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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 70 (2001) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 70 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Judentum in Ostpreußen von Ulrich Hutter-Wolandt I. Forschungslage In der ostpreußischen Landesgeschichtsforschung hat es nach dem Zweiten Weltkrieg - anders als für Schlesien - keine systematische Aufarbeitung der Geschichte der Juden gegeben. Es entstanden lediglich thematisch begrenzte Arbeiten, die sich mit einzelnen Gewerbezweigen (jüdische Goldschmiedekunst), Regionen (Juden im Ermland) oder Epochen (Juden zur Zeit des Deutschen Ordens, Juden in Königsberg zwischen 1700 und 1812 sowie zwischen 1880 und 1945) beschäftigten. Auch vor dem Zweiten Weltkrieg beschränkten sich die Forschungen auf kurze Überblicksdarstellungen, die meist in entlegenen, heute kaum mehr zugänglichen Zeitschriften oder Jahrbüchern erschienen sind. Trotzdem haben diese Arbeiten heute eine große Bedeutung, da sie vielfach direkt aus der archivalischen Überlieferung schöpften. So sind sie nun eine wertvolle Primärquelle, nachdem ein Großteil der Archivalien entweder durch die Nationalsozialisten, durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges oder durch Flucht und Vertreibung der Bevölkerung für immer verloren sind. Einen besonderen Anteil hatten Arbeiten zur jüdischen Gemeinde in Königsberg, deren erstes Archiv 1811 beim Brand der Synagoge vernichtet wurde. Das Archiv der neuen Synagoge, das die folgende Zeit bis zum Novemberpogrom 1938 umfaßt, konnte teilweise gerettet werden und befindet sich seit den 50er Jahren in Jerusalem. Das Archiv der Stadt Königsberg, das ebenfalls wichtige Unterlagen zur Geschichte der Juden enthielt und für die Arbeiten von Heimann Jolowicz und Selma Stern die Grundlage bildete, ging mit der Stadt 1945 zugrunde. Es besteht natürlich die Möglichkeit, daß Teile gerettet wurden und im Zuge der allgemeinen Öffnung auch der Archive in der ehemaligen Sowjetunion wieder zutage kommen. Außer den Akten in Jerusalem sind in Berlin (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz) die Unterlagen der früheren Regierung Königsberg und des Etatministeriums zugänglich, die von Hans Jürgen Krüger in seiner Dissertation über die Königsberger Juden zwischen 1700 und dem Judenedikt von 1812 ausgewertet wurden. Auch sozialhistorische Forschungsmethoden, die zunehmend eingesetzt werden, haben für diesen Themenbereich nur bedingten Wert. So kann die "oral history", da es kaum noch Überlebende des Holocaust gibt, nur noch das Einzelschicksal vor dem Vergessen bewahren, sie wird aber kaum verallgemeinerungsfähige Aussagen ermöglichen. Auch gedruckte Erlebnisberichte ostpreußischer Juden sind selten. Im Jahre 1962 erschienen die Erinnerungen von Curt Rosenberg, der nicht nur seiner Vaterstadt Heilsberg, sondern ganz Ostpreußen ein Denkmal für tolerantes und mitmenschliches Zusammenleben von Christen und Juden setzen wollte. Trotz seines KZ- Aufenthalts hat Rosenberg die Liebe zur Heimat Ostoreußen nie verloren, einer Heimat, in der um die Jahrhundertwende kein Antisemitisemus zu spüren war: "Das Leben in dieser Kleinstadt warfast wie in einer großen Familie. Es bestand wahre Toleranz zwischen den drei Religionen. ... Die Juden wurden von beiden Seiten als völlig gleichberechtigt behandelt. “ Die meisten Arbeiten zur ostpreußischen Geschichte vernachlässigen diesen Bereich der Landeskunde. Weder in der Geschichte Ostpreußens von Bruno Schumacher noch in dem von Hans Rothe herausgegebenen Sammelband "ostdeutsche Geschichts- und Kulturlandschaften. Teil II Ost- und Westpreußen" finden sich entsprechende Abschnitte. Auch das im Erscheinen begriffene "Handbuch der preußischen Geschichte“ behandelt das Thema nur am Rande. Eine kunsthistorische Untersuchung der jüdischen Sakralbauten in Ostpreußen ist bis heute ebenfalls nicht erfolgt. Zwischen 1928 und 1930 wurde vom "Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden" eine Inventarisierung jüdischer Kunstdenkmäler in Auftrag gegeben. Hierzu wurde ein Fragebogen verwandt, in dem die Gemeinden Angaben zu historisch wertvollen Sakralgegenständen, Synagogengebäuden und Friedhöfen machen sollten. Diese Umfrage erbrachte fünf Aktenbände, die erhalten sind, bis heute aber nicht ausgewertet wurden. So sind große Teile der jüdischen Sakralkunst völlig unbekannt, während es zu den Gebäuden wenigstens die neunbändige Dokumentation von Adolf Boetticher über "Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen" aus den Jahren von 1892 bis 1899 gibt. Im Jahre 1932 wurde damit begonnen, dieses Inventarverzeichnis zu aktualisieren. Als einziger Band erschien im Jahre 1933 die Aufstellung über "Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Allenstein" (bearb. von Carl Wünsch). Die einzige zugängliche Kunstgeschichte Ostpreußens von Anton Ulbrich (Nachdruck Frankfurt/Main 1976) läßt die jüdischen Kunstzeugnisse ebenfalls außer acht. Etwas günstiger sieht es bei den biographisch orientierten Kompendien aus. Als Beispiel dafür mag die Weimarer Zeit dienen; in neueren Werken zur Kunst-, Architektur- und Profanaeschichte dieser Eooche finden sich immer auch biographische Arbeiten zu bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten Ostpreußens, die bis 1933 führende Stellungen in Politik, Wirtschaft und Kultur innehatten. Viele von ihnen waren aus der Provinz nach Berlin gezogen, weil sie hier größere Entfaltungsmöglichkeiten hatten. Hierzu zählten seit der Jahrhundertwende die Architekten Alexander Beer (1873-1944), Erich Mendelsohn (1887-1953), Bruno Taut (1880-1938) und Max Taut (1884-1967), der Regisseur und Schauspieler Leopold Jessner (1878-1945) und die Politiker Kurt Blumenfeld (1884-1963) und Hugo Haase (1863-1919). II. Die Juden in OstpreuBen im Mittelalter Die Juden hatten im Territorium des Deutschen Ordens keine festen Niederlassungen, obwohl es im Mittelalter in Preußen größere Städte wie z. B . Danzig, Elbing, Thorn und Königsberg gab, die die Ansiedlung jüdischer Händler begünstigten. Während es im Preußenland des 14. Jahrhunderts fast keine Juden gab, lebte in Polen und Litauen immer eine größere Anzahl jüdischer Kaufleute. Ein Problem bei der Erforschung besteht darin, daß zuverlässige Quellen nicht vorhanden sind und viele Berichte über die frühe Ordenszeit aus späteren Jahrhunderten stammen. Es gibt allerdings (Fortsetzung auf Seite 17)

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