Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 71 (2001) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 71 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 13 (sequence 1654)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/7506414-7411968-7411989--440-7412002
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Endlich neues Verfahren gegen ehemaligen SS-Aufseher Die Münchener Staatsanwaltschaft hat den früheren SS-Oberscharführer Anton Malloth (88) angeklagt. Der Prozeß findet ab dem 23. April statt - 56 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus vermutlich der letzte große NS-Prozeß in der Bundesrepublik. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, daß Anklage wegen Mordversuchs und vollendeten Mordes in drei Fällen erhoben werde. Malloth sitzt seit dem 25. Mai 2000 in Untersuchungshaft in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Malloth soll als Aufseher im berüchtigten Polizeigefängnis "Kleine Festung Theresienstadt" in Nordböhmen von 1940 bis 1945 an der Mißhandlung und Ermordung von Gefangenen beteiligt gewesen sein. Das Gefängnis in Nachbarschaft zum jüdischen Ghetto unterstand direkt der Getapo in Prag, die dort vor allem politische Häftlinge einsperrte. Mehr als 700 Menschen wurden während des deutschen Protektorats in der "Kleinen Festung" ermordet oder zu Tode gequält. Bis zu seiner Inhaftierung im letzten Jahr lebte Malloth seit 1990 in einem komfortablen Altersheim in Pullach bei München (siehe auch AvS-lnfodienst Nr. 2/98, S. 15/16). Den Unterhalt im Altenheim, Träger ist der "Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband", bestritt das Sozialamt des Landkreises München, obwohl der angeblich mittellose SS-Mann "notariell beglaubigt" über Einnahmen aus einem Wohnhaus in Südtirol/Italien verfügt. Nach Recherchen des Kölner Autors Peter Finkelgruen besitzt Malloth in Meran an der Via Petrarca ein mehrstöckiges Mehrfamilienhaus, das er zwar seiner Tochter Anneliese überlassen, sich aber notariell die "Genußrechte" (Mieteinnahmen) gesichert hat. Finkelgruens Großvater, ein jüdischer Kaufmann, der vor den Nazis nach Prag geflohen war, wurde in der "Kleinen Festung" Theresienstadt, im Block A, erschlagen (10.12.1942; Tatverdächtiger: Malloth). Nach 1945 hielt sich der gebürtige Innsbrucker Malloth in Oesterreich auf und flüchtete 1949/50 - aus Angst vor einer Auslieferung an die Tschechen - ins italienishe Schena/Südtirol. Im Sommer 1 988 wurde Malloth, der 1 940 zum "Deutschtum" übergetreten war, aus Italien nach Deutschland abgeschoben und von Oberstaatsanwalt Klaus Schacht, Leiter der nordrhein-westfälischen "Zentralstelle für die Verfolgung von NS-Massenverbrechen“ bei der Staatsanwaltschaft Dortmund verhört. Dieser sah sich jedoch außerstande, Malloths "Schicksal" zu ermitteln. Nach Malloths Abschiebung strahlte das Fernsehmagazin MONITOR (ARD) einen Beitrag über den Fall aus. Darin erklärte Oberstaatsanwalt Schacht, er könne gegen Malloth keinen Haftbefehl erlassen, weil kein dringender Tatverdacht" vorliege. Daraufhin bezeichnete der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, die juristische Behandlug des Falles Malloth als "ganz unwürdigen und beschämenden Vorgang". Auch der Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, Simon Wiesenthal, war über das Verhalten der bundesdeutschen Justiz empört: "Ich kann nicht verstehen, daß der Oberstaatsanwalt keinen dringenden Tatverdacht sieht". Im Herbst 1999 meldete sich ein neuerZeuge. Seine Aussage reichte der nunmehr zuständigen Münchener Behörde, ein neues Verfahren zu eröffnen. A.v.S. Informationsdienst Nr. 1, April 2001 AN DEN VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER ...Erlauben Sie mir, daß ich mich zuerst vorstelle. Ich heiße Konstancja Szymura und wohne in Wroclaw, wo ich vor drei Jahren das Studium der Germanistik abgeschlossen habe. Im Augenblick arbeite ich als Fremdsprachenlehrerin und außerdem mache ich ein Zusatzstudium in Journalismus. Vor allem, seit langer Zeit interessiere ich mich für die jüdische Thematik und während meines Studiums habe ich mich besonders auf die jüdische Vergangenheit in Breslau aufmerksam gemacht. Jedoch damals gab es nur wenige Publikationen darüber. Dank dem Direktor des Historischen Museums zu Breslau habe ich die Adressen der Juden, die in Breslau vor dem Krieg geboren wurden und jetzt in London wohnen, bekommen. Infolgedessen hatte ich im Sommer 1999 und 2000 die Gelegenheit, einige Breslauer in London zu treffen und zu interviewen. Das war ein tolles Erlebnis für mich. Vor kurzem habe ich auch ein Interview mit Erwin Deutsch (in Breslau geb.), der jetzt in USA wohnt, via e-mail durchgeführt, im Mai, in der Zeitschrift "Odra" erschien mein Interview mit Anita Lasker Wallfisch (geb. in Breslau), die jetzt in London wohnt. In der Jüdischen Gemeinde hier in Breslau habe ich erfahren, dass natürlich viele Breslauer Juden in Israel wohnen. Deswegen möchte ich Sie fragen, ob Sie nichts dagegen hätten, sich mit mir in Israel zu treffen und über die Vergangenheit in Breslau und dann nachdem Sie die Stadt verlassen haben, zu erzählen? Ich wäre sehr glücklich das erste Mal Israel zu besuchen und das Material für ein Buch über Breslauer Juden zu sammeln. Ich möchte nämlich ein Buch herausgeben, das aus mehreren Interviews mit den Breslauer Juden bestehen sollte. Ich wünschte mir die wunderschöne Vorkriegsstadt - Breslau durch ihre Augen zeigen und den Geist der Stadt durch ihre kindisch-jugendlichen Erlebnisse, Erinnerungen und auch spätere Erfahrungen in ihrem Leben kennenzulernen. Es ist aber sehr schwierig für mich, die Adressen der Breslauer Juden in Israel zu bekommen. Ich würde mich freuen, wenn Sie (oder Ihre Mitglieder) mir anworten könnten. Konstancja Szymura Ul. Matejki 16/14 53-533 Wroclaw Polska amtosttm «SW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.