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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 70 (2001) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 70 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Judentum in Ostpreußen (Fortsetzung von Seite 17) Schutz und wies darauf hin, daß sie ihre Waren preiswerter verkauften und Kredite mit besseren Konditionen anböten als die ermländischen Händler. Während es Juden durch ihre Sparsamkeit zu etwas gebracht hätten, würden viele ermländische Händler "gern lange schlafen, den ganzen Tag mit Tee und Kaffeetrinken, auch Tabakrauchen, zubringen, ihre liebste Frau nach der neuesten Mode kleiden, und wenn sie etwa ein Kind zu taufen oder eine Tochter zu verheiraten haben, aus übertriebener Bürgerhoffahrt... alsdann mehr verprassen, als sie das ganze Jahr über verkauft haben". IV Die Juden in Ostpreußen von 1812 bis 1918 Bis zum Judenedikt von 1812, das im Zusammenhang mit den Stein- Hardenbergschen Reformen erlassen wurde, galt auch in Ostpreußen das Judenprivileg von 1750, in dem zwischen generalprivilegierten, ordentlichen und außerordentlichen Schutzjuden unterschieden wurde. Erst das Judenedikt vom 11. März 1812 machte die Juden zu "Einländern und Staatsbürgern" und erlaubte ihnen, sich in den Städten und auf dem Lande niederzulassen. Der Vorschlag Wilhelm von Humboldts (1767- 1835), Juden auch für öffentliche Ämter zuzulassen, wurde in das Edikt nicht aufgenommen. Außerdem galt es nicht für den ganzen preußischen Staat, sondern nur für die Gebiete, die Napoleon im Frieden von Tilsit nicht annektiert hatte, während in den 1815 von Preußen erworbenen bzw. wiedergewonnenen Gebieten die dort üblichen Judenordnungen ihre Gültigkeit behielten. Das Scheitern der preußischen Reformen und der Beginn der Reaktion nach 1815 führten dazu, daß das Judenedikt von 1812 überdacht wurde, da es nach Meinung der Verwaltung voreilig erlassen worden war. Im Jahre 1811 lebten in Ostpreußen 808 Juden, 724 im Regierungsbezirk Königsberg und 84 im Regierungsbezirk Gumbinnen. Mit 610 lebte der überwiegende Teil in der Hauptstadt selbst, in Gumbinnen waren 14, in Memel 25 und in Tilsit 13 Juden ansässig, während es auf dem Lande fast keine jüdischen Bewohner gab. Nach dem Judenedikt von 1812 verdreifachte sich die Zahl der Juden in Ostpreußen nahezu und betrug im Jahre 1817 2 375, von denen 2085 im Regierungsbezirk Königsberg und 290 im Regierungsbezirk Gumbinnen lebten. In der Stadt Königsberg wohnten zu dieser Zeit 953 Juden. Aus einem Bericht des ostpreußischen Oberpräsidenten Hans Jakob von Auerswald (1757-1833) vom 24. August 1818 geht hervor, daß der Zuzug jüdischer Bewohner nach Ostpreußen hauptsächlich von Westpreußen aus erfolgte, da dort die Lebensbedingungen und Verdienstmöglichkeiten weit schlechter waren. Die Juden Ostpreußens hatten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber auch mit innergemeindlichen Auseinandersetzungen zu tun. Von den orthodoxen Juden, die an ihren althergebrachten Riten und Sitten festhielten, setzten sich liberale Gruppierungen ab, die sich weitgehend ihren christlichen Mitbürgern anzugleichen suchten. In der Folge gab es zahlreiche Übertritte jüdischer Bürger in die evangelische Landeskirche. Zwischen 1812 und 1842 wurden in Königsberg 166 Juden evangelisch getauft, darunter so bedeutende Familien wie die von Simson, Oppenheim, Marcus, Lewald, Auerbach, Cohn und Hirsch. Übertritte zum Katholizismus waren eher selten und sind erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Ermland, wo die katholische Kirche eine hervorragende Rolle spielte, bekannt. Die Juden, die nach 1812 ins Ermland kamen, waren meist arme Leute aus Polen und Rußland, die sich zunächst auf den Erwerb von Rohprodukten (Altwaren) beschränkten. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts besserte sich die soziale Lage der Juden im Ermland, viele verdienten ihren Lebensunterhalt als Kleinhändler auf Jahrmärkten mit Kleidung und Haushaltswaren. Die liberale Gesinnung des ostpreußischen Judentums setzte sich vor allem in Königsberg durch, wo die Liturgie seit 1812 durch einige Neuerungen starke Berührungen mit dem evangelischen Kultus aufwies. Hierzu zählten die Einführung der Orgel und des Chorgesangs sowie der teilweise Gebrauch der deutschen Sprache in der Liturgie. Diese Tendenz sollte duch die Berufung des als liberal bekannten Breslauer Rabbiners Isaak Assur Francolm (1788-1849) gestärkt werden, der jedoch auf den Widerstand orthodoxer Kräfte stieß und wegen des Vorwurfs, die Gemeinde zu spalten, nach kurzer Zeit Königsberg wieder verlassen mußte. Sein Nachfolger, Joseph Levin Saalschütz (1801 -1863), setzte die fortschrittliche Gemeindepolitik fort, so daß sich die Gemeinde durch den Zuzug liberal gesinnter Juden rasch vergrößerte. Die orthodoxen Juden gründeten im Gegenzug zwei Bethäuser, in denen sie den alten Ritus pflegten. Ein Jahr vor der Revolution von 1848/49, am 23. Juli 1847, wurde ein Gesetz erlassen, das den Juden weitere Rechte einräumte, darunter die Erlaubnis, sich in festen Synagogengemeinden zusammenzuschließen. Die Folge davon war eine flächendeckende Gründung jüdischer Gemeinden in Ostpreußen. An der Revolution von 1848/49 waren auch Juden beteiligt, die in Königsberg in liberalen und radikalen Zirkeln zusammenkamen und sich für eine politische Neuorientierung in Preußen einsetzten. Das Scheitern der Revolution und der zunehmende Einfluß der Reaktion ließ Stimmen laut werden, die sich für eine Reduzierung des jüdischen Einflusses aussprachen. So vertraten die Mitglieder des Königsberger "Preußenvereins" ihre antijüdische Haltung zunehmend auch in der Öffentlichkeit. Auch die revidierte preußische Verfassung vom 31. Januar 1850 gewährte den Juden keine erweiterten Rechte, ja sie schränkte sogar die Möglichkeit ein, sich für ein Amt im Staatsdienst zu bewerben. Die Juden Ostpreußens übten deshalb auch in den Jahren nach der Revolution überwiegend Tätigkeiten in Handel und Wirtschaft aus, wo ihnen keine Beschränkungen auferlegt waren. Dies geht auch aus den amtlichen Überlieferungen der Regierung Königsberg des Jahres 1853 hervor, die genaue Angaben über die soziale Struktur der Königsberger Gemeinde enthalten. Danach gehörten die meisten Juden Königsbergs dem Kaufmannsstand an, daneben gab es zahlreiche Krämer und Händler. Der Handwerkerstand war nur sehr schwach vertreten, ebenso gab es wenige Angehörige des akademischen Standes, bei denen es sich überwiegend um Ärzte handelte. In der gleichen Statistik wird ein Rittergutsbesitzer Julius Hirschfeld erwähnt, der in Absintkim/Landkreis Königsberg ein Rittergut erworben hatte. Zu dieser Zeit hatten es in Königsberg auch einzelne jüdische Fabrikanten zu Wohlstand gebracht. Hierzu (Fortsetzung auf Seite 19)

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