Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2002
- Issue
- No. 72 (2002)
- Date
- 2002-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Oberschlesien Landtagsabgeordnete Justizrat Kochmann in Gleiwitz oder der Amtsrichter Dr. Bandmann in Kattowitz. Auch war in der Person des Sanitätsrates Bloch ein Jude an den Verhandlungen des Zwölferausschusses in Kattowitz und bei den Verhandlungen der oberschlesischen Kommission mit dem Viererrat in Genf, bei welchen über die Zukunft Oberschlesiens abgestimmt wurde, als Mitglied beteiligt. Der Teilungsbeschluß, der am 20. Oktober 1921 in Kraft trat, wurde an eine Konvention gekoppelt. Diese Genfer Konvention sollte 15 Jahre lang die Rechte der deutschen und polnischen Minderheit im jeweils (Fortsetzung von Seite 12) Politik aufgrund der Restauration nach dem Wiener Kongreß und der Bildung der "Heiligen Allianz" - der Oberschlesische Gemeindebund gegründet. Er wurde durch die Vorsteher der oberschlesischen Gemeinden repräsentiert, die sich in einer gemeinsamen Satzung darauf festlegten, alle Angelegenheiten in bezug auf die öffentliche Rechtstellung der jüdischen Religion und ihrer Bekenner gemeinsam wahrzunehmen, gegen Angriffe von außen gemeinsam Stellung zu beziehen, für die Erteilung des Religionsunterrichtes Sorge zu tragen, für den gesicherten Fortbestand des einheitlichen Rechtsverbandes der , 7. Einzelgemeinden Fürsorge zu treffen „ .■» und alle Mittel zur Abhilfe geistiger und wirtschaftlicher Notstände^ gemeinschaftlich zu ergreifen. Der -r-F Oberschlesische Gemeindeverband war der Vorläufer des Deutsch-Israelitischen t, Gemeindebundes, der 1872 seine Arbeit Erst die deutsche Revolution 1847/48 brachte neue Anstöße hinsichtlich der Gleichstellung der Juden. Wesentlich wurde das preußische Gesetz vom 23. Juli 1847, das die Trennung der Bestimmungen über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden von denen über die Kultus- und Unterrichtseinrichtungen verfügte. Unter der Bezeichnung Synagogengemeinde erhielten die korporativen Verbände der Juden die Rechte juristischer Personen. Darüber hinaus wurde die straffe Organisation aller Juden in Synagogengemeinden durchgeführt; Schlesien wurde staatlicherseits in 55 Synagogenbezirke aufgeteilt. Doch erst durch das Gesetz des Norddeutschen Bundes vom März 1869 über die "Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung", das 1871 in die Reichsgesetzgebung einging, war die Gleichstellung der Juden rechtlich gesichert. Aufgrund der so gewonnenen Freizügigkeit ging in der Struktur oberschlesischer Gemeinden eine große Veränderung vor sich. Die Juden nahmen an dem wirtschaftlichen Aufschwung Oberschlesiens gegen Ende des 19. Jahrhunderts teil. Aufgrund der Emanzipation nutzten sie die Chance, sich an der industriellen Entwicklung im Handwerk oder im Handel zu beteiligen. Besonders deutlich kam die Zugehörigkeit der oberschlesischen Juden zu Deutschland bei ihrem Einsatz im Ersten Weltkrieg und besonders in ihrer Rolle in der Abstimmungszeit in Oberschlesien im Jahre 1921 zum Ausdruck. Die jüdischen Bürger beteiligten sich in der Phase des "Abstimmungswahlkampfes" an deutschfreundlichen Propagandaaktionen, leiteten sogar Wahlausschüsse, wie der Gedenkstein am Platz der ehemaligen Synagoge von Kattowitz anderen Teilgebiet schützen. Der Teilungsbeschluß veranlaßte viele Deutsche und sich dem Deutschtum zurechnende Juden, das nun polnische Ostoberschlesien zu verlassen. Viele jüdische Gemeinden im nun polnischen Teilgebiet verloren den größten Teil ihrer Mitglieder und somit alle Mittel und Einrichtungen, um weiterhin den Rabbiner zu halten oder den religiösen Unterricht zu gewährleisten. Schon 1927 hatte sich die Zahl der Gemeindemitglieder Ostoberschlesiens halbiert. Die meisten zogen jedoch nicht nach Westoberschlesien, sondern weiter in die westlichen Reichsgebiete. Die deutschnationale, religiös liberale Gesinnung und fortgeschrittene Assimilation der oberschlesischen Juden ließ die meisten von ihnen die Gefahr des seit Ende der zwanziger Jahre verstärkt aufkommenden Antisemitismus unterschätzen. Das Judentum schien gespalten. Während die Zionisten die fortschreitende Entrechtung der deutschen Juden mit allen Mitteln bekämpften, wollten sich die an der deutsch-jüdischen Identität festhaltenden Organisationen, wie der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens oder der Verband jüdischer Frontsoldaten, mit der Reichsregierung arrangieren. In Oberschlesien gelang jedoch ein für das deutsche Judentum einmaliger Zusammenschluß aller Gruppierungen zu einem Aktionsausschuß im Juni 1933. Dieser Ausschuß verfolgte die sogenannte Bernheim-Petition: Auf Veranlassung des international tätigen "Comite des Delegations Juives" hatte Franz Bernheim aus Gleiwitz eine Petition an den Völkerbund in Genf gerichtet, in der er Klage führte, daß er in Zusammenhang mit Maßnahmen der deutschen Regierung seine Stellung verloren habe. Zugleich legte er gegen die allgemeine Verschlechterung der Lage der Juden in Oberschlesien Beschwerde ein. Mit dem 15. Juli 1937 waren auch die oberschlesischen jüdischen Gemeinden dem Terror der Nationalsozialisten schutzlos ausgeliefert. Nach der deutschen Besetzung Oberschlesiens wurden auch dort als erstes die Gotteshäuser in Flammen gesetzt. Auf Anordnung der Behörden mußte die Zentralstelle der jüdischen Gemeinden bis zum 16. Mai 1940 Angaben über die Zahl und Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung Schlesiens machen. Demnach befanden sich in Schlesien noch 9 323, davon im ehemals polnischen Oberschlesien 4 486 Juden. Nach Angaben der zentralen jüdischen Organisationen verteilte sich die jüdische Bevölkerung auf die einzelnen Städte wie folgt: Teschen und Umgebung: 1750; Bielitz: 1 147; Kattowitz: 830; Königshütte: 506; Myslowitz: 180; Nikolai: 73. Laut polnischer Zählung hatten 1931 noch 5 716 Juden in Kattowitz, 4 430 in Bielitz und 2811 in Königshütte gelebt. Durch den Vernichtungsbefehl vom Sommer 1941 war die "Organisation Schmelt" gezwungen, die Lager aufzulösen und die Juden nach Auschwitz zu transportieren. Im Januar 1945 wurden die Arbeits- und Konzentrationslager vor den herannahenden russischen Truppen evakuiert. Die arbeitsfähigen Häftlinge wurden zu einem grausamen Marsch in die Zwangsarbeitslager im Westen gezwungen, der den meisten von ihnen das Leben kostete. Letzte Überlebende wurden hier von den Alliierten befreit. Nur einige wenige kehrten in ihre Heimatstädte zurück. (Die Verfasserin, geb. 1958, arbeitete seit 1988 in Münster am Forschungsprojekt "Oberschlesisches Judentum".) (Aufbau, March 4, 1994)