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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2001-01-01 · No. 70 (2001) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2001
Issue
No. 70 (2001)
Date
2001-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Neugebürt in Wroclaw (Eine jüdische Hochzeitsfeier in Polen bedeutet mehr als nur eine Heirat) von Ruth E. Gruber, Jewish Telegraphie Agency Als Curt Fissel nach seiner Hochzeitszeremonie in der südwestlich gelegenen polnischen Stadt Wroclaw das Glaß zerstampfte, brach die Gemeinde in lauten Applaus aus, und ein Chor von "Mazal Tov" Rufen wurde laut. Diese freudige Reaktion bedeutete mehr als nur der Ausdruck herzlicher guter Wünsche für Fissel und seine Braut, Ellen Friedland, die beide aus Montclair, N.J. stammen. Ihre gefühlsvolle Heirat fand an einem Sonntag statt, in der teilweise renovierten "Storch" Synagoge, die vier Jahre vorher nur eine Ruine war. Es war die erste jüdische Hochzeit in 36 Jahren und stellte einen symbolischen "Meilenstein" dar im Leben der kleinen neu erwachenden jüdischen Gemeinde. "Dies ist ein heiliger Augenblick in der jüdischen Geschichte" sagte Rabbiner Michael Manson, der Rabbiner der Gemeinde "Shomrei Emunah" in Montclair, der extra nach Wroclaw kam, um die Hochzeitszeremonie durchzuführen. "Es ist auch eine Deklaration gegenüber der Welt, daß das jüdische Volk, wo immer es auch sich befindet, lebt und gesund ist." Die beiden, Fissel, ein Fotograf, und Friedland, eine politische Berichterstatterin der New Jersey Jewish News beschloßen in Wroclaw zu heiraten um ihr persönliches Glück öffentlich zu feiern - nicht nur für das vereinte jüdische Volk sondern auch für die Neugeburt jüdischen Lebens in Polen seit dem Fall des Kommunismus vor zehn Jahren. Die fast vollzählige Versammlung bestand aus mindestens der Hälfte der 600 - 1000 Juden in Wroclaw sowie fast 200 nichtjüdische städtische Bürger und etwa 30 Freunde und Familienmitglieder der Braut und des Bräutigams aus den Vereingten Staaten und Israel. "Ich war noch nie in einer Synagoge und wollte eine richtige jüdische Hochzeit sehen" sagte Anna eine 19 jährige Studentin, die mit ihren Eltern und ihrer Tante der Feier beiwohnten. "Es war wunderschön und auch überraschend. Es war viel mehr Gefühl, Liebe und Freundschaft dabei als in meiner Kirche". Repräsentanten der örtlichen Katholischen, Lutheranischen und Orthodoxen Kirchen waren anwesend, sowie auch der Konsul der Vereinigten Staaten aus Krakau und der deutsche Konsul in Wroclaw. Die örtlichen Media, Television, Radio und Zeitungen berichteten über das Ereignis. Die Feier began mit der Unterzeichnung der Ketubah - des Heiratskontraktes - und endete mit einer Festlichkeit bei der Klezmer Musik und Israelische Tänze vorgetragen wurden. Auch ein koscheres Buffet war in der Küche der jüdischen Gemeinde vorbereitet worden. "Unsere Hochzeit ist mehr als eine persönliches Band, das Leben und Familien vereint" sagte Friedland. "Es ist auch eine Bindung zwischen den verschiedenen jüdischen Gemeinden und eine Bindung zwischen verschiedenen Epochen der jüdischen Geschichte. In der einfachen Heirat zweier Personen liegt eine unausgesprochene, optimistische, große Hoffnung." Friedland und Fissel kamen ungefähr vor vier Jahren zum ersten Mal nach Polen. Sie erwarteten, wie die meisten Besucher Polens aus den Vereinigten Staaten, fast nur über jüdisches Sterben d.h. über die Vernichtung von 3 Millionen polnischer Juden während des Holocaust zu lernen, wie auch über die Vernichtungslager, die zerstörten Shtetls, Friedhöfe und Synagogen. Sie waren erstaunt, kleine jüdische Gemeinden zu finden, die nach dem Fall des Kommunismus anfingen, wie Sproßen aus der Asche zu stoßen. Fissel war als Christ geboren, aber er kehrte zu seinen fernen jüdischen Wurzeln zurück und trat zum Judentum über. "Meine jüdischen Wurzeln liegen sieben einhalb Generationen zurück" sagte er "aber mit meinem Übertritt habe ich meine jüdische Seele wieder mit dem Judentum verbunden". Die beiden produzierten und beendeten 1997 einen Dokumentarfilm mit dem Titel: "Polen: Das Entstehen einer neuen jüdischen Tradition". Während ihrer Arbeit wurde die jüdische Gemeinde in Wroclaw und besonders die "Storch" Synagoge ein packendes Symbol für die Zerstörung und das Wiederaufleben des jüdischen Lebens in Polen. "Warum gerade Wroclaw? Wir wissen es nicht" sagte Friedland "Am Anfang, als wir nach Polen kamen, fühlten wir den Geist der 3 Millionen toten jüdischen Seelen und das brachte uns hierher, besonders hierher, zu dieser Synagoge und zu dieser jüdischen Gemeinde, und zu einer Zeit als die Synagoge weder Dach noch Fußboden hatte und wenig Hoffnung für die Zukunft in Sicht war. Mit Hilfe einer Zuwendung von über 1 Million Dollar von einer deutschen Stiftung bekam die Synagoge ein neues Dach, und das Erdgeschoß wurde repariert, jedoche die beiden Baikone und die äußere Fassade müssen noch restauriert werden. Vor dem zweiten Weltkrieg gehörte Wroclaw zu Deutschland. Es hieß damals Breslau und war die Wohnstätte von über 30 000 Juden und die drittgrößte Gemeinde in Deutschland. Die neoklassische "Weiße Storch" Synagoge wurde 1829 erbaut und eröffnet und zwar von demselben Architekten, der das Brandenburger Tor entwarf. Das berühmte Breslauer Theologische Seminar war gerade gegenüber. Während des zweiten Weltkriegs wurden die Juden von Wroclaw in den Hof der Synagoge gepfercht, bevor sie in die Nazi Vernichtungslager deportiert wurden. Die Synagoge selbst wurde entweiht und diente als Stall. Nach dem Krieg wurde Wroclaw polnisch und während der Jahrzente wurde die Synagoge zu einer Ruine. Das jüdische Leben begann in Wroclaw nach 1989 wieder aufzuleben, als junge Leute begannen, wieder Anspruch zu erheben auf ihre jüdische Identität in mitten der neuen, religiösen, sozialen und politischen Freiheiten. Heute ist Wroclaw die zweitgrößte jüdische Gemeinde nach Warschau. Fast 45 Kinder werden nächstes Jahr die jüdische Schule besuchen, die von der Ronald S. Lauder Stiftung geleitet wird, und der Gemeindevorstand sucht einen Rabbiner für die Gemeinde. Die jüdische Gemeinde nahm 1996 wieder Besitz von der Synagoge und ehrgeizige Pläne wollen die Synagoge und die umliegenden verfallenen jüdischen Bürohäuser in ein volkommen funktionierendes Gemeindezentrum umwandeln.

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