Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2001
- Issue
- No. 71 (2001)
- Date
- 2001-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 1647)
- Language
- German
- Belongs to
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6 JUDEN IM KONZENTRATIONSLAGER GROSS-ROSEN UND IN DEN VON IHM UNTERSTELLTEN ZWANGSARBEITSLAGERN. (Eine schmale Brücke zum Leben, von Bella Gutterman, Yad Wa'schem Verlag, Jerusalem) Die meisten Bücher, welche sich mit dem Holocaust und den berüchtigten Todeslagern befassen, geben uns eine Darstellung vom Leben und insbesonders von der Ermordung der in diesen Lagern gefangenen Juden, und dem barbarischen Verhalten der Nazi-Schergen in diesen Lagern. Bella Guttermann, in ihrem neuen Buch über das Konzentrationslager Gross-Rosen, behandelt eine besondere Art von Lagern, über welche bisher wenig geschrieben wurde. Diese Konzentrationslager waren Zweiglager. In diesen Zweiglagern waren Fabriken und Werkstätten, welche zu den großen Konzernen IG Farben, Siemens, u.a.m. gehörten, welche für die Rüstungsindustrie und die Kriegsmaschine der Nazis arbeiteten. Die großen Konzentrationslager stellten die Arbeitskräfte für diese Rüstungskonzerne. Die dort beschäftigten Zwangsarbeiter wurden in der unmenschlichsten Art und Weise ausgebeutet und ein großer Teil von ihnen starb an Schwäche und Hunger. Beim Lesen dieses Buches erhalten wir ein lebendiges Bild vom "Leben'1 der in diesen Lagern internierten Zwangsarbeiter. Es handelt sich hier nicht nur um das physische Überleben, sondern auch um das seelische und geistige. Es entwickelt sich, trotz allem, eine Art kultureller, ja sogar religiöser Tätigkeit, und vor allem, die gegenseitige Hilfe. Die Verfasserin schreibt über die Verschiedenheit der Auffassung, welche in den führenden Nazikreisen herrschte. Einerseits der Wille der Nazis, die Juden in die Vernichtungslager zu schicken, andererseits für die Kriegindustrie Arbeitskräfte zu bekommen. Durch die Mobilisierung der Männer in Deutschland machte sich der Mangel an Arbeitskräften in der Industrie stark bemerkbar. Zuerst rekrutierten sich die Zwangsarbeiter aus den Reihen der nichtjüdischen Bevölkerung, in den von den Deutschen besetzten Gebieten, wie Polen, Tschechoslowakei, u.a. Erst 1942 fing man an, auch eine gewisse Zahl von jüdischen Facharbeitern als Zwangsarbeiter in der Kriegsindustrie zu beschäftigen. Andererseits verlangte man von der SS die Vernichtung der Juden in den Vernichtungslagern zu beschleunigen. Das Buch behandelt die Zwangsarbeit in Nazi- Deutschland und in den von den Deutschen besetzten Gebieten. Das Ziel der Deutschen war die Zusammenfassung aller Juden, welche unter deutscher Herrschaft standen, in Konzentrations- und Vernichtungslagern, um so ihren verbrecherischen Plan der Vernichtung der Juden zur Ausführung zu bringen. Als in den Kriegsjahren die Industrien ohne genügende Arbeitskräfte den Anforderungen der deutschen Kriegsmaschine nicht gerecht werden konnten, machte sich, vor allem seit 1943, die Tendenz bemerkbar, auch eine bestimmte Zahl von jüngeren Juden in der Kriegsindustrie zu beschäftigen. Gross-Rosen liegt ca. 60 km südwestlich von Breslau. Anfangs war Gross-Rosen ein Zweiglager vom KZ Sachsenhausen. 1939 wurden polnische Kriegsgefangene dort interniert, um in den dortigen Granitwerken als Zwangsarbeiter beschäftigt zu werden. Doch es entwickelte sich schnell zu einem selbständigen Lager, welches Zweiglager umfaßte, in welchen die großen Konzerne durch unmenschliche Ausbeutung der Sklavenarbeiter ihre großen Gewinne erzielten. In den Jahren bis 1942 waren in Gross-Rosen fast keine Juden. Die Juden wurden zum größten Teil in die Vernichtungslager deportiert. Als ab Juni 1943 die Alliierten die Schwerindustrie Deutschlands so stark bombardierten und dadurch nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügten, wurde beschlossen, viele Industriezweige in andere "sichere" Gebiete zu überführen. Die Arbeitskräfte sollten von den Konzentrationslagern gestellt werden; so war es nur selbstverständlich, daß auch eine Anzahl von Juden in dieser Rüstungsindustrie beschäftigt wurden. Die Verfasserin zeichnet uns ein erschreckendes Bild von der Korruption der in den Lagern beschäftigen Deutschen - Wehrmacht und SS - welche einen großen Teil der wenigen Produkte, welche für die Sklavenarbeiter bestimmt waren, sich aneigneten, um sie dann zu hohen Preisen zu verkaufen. Im Gegensatz zu den bestialischen Nazis lesen wir über die kulturelle und religiöse Tätigkeit der in den Arbeitslagern internierten Juden. So z.B. gab es in einem Lager ein Paar Tefillin, welche von Hand zu Hand gingen. Junge Menschen, welche aus der jüdischen Jugendbewegung kamen, schmiedeten schon Pläne, nach dem Sieg der Alliierten über Deutschland, sofort nach Erez-Israel zu gelangen. Ein besonderes Kapitel ist dem Lager der Frauen gewidmet. Dort herrschten genau dieselben furchtbaren Verhältnisse wie in den Lagern der Männer. Die ohnehin schon geschwächten Frauen mußten, meistens hungrig, schwere Arbeit verrichten. Besonders schlimm aber war die Situation von Frauen, die schwanger in die Arbeitslager gebracht worden waren. Im Lager Kratzau. z.B. waren in der Zeitspanne zwischen Oktober 1944 bis Mai 1945 sieben Geburten. Die Neugeborenen wurden auf Befehl des Lagerkommandanten getötet. Lieder und Tagebücher, welche die Gefangenen schrieben, geben uns ein trauriges Bild. Das Buch ist ein erschütterndes Dokument über das Leben der Gefangenen in den Arbeitslagern, welche dem Lager Gross-Rosen unterstellt waren. Wir lesen bekannte Namen, wie Klettendorf, Hirschberg, Waldenburg, Landeshut - einige der Orte, in welchen die Arbeitslager errichtet wurden. Und das alles in nächster Nähe von Breslau, wo die drittgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland war. Die meisten Bewohner dieser Gegend, so wie in anderen Teilen Deutschlands, wußten über die Verbrechen, welche in diesen Lagern verübt wurden. Für die Überlebenden dieser Lager waren sie eine "schmale Brücke zum Leben", welche ihnen die Möglichkeit gab, der Nachwelt über die Verbrechen der Nazis zu berichten. M.E. Awi - Achija