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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 70 (2001) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 70 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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NfiZI-KRIEQSVERBRECHER ERICH PRIEBKE UND SEINE KRMERfiDEN IN DER BRD Der in der italienischen Hauptstadt Rom unter Hausarrest stehende deutsche Nazi- Kriegsverbrecher und einstige SS- Hauptsturmführer Erich Priebke (87) pflegt engen Kontakt und regen Austausch mit Gleichgesinnten in der Bundesrepublik Deutschland. Zuletzt traf sich Priebke, NSDAP- Mitgliedsnummer: 3280478, im Spätherbst zu einem längeren Plausch inklusive Mittagessen mit einem Mitarbeiter der Waffen-SS-treuen Monatszeitschrift „Der Freiwillige". Priebke wird in dem Blatt, einer Pflichtlekture für Alt-und Neonazis, als „aufrechter und disziplinierter Of fizier der alten Schule" charakterisiert. Der "Offizier der alten Schule" ist einer der Täter des Geiselmassakers vom 24. März 1944 in den Areatinischen Höhlen in Rom. 335 Menschen zwischen 14 und 74 Jahren, darunter 75 Juden, wurden als „Vergeltung" für den Tod von 33 Südtiroler Polizisten, die am Vortag bei einem Partisanenanschlag umgekommen waren, von deutschen SS-Männern ermordet. Das Massaker gilt als eines der schwersten Nazi-Kriegsverbrechen in Italien während der deutschen Besetzung Roms. Priebke, der vom norditalienischen Brescia aus auch Juden-Deportationen organisiert hatte, war nach Kriegsende zwar gefangengenommen worden, verschwand jedoch im November 1946 spurlos aus dem Gefangenlager in Rimini. Organisiert wurde seine Flucht über die berüchtigte „Rattenlinie" des katholischen Bischofs Alois Hudal, eines Vatikan-Geistlichen. Erst im Mai 1994 spürte ihn ein US- Fernsehteam im südargentinischen Anden- Kurort San Carlos de Bariloche auf - 1800 Kilometer von Buenos Aires entfernt. Danach wurde Priebke, 1. Vorsitzender des Deutsch- Argentinischen Kulturvereins in Bariloche, von Argentinien an Italien ausgeliefert. In Bariloche, wo Argentinien „so richtig deutsch" ist und die „Häuser wie in Oberammergau" (SPIEGEL) ausschauen, hatte Priebke seit 1954 jahrzehntelang unter seinem richtigen Namen gelebt. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als allseits geachteter Besitzer eines Feinkostladens. Die braune Umgebung von Bariloche, einem beliebten Zufluchtsort von Nazis, hatte es Priebke angetan. Zeitweilig praktizierte dort der SS-Mediziner Josef Mengele als Badearzt, am Stadtrand wohnte der Vergasungsspezialist Walther Rauff, ebenfalls ansässig war Miguel Viene, ein belgischer SS- Mann. 1998 wurde Priebke in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt und kurz darauf aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest gestellt. Juristisch standen bzw. stehen Priebke u.a. die Rechtsanwälte Pedro Bianchi, unter Perons Herrschaft in Argentinien Mitarbeiter des Diplomatischen Dienstes, und Günther Herzogenrath-Arnelung, bundesdeutscher Szeneanwalt für Neonazis und Holocaustleugner, zur Seite. Betreut wird Priebke seit seiner Auslieferung nach Italien von Mitgliedern der,.Stillen Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte". Prominentestes Mitglied der "Stillen Hilfe", in der rund 40 Alt-Nazis und ehemalige Angehörige der Waffen-SS organisiert sind, ist Gudrun Burwitz, Tochter des früheren Reichsführers SS, Heinrich Himmler. Burwitz und der trübere SS-Mann Günter Stübiger, Aktivist des NSapologetischen "Deutschen Rechtsschutzkreises", teilen sich die Betreuung von Priebke. Unterstützung erfährt Priebke auch von der "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG), dem mitgliederstarksten Neonazi-Zusammenschluss in der Bundesrepublik. Ziel der HNG, für deren Sprachrohr Priebke immer wieder zur Feder greift, ist die materielle und ideelle Betreuung inhaftierter Gesinnungskameraden. Zur Feder greift Priebke auch für die Zeitschrift "Nation + Europa", dem führenden ideenpolitischen Organ von Rechtsextremisten unterschiedlicher Couleur. Der Redaktion des Blattes teilte er jüngst mit: "Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit diesem prächtigen Monatsheft, das sicher manchem 'Gehirn-Gewaschenen' das Blut zum Wallen bringt.“ Um eine Freilassung von Priebke zu erzwingen, haben deutsche und italienische Rechtsextremisten Gnadengesuche beim italienischen Staatspräsidenten und dem deutschen Bundespräsidenten eingereicht. Besonders aktiv zeigen sich hierbei die italienische Vereinigung "Associazione Uomo e Liberta" unter dem Präsidenten Paolo Giachini, einem römischen Unternehmer, und der deutsche Freundeskreis um das Rentnerehepaar Hansi und Heinz Kiessler im baden-württembergische Gernsbach. Die Familie Kiessler, deren Anschrift sich in der Kartei des zwischenzeitlich verstorbenen Holocaustleugners Thies Christophersen (Autor der "Auschwitz-Lüge") findet, unterstützt seit Jahrzehnten inhaftierte Nazi-Kriegsverbrecher. Zu ihrem "Kampf" zählt auch die Pflege des Grabes des einstigen Sturmbannführers der Waffen-SS, Walter Reder. Reder war 195t in Italien als Verantwortlicher für das Massaker an 1.800 Zivilisten in der Ortschaft Marzabotto zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Unterstützer des Gnadengesuches für den Alt- Nazi Priebke ist auch der Ehrenvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion des Bundestages, Alfred Dregger. Solidarität mit Priebke bekunden ebenso die "Nationalen Infotelefone" (NIT), Ansagedienste von Neonazis für Neonazis. In einer Ansage des "Nationalen Infotelefons Franken" heißt es: "Eine bestimmte Sorte Menschen verfolgen anständige deutsche Menschen getreu ihres Glaubens mit alttestamentarischem Haß. Man will Erich Priebke nicht in Freiheit sehen. Schlimmer noch, es befinden sich Leute mit BRD-Paß, als Deutsche kann man sie ja wohl kaum noch bezeichnen, die Priebke noch in der Bundesrepublik vor Gericht zerren wollen." Priebke selbst ist sich keiner Schuld bewußt. In einem Brief an den Holocaustleugner Erhard Kemper, einen ehemaligen Funktionär der 1995 verbotenen Neonazi-Vereinigung "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP), beklagt er, dass niemals in der jüngeren Geschichte "ein Besiegter nach mehr als 50 Jahren des Kriegsendes für eine damals legale Kriegsmaßnahme vor ein Gericht gestellt worden" sei. Priebke abschliessend: "Ich habe allen deutschen Botschaftern, die nach Bariloche kamen, die Hand gedrückt, habe deutsche Delegationen und deutsche Besucher empfangen und war auch vor den argentinischen Behörden der offizielle Vertreter der deutschen Landsmannschaft von Bariloche." Herrenmenschen unter sich. Anton Maegerle, Journalist (AVS Informationsdienst Nr. 2/3 Dezember 2000)

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