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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2002-01-01 · No. 72 (2002) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2002
Issue
No. 72 (2002)
Date
2002-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Etwas über das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutschjüdische Geschichte e.V. an der Gerhard-Mercator-Universität, Duisburg. ln den letzten Ausgaben unserer "Mitteilungen" brachten wir Texte aus der Zeitschrift "Kalonymos". Wir bringen nachfolgend einen Bericht von Frau Dr. Margret Heitmann vom Steinheim Institut über die Arbeit und Aufgaben dieses Instituts für Forschung der Vergangenheit der Juden in Deutschland, und die Zeitschrift "Kalonymos": "Kalonymos" - Zeitschrift des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts Duisburg. Den Leserinnen und Lesern der Mitteilungsblätter wird aufgefallen sein, daß wir in unserem letzten Nummern Artikel aus "Kalonymos" abgedruckt haben, doch nur wenigen dürfte die Zeitschrift des Steinheim-Instituts aus Duisburg bekannt sein. Das Institut wurde 1986 an der Duisburger Universität gegründet. Erforschte es in seinen Anfänaen vorwiegend die Epoche der letzten zwei, dreihundert Jahre, wendet es sich nun den mehr als tausend Jahren jüdischen Lebens in Aschkenas zu. So zum Beispiel dem jüdischen Gedenken in seinen Memorbüchern und Grabinschriften oder der Erforschung der Haskala, der jüdischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. In den letzten sechs Jahren erschienen 17 Publikationen und fünf Tagungsbände, 20 Konferenzen, Vortragsreihen und Seminar wurden durchgeführt. Mehr über die Tätigkeit des Instituts erfährt der Leser der "Mitteilungen" im Forschungsbericht, der kostenlos beim Steinheim-Institut, Geibelstraße 41, D-47057 Duisburg angefordert werden kann. Die Zeitschrift Kalonymos, Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte erscheint vierteljährlich und ist ebenfalls kostenlos zu beziehen. Der Name Kalonymos ist untrennbar mit den Anfängen der jüdischen Geschichte in Deutschland verbunden. Mitglieder der Familie Kalonymos, die sogenannten Kalonymiden, gelangten im 10. Jahrhundert von Italien an den Rhein, wo sie Wirtschaft und Handel belebten und in den folgenden Jahrhunderten das politische, kulturelle und geistige Leben des rheinischen Judentums geprägt haben. In jeder Ausgabe von Kalonymos wird auf der letzten Seite zusammen mit einem Quellentext ein Mitglied aus der Familie der Kalonymiden porträtiert. Darüber hinaus findet der Leser Beiträge zur deutschjüdischen Geschichte, Berichte über laufende Forschungsvorhaben, Tagungen und Veröffentlichungen, Buchbesprechungen wie auch Stellungnahmen zu aktuellen Fragen in Politik und Kultur." Pessach für Kalonymos ben Baruch und Esther bat Jair von Oscar Levertin ... leuchteten zwei große Silberpokale, der des Vorsängers und der, welcher bis zum Rande für den immer erwarteten Gast, den Propheten Elias, den nächsten Vorboten des Messias, gefüllt stand. ... auf Silberschalen, in weiße Tücher gewickelt, die ungesäuerten Brote der Armut und der Wüstenfahrt, das Salzwasser, das die Plagen und die Knechtschaft versinnbildlichte, der Schafsknochen, der an das Pessach-Lamm erinnerte, und das hartgekochte Ei, das Symbol des Lebens in seiner Veränderung und Erfüllung. Vor diesen Schalen ließ Henoch, der Vorsänger und Hausvater, sich nieder, seine Gattin neben sich... wie ein Königspaar am Tischende. Ihnen zunächst saßen alle Kinder, ... und die kleinen Hände umfaßten eifrig die Becher, in denen der schäumende Rosinenwein der Jugend perlte. Nach den Kleinen saßen wieder ältere ... weit weg hatte Kalonymos seinen Platz, Esther gegenüber. Mit lauter, lebensvoller Stimme brach Henoch das Schweigen: "Sehet, dies ist das Brot der Armut, das unsre Väter aßen im Lande Ägypten. Wen hungert, der esse mit uns, wer bedürftig ist, halte Pessach mit uns - ... ". Er verstummte, und die Mutter machte unter dem Tischtuch Michel, der nun mit seiner Frage einfallen sollte, ein kleines Zeichen. Mit kindlichem, unsicheren Tonfall sprach der Knabe... und rief mit schriller und glücklicher Stimme die Schlußworte hinaus. Alle nickten und rollten ihm quer über den Tisch Nüsse zu. Aber nun begann Henoch die Erzählung von Ägypten. Sein Vortrag war weder Sprechen noch Gesang, sondern eine Mischung aus beidem. Er summte die Worte nach alten traditionellen Melodien, von Land zu Land geführt mit Bundeszeichen und Schmähworten, vom Vater auf den Sohn vererbt, ... wie die Hoffnung des Volkes, ... feierlich wie Wiederholungen unverbrüchlicher, wenn auch noch so lange unverwirklichter Verheißungen. Aber an diese uralten Melodien knüpfte er alle anderen des Lebens: den Wiegengesang der Mutter, die Hochzeitschöre der Knabenstimmen im Heim der Braut, die Tischlieder der Freudentage ... alles floss in die große Flut... Aber je mehr Henoch in die Handlung hineinkam, desto dramatischer wurde sein Ton. Das Rituale verwandelte sich zu einem geistlichen Schauspiel, und die Gestalt des Vorsängers wandelte sich und wuchs. Und rings um die Tische stimmt man nach Gefallen ein, flüsterte oder lachte ... Die Haggadah begann mit der Sage von den weisen Meistern in Juda, den fünf Rabbinern aus der Zeit des Kaisers Hadrianus: Elieser, Josua, Eleasar ben Asarja, Tarphon und Akiba. ... Das war der letzte Kampf, den Juda mit dem Schwerte kämpfte, und die Nacht in Bene-Berak eine neue Aufbruchsnacht für eine Wüstenwanderung, länger als die ägyptische, ohne Mannaregen und Springquellen am Tage, ohne Feuersäule des Nachts - die Wüstenwanderung, die noch währte. So träumte Kalonymos während des Vorlesens, und wie Kindersorgen im Vergleich mit denen Erwachsener dünkten ihn die Prüfungen der Moseslegenden gegen alles, was seither Israel getroffen hatte. Henoch war. . . weit im Text gekommen. Ägyptens bittere Kräuter hatte man gekostet . . . das Rote Meer hatte seine Wogen geteilt und eine Straße für die Flüchtlinge der Nacht gebildet. Der Vorsänger sah vom Buche auf, zog die Kappe schief, nickte den Kindern zu und rief das traditionelle - Scherzwort: "Aber was geht das eigentlich uns an?" - um nach einer kleine, von Lachsalven erfüllten Pause daran zu erinnern, daß jeder der Anwesenden heute abend auch aus den Fesseln Ägyptens befreit wurde. Die Abendmahlzeit kam und unterbrach für eine Weile mit ihren Speisen und ihrer Heiterkeit die Vorlesung. Es duftete nach Öl und Sellerie, und man lachte laut über das mächtige Backwerk. . . . Die Alten suchten vergeblich den Fremdling in die Familienkette einzupassen, er selbst fühlte sich fern. Er gehörte her und doch nicht mehr her, als zu all den tausend Heimen, die über die Welt verstreut waren, in denen man mit derselben Wehmut dieselben Worte las und dieselben Scherzsprüche um dieselben süßen und gewürzten Gerichte ertönten . . . Und Kalonymos sagte zu sich selbst. . . Und Kalonymos blickte auf Henoch und sagte zu sich selbst. . . Und Kalonymos blickte auf Esther und sagte zu sich selbst: Warum sollte ich dich Braut nennen? Meine Schwester bist du, eine Leidensschwester durch Jahrhunderte . . . Miriam . . . , Tudelas schwarze Rose, . . ., Jehuda ben Halevy hat dich besungen . . ., Liebheid in Worms, . . . Esther, willst du noch mehr Namen und Todeslegenden haben? . . . (Fortsetzung auf Seite 9)

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