Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2001
- Issue
- No. 71 (2001)
- Date
- 2001-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 1653)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Professor Ismar (Yizchak Mosche) Elbogen s.A. Zu seinem 130. Geburtstag Einer der größten Forscher auf dem Gebiet der jüdischen Liturgie und Gebete war Professor Ismar Elbogen. Geboren in Schildberg (Provinz Posen) am 1. September 1871, kam er schon als Junge nach Breslau. Sein Vater war ein bedeutender jüdischer Gelehrter. In Breslau lebte er bei seinem Onkel, Professor Ja'akov Levi, der Verfasser des bekannten talmudischen Lexikons. Schon in seiner Gymnasialzeit erhielt er eine gut fundierte jüdische Ausbildung. Seine Lehrer in Talmud waren Rabb. Chajim Bloch und der Enkel von Rabb. Awraham Tiktin, der bekannte Rabbiner von Breslau. Nach Absolvierung des Gymnasiums trat er in das von Secharja Frankel gegründete Rabbinerseminar in Breslau ein. Hier war er der Schüler der Koryphäen der Wissenschaft des Judentums, wie David Rosin, Scha'ul Horowitz und vor allem des berühmten Talmudgelehrten Israel Levi, dessen Lieblingsschüler er war. Gleichzeitig studierte er an der Universität Breslau, wo er 1898 das Doktorat der philosophischen Fakultät erhielt. Im Jahr 1899 erhielt er die rabbinische Approbation des Rabbinerseminars. Im selben Jahr wurde er als Dozent für jüdische Geschichte und Bibelexegese an das Collegie Rabbinico Italiano in Florenz berufen. 1902 erhielt er einen Lehrauftrag seitens der Hochschule für Wissenschaft des Judentums in Berlin. Im selben Jahr gewann er den vom Breslauer Seminar ausgesetzten Preis für Forschungen auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte, für seine Arbeit "Geschichte des Achtzehngebets''. Diese Arbeit zusammen mit Veröffentlichung (im Jahre 1907) der "Studien zur Geschichte des jüdischen G"ttesdienstes", bildeten den Grundstock für sein monumentales Standardwerk "Der jüdische G"ttesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", welches 1913 erschien. Als am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts christliche Theologen, wie Harnack und Boussets, ihre Angriffe auf die Mischna und ihre Lehrer, die Pharisäer, veröffentlichten trat Elbogen ihnen mit seiner 1904 veröffentlichten Studie "Die Religionsanschauungen der Pharisäer" aufs Schärfste entgegen. Im Jahre 1919 wurde ihm der Professortitel verliehen. Elbogen war Mitarbeiter an fast allen jüdischen Enzyklopädien. Er veröffentlichte 225 Forschungsartikel, hauptsächlich in der "Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", welche bis 1938 vom Breslauer Rabbinerseminar herausgegeben wurde. An der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, war Elbogen Dozent für Talmud, jüdische Geschichte und Geschichte der jüdischen Liturgie. Als die Nazis im Jahre 1933 Juden verboten, an den Universitäten zu studieren, eröffnete Professor Elbogen auch Kurse für allgemeine Studien für die Studenten an der Hochschule. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen und die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gegründet wurde, betätigte sich Professor Elbogen besonders in den Sparten der jüdischen Erziehung. Er war auch Vertreter der jüdischen Wissenschaft im "Preussischen Landesverband Jüdischer Gemeinden." Als Mitglied der Jugendschriftenkommission der Bne-Brith Großloge in Deutschland, widmete sich Professor Elbogen dem Problem der jüdischen Jugendliteratur. Im Jahre 1938 mußte Professor Elbogen Deutschland verlassen und wanderte in Amerika ein. Bei seiner Ankunft in Amerika wurde ihm von seinem Freund, Professor Alexander Marx, Dozent für jüdische Geschichte am Rabbinerseminar in New York, der Vorschlag unterbreitet, einen Ergänzungsband zu dem großen Standardwerk der jüdischen Geschichte von Heinrich Zwi Grätz zu schreiben, von der Epoche an, wo das Werk von Grätz endet. Elbogen nahm diesen Vorschlag mit Freude an, und machte sich mit jugendlichem Eifer an die Arbeit. Sein Buch beginnt mit dem Jahr 1848 und behandelt nicht nur das Judentum in Mittel- und Westeuropa, sondern auch Osteuropa und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Buch endet mit dem Jahr 1943, in welchem der Verfasser . starb. Das Buch umfaßt also eine Zeitspanne von ca. 100 Jahren. Diese war nicht nur von einem aufsteigenden Antisemitismus geprägt, dessen Höhepunkt die Machtergreifung der Nazis in Deutschland war, sondern auch von einer jüdischen Renaissance, in allen Sparten des jüdischen Geisteslebens. Professor Elbogen schreibt über die Wiederbelebung der hebräischen Sprache durch Elieser Ben-Jehuda, die neue hebräische Literatur, aber auch über die neue jiddische Literatur. Er gibt uns auch eine lebendige Schilderung über den Aufbau von Erez-Israel. Im Jahre 1928 hielt er Gastvorlesungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seitdem war er Mitglied des Verwaltungsrats des Judaistischen Instituts in Jerusalem. Elbogen schreibt über die Entwicklung der großen Jeschiwot in Osteuropa einerseits und des amerikanischen Judentums andererseits. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundenen Judenverfolgungen durch Nazideutschland bedrückten ihn sehr. Ein Monat vor seinem Ableben (1. August 1943), war es Professor Elbogen vergönnt, die Korrekturbogen des letzten Kapitels seines Buches zu lesen, welchem er die letzten fünf Jahre seines Lebens gewidmet hat. Mit Professor Elbogen ist einer der größten Gelehrten der Wissenschaft des Judentums in Deutschland dahingegangen. M. E. Hauschner •ÄvI%'Ä’Ä¥Sl‘Ä’Ä¥fl?