Armen ihrer Mütter rissen und auf bestialische Weise ermordeten. Diese herzerschütternde Erzählung einer überlebenden Mutter, welche ihre Tochter auf diese unmenschliche Weise verloren hatte, gibt uns ein trauriges Bild von der Zusammenarbeit der deutschen Nazis mit den antisemitischen Helfershelfern aus Litauen, Polen, Ukraine u.s.w. Die zweite ist die Erzählung über Isaak Egon Oxhorn. Oxhorn, ein Jude aus Deutschland, wurde im Oktober 1939 von den Nazis verhaftet und nachdem er wie ein Wunder sechs Konzentrationslager überlebte, wurde er von den Amerikanern in Dachau befreit. Der deutschen Sprache mächtig und als Kriegsbeschädigter aus dem 1. Weltkrieg mit dem eisernen Kreuz 1. Klasse, wurde er in manchen Lagern als Schreiber in den Büros beschäftigt. Nach dem Krieg verfaßte er eine ausführliche eidesstattliche Versicherung über die Greueltaten in den Todeslagern. Diese brachte er nach London, als Beweise für den Kriegsverbrecherprozeß gegen die Nazis. Aber als er das in Englisch gedruckte Protokoll seiner Aussage las, bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß jedes Mal, wo er von jüdischen Opfern sprach, die Engländer eine Änderung Vornahmen und anstatt der Worte "jüdische Opfer" oder "Juden", die Worte "Opfer des Krieges, Flüchtlinge u.a.m." setzten. Oxhorn verfaßte nochmals einen präzis genauen Bericht für den jüdischen Weltkongress. Noch ein Beweis für die nicht wohlwollende Haltung der Engländer den Juden gegenüber. Das Buch legt Zeugnis ab von den Bemühungen der Soldaten der jüdischen Brigade, diesen überlebenden Opfern des Holocaust das Leben in jeder Beziehung zu erleichtern. Und nicht nur in materieller Beziehung, sondern auch in der Sparte von Kultur und Erziehung. Sie sorgten nicht nur für Essen und Kleidung, sondern auch für kulturelle Belange - hebräische Bücher und Zeitschriften - und jüdische Schulen für die überlebenden Kinder, in denen die jüdischen Soldaten auch als Lehrer wirkten. Das Buch ist das erschütternde Zeugnis eines jüdischen Offiziers aus Erez-Israel, von seinem persönlichen Treffen mit den Befreiten der Todeslager der Nazis. Es ist geschrieben voll "Ahawat Israel" (ein Begriff, wie Gerschom Schalom in seinem Brief an Hanna Arendt sich ausdrückte, in keine Sprache zu übersetzen ist). M.E. Awi-Achija

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.